Kohle bleibt Thema in Quierschied

Kohle bleibt Thema in Quierschied

300 Bürger kamen in die Werkstatt der Industriekultur, um gemeinsam mit Bürgermeisterin Karin Lawall Abschied vom Bergbau zu nehmen. Delf Slotta rief noch einmal die enge Verflechtung Quierschieds mit der Steinkohle in Erinnerung.

Göttelborn. Es hätte auf dem Gebiet der Gemeinde Quierschied keinen besseren Ort als die alte Waschkaue der Grube Göttelborn, die heutige Werkstatt der Industriekultur Saar, geben können, um noch einmal an die lange bergmännische Tradition im Ort zu erinnern. Der Raum spiegelt den Wandel vom einstigen Grubenareal zu einem Kultur- und Wissenschaftszentrum deutlich wieder. Quierschied muss wie kein anderer Ort im Saarland das Ende der Kohleära verdauen und sich nach neuen Möglichkeiten der Identifikation umsehen. Für die Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lawall war daher die Abschiedsveranstaltung zum Bergbauende an der Saar schon eine Pflicht. Sie sagte in ihrer Begrüßung: "Wir können den 30. Juni nicht kommentarlos vorüberziehen lassen. Der Bergbau hat unsere Gemeinde 250 Jahre lang geprägt".Die Worte der Rathauschefin stießen bei den 300 Zuhörern auf offene Ohren. Der fremde Beobachter merkte sofort, dass die meisten Gäste direkt oder indirekt mit dem Bergbau zu tun hatten oder immer noch haben. Die Tatsache, dass die meisten im feinen Sonntagsstaat kamen, beweist, dass sie die Abschiedsveranstaltung ernst nahmen - sie verfolgten die Vorträge mit höchster Konzentration.

So war es in der großen Halle mucksmäuschenstill, als Uschi Edelmann ihre selbst erlebte Geschichte mit dem (hochdeutschen) Titel "Aus einer Bergmannsfamilie damals" im Platt der Region erzählte - viele der Zuhörer hatten ähnliches wie die Quierschieder Mundartdichterin erlebt. Diszipliniert verfolgten die Gäste auch die beiden Vorträge von Delf Slotta zur Geschichte des Bergbaus im Saarrevier und speziell in Quierschied. Der Direktor des Instituts für Landeskunde verstand es, die historischen Abläufe lebendig und spannend darzustellen.

In seinem Ausblick auf die Nachkohlezeit verkündete er: "Die Tugenden der Bergleute wie Solidarität, Hilfsbereitschaft, Kameradschaft, Durchhaltevermögen, Sparsamkeit, Stolz und Demut, sind beste Voraussetzungen für die Gestaltung der Zukunft."

Karin Lawall unterhielt sich in einer Gesprächsrunde mit den Vorsitzenden der Bergmannsvereine Göttelborn und Fischbach, Horst Quint und Klaus Busch, über die Zeit nach dem Steinkohleabbau. "Wir wollen das Ansehen des Bergbaus wahren", so deren klare Ansagen. Die Bürgermeisterin sprach von ihren Visionen und Hoffnungen für die Nutzung ehemaliger Grubenanlagen. Die wichtigsten Aspekte dabei: intensive Förderung des Tourismus sowie die Gewinnung erneuerbarer Energie und zusätzlicher Gewerbeflächen.

Der Saarknappenchor, das Brass-Ensemble der Bergkapelle und der Schulchor der Erweiterten Realschule Quierschied gaben der Veranstaltung den festlichen Rahmen. "Berchmanns-guzzier" auf den Tellern der Tische und ein typisches Bergmannsfrühstück mit Lyoner mit Senf, Weck, Bier und einem Schnaps weckten bei den Gästen wehmütige Erinnerungen an die Zeiten, als die Kohleförderung den Takt im Alltag der Menschen vorgab.