1. Saarland

Knirpse schreien nach Vergeltung

Knirpse schreien nach Vergeltung

Nach misslungener Ostereiersuche mit ihrem Neffen startet Thea einen erneuten Anlauf, dessen Zuneigung zu gewinnen. Schwieriges Unterfangen für meine beste Freundin. Wenn nicht gar unmöglich, nachdem der Junge Stunden in der Notaufnahme zubrachte, sein Magen wegen vergammelter Eier rebellierte. Da muss sich Thea schon was einfallen lassen, um dies wieder gut zu machen

Nach misslungener Ostereiersuche mit ihrem Neffen startet Thea einen erneuten Anlauf, dessen Zuneigung zu gewinnen. Schwieriges Unterfangen für meine beste Freundin. Wenn nicht gar unmöglich, nachdem der Junge Stunden in der Notaufnahme zubrachte, sein Magen wegen vergammelter Eier rebellierte. Da muss sich Thea schon was einfallen lassen, um dies wieder gut zu machen. Und weil mein Kumpel Tobi überhaupt nicht einsieht, Theas dramatisches Suchspiel auszubaden, heftete er sein ebenfalls ihretwegen durchlittenes Patenkind ihr an die Fersen.Sie fügt sich ihrem Schicksal. Führt die Racker zum Spielplatz. Die Schlingel haben eine Heidenfreude, meine bewegungsträge Kumpelin übers Gelände zu jagen: von der Schaukel zur Wippe ans Kletternetz. Über die wackelige Schwingholzbrücke, wobei Thea kaum auf ebener unbewegter Fläche ihr Gleichgewicht halten kann. Sie strauchelt. Ihre linke Haxe rutscht zwischen Brettern hindurch. Das Schienbein gleicht jetzt dem eines Bundesliga-Kickers ohne Schonbezug. Anderthalb Stunden lässt sie die Tortur über sich ergehen.

Nun fordern die Jungs Eis. Thea darf dabei sitzen, während die beiden genüsslich schmatzen, geschmolzenes Schokoeis gleichmäßig auf ihre Hosenbeine kleckern. Dann dürstet ihnen. Theas Pimpf schnappt ungefragt ihr Glas Wasser. Schlürft aus, um es ihr gönnerhaft zu reichen: "Da Thea, trink schön weiter."

Meine ermattete Freundin und die Knilche trotten nach für Thea unendlich langen 60 Minuten in Regalen der Spielzeugabteilung tütenbepackt und mittellos zu ihr nach Hause. Dort stürmt Tobis Patenkind aufs Klo. Dann brüllt sein zartes Stimmchen hinter verschlossener Badezimmertür: "Theeeeeaaaaaa! Kannst Du mir den Popo abputzen?" Nach dem widerwilligen Wischmanöver gibt sie zu verstehen: "Das kannst Du demnächst sicher auch allein. Schließlich bist Du schon fünf." Der Kleine zieht souverän die Hose hoch, reckt seine beiden Flossen mit gespreizten Händen dicht vor Theas Gesicht. Grinst und verkündet, während er mit erhobenem Haupt aus dem Raum stolziert: "Ja. Ich aber muss mir jetzt nicht die Hände waschen."