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Klinik-Neubau in Neunkirchen droht zu scheitern

Kostenpflichtiger Inhalt: Geldmangel : Klinik-Neubau in Neunkirchen droht zu scheitern

Das Diakonie-Klinikum ist sanierungsbedürftig, der Träger wollte es gleich ganz neu bauen. Ein Grundstück gäbe es – aber das nötige Geld fehlt.

Eines der größten Krankenhaus-Bauprojekte des Saarlandes ist in weite Ferne gerückt. Der mit rund 100 Millionen Euro kalkulierte Neubau des sanierungsbedürftigen Diakonie-Klinikums in Neunkirchen liegt auf Eis, weil das Geld fehlt. „Wir wissen derzeit nicht, ob wir bauen können“, erklärte eine Sprecherin des Krankenhausträgers Kreuznacher Diakonie. Von einer zuverlässigen Finanzierung sei man „leider noch sehr weit entfernt“. Weiter erklärte die Kreuznacher Diakonie: „Die Politik muss entscheiden, welche Krankenhauslandschaft sie künftig im Saarland realisiert sehen will und die Finanzierung der dafür erforderlichen Infrastruktur sicherstellen.“

Das Diakonie-Klinikum war aus dem Städtischen Klinikum hervorgegangen. Mit 308 Betten und mehr als 600 Mitarbeitern gehört es zu den mittelgroßen Krankenhäusern des Saarlandes. Die Stadt Neunkirchen hält für einen Neubau seit längerem ein vier Hektar großes Grundstück im Westen der Stadt direkt an der B41 bereit. Für einen Teil der Fläche besteht bereits Baurecht, es könnte also zügig mit ersten Maßnahmen losgehen.

Oberbürgermeister Jörg Aumann (SPD) wirbt für den Klinik-Standort Neunkirchen: „Ein Krankenhaus muss dorthin, wo die Menschen sind, nicht umgekehrt.“ Ein Krankenhaus würde nach Aumanns Worten zudem das neu entstehende Quartier im Westen Neunkirchens mit Hotel, Geschäften sowie Freizeit- und Kulturangeboten ergänzen. Zurzeit siedle sich in der Nähe Globus an. „Zusammen mit dem Krankenhaus kann hier ein ganz neues Stück Neunkirchen entstehen, das Dienstleistungsangebote bündelt und verbindet“, sagt Aumann.

Die Kreuznacher Diakonie hat sich noch nicht auf einen Standort festgelegt, falls jemals gebaut werden sollte. Dass die Neubau-Option derzeit keine „realistische Größe“ ist, wie die Kreuznacher Diakonie sagt, hängt nach Angaben des Trägers mit den mangelnden Investitionszuschüssen des Landes zusammen. Für ein Projekt in der Größenordnung von 100 Millionen Euro bedürfe es verbindlicher Zusagen des Landes. „Unser Förderbedarf liegt bei über 90 Prozent. Das, was das Land zu investieren bereit ist, liegt davon sehr weit entfernt.“ Eine Sanierung im Bestand sei aber keine sinnvolle Alternative.

Pro Jahr stellt das Land 32,5 Millionen Euro für Investitionen in den landesweit 23 Krankenhäusern zur Verfügung – zu wenig, da sind sich alle einig. Mehr konnte das Gesundheitsministerium auf Regierungsebene bisher nicht durchsetzen. Ministerium und Krankenhausgesellschaft beziffern den landesweiten Investitionsbedarf auf 500 Millionen bis zum Jahr 2025.

Die Kreuznacher Diakonie betreibt sechs Krankenhäuser, davon drei im Saarland (Diakonie-Klinikum Neunkirchen, Fliedner-Krankenhaus Neunkirchen und Evangelisches Stadtkrankenhaus Saarbrücken). Diese sechs Kliniken stünden, wie viele kleine und mittelgroße Anbieter auch, vor „beachtlichen wirtschaftlichen Herausforderungen“. Es fehle insbesondere an Investitionsmitteln. Eine Bestandsgarantie könne nur geben, wer Planungssicherheit und wer wirklich Aussicht auf eine auskömmliche Refinanzierung seiner Leistungen habe, hieß es.

Die Diakonie-Sprecherin versicherte: „Wir wollen keine Standorte schließen, weder im Saarland noch in Rheinland-Pfalz. Wir wollen Patienten versorgen. Aber Kosten und Erlöse müssen in Relation stehen, wir brauchen ausreichende Investitionsmittel und eine klare Entwicklungsperspektive.“

Moeglicher_Klinikneubau_in_NK. Foto: SZ/Steffen, Michael

www.kreuznacherdiakonie.de