Klaus Bouillon, Macher und Superminister wird 70

Saar-Innenminister wird 70 : Warum Klaus Bouillon ungern kuschelt

Der Innenminister riskiert gerne eine dicke Lippe. Zu seinem 70. Geburtstag kommen aber auch selbstkritische Töne.

„Früher dachte ich, mit 70 Jahren ist man alt.“ Klaus Bouillon, seit drei Jahren Innenminister im Saarland, zählt sich aber noch lange nicht zum alten Eisen. Der CDU-Politiker will weiter seinem Ruf als volksnaher Macher, Schaffer und Krisenmanager gerecht werden. Heute, 19. November, wird der Sohn eines kleinen Eisenbahnbeamten, der über 31 Jahre  Bürgermeister von St. Wendel war, 70 Jahre alt. Diesen Tag wird Bouillon, populärster Minister des Landes, im engen Familienkreis mit Ehefrau, Töchtern und Enkel Julian (3) feiern. Einen Tag später hat der streitbare Jubilar Freunde und Kritiker aus der Politik, Wegbegleiter und Mitarbeiter in die Mensa der Sportschule geladen.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte im November 2014 bei einer Regierungsumbildung Bouillon als  Trumpf-Ass aus dem Ärmel gezogen. Wohlwissend, dass der gelernte Sozialrichter aus St. Wendel gerne aneckt und keinem Streit aus dem Weg geht. Bei der Party steht Kramp-Karrenbauer auf der Liste der Laudatoren.

Interessante Anekdoten aus den bislang drei Jahren, in denen Bouillon mit am Kabinettstisch sitzt, kann „die Chefin“, wie er sie nennt, sicher erzählen. Neben Bouillon-Freund Klaus Meiser (CDU), Landtags- und Sportverbandspräsident, wird Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine als Redner erwartet. „Wir schätzen uns und kommen klar“, sagt Bouillon über seine Kontakte zu „Oskar“, der ebenfalls in der Kommunalpolitik groß wurde.

Bouillons politische Erfolge und Leistungen finden Anerkennung und Respekt, auch beim politischen Gegner. In der CDU muss mancher heute damit leben, dass ihr Vorzeigeminister mit dem ein oder anderen Kollegen vom Koalitionspartner oder aus der Opposition besser klarkommt als mit Parteifreunden, beispielsweise mit seinem „Kumpel“ Umweltminister Reinhold Jost (SPD) gemeinsame Auftritte am Grill absolviert.

Bouillon kennt seine Pappenheimer, sortiert politische Wegbegleiter nicht immer nach Parteibüchern, eher nach Leistungen und Erfolgen. Auch hier pflegt er eine klare Sprache und Ansage. Und er weiß, dass es zum Geschäft gehört, eine „dicke Lippe zu riskieren“: „Kuscheln gilt nicht.  Den Worten sollten aber Taten folgen.“ Mit durchaus selbstkritischem Unterton ergänzt er: „Wenn man Mist gebaut hat, muss man dazu stehen.“ So gesteht er freimütig ein, manchmal etwas vorschnell und an den Regularien einer großen Koalition vorbei gehandelt zu haben. Der Grund: „Vieles geht mir zu langsam.“

Statt den längst verdienten Ruhestand zu genießen und vielleicht auf dem von ihm geschaffenen Golfplatz in St. Wendel am eigenen Handicap zu arbeiten, hat sich der erfolgreiche Ex-Bürgermeister und Kommunal­experte als Minister Mammut­aufgaben gewidmet. In der Flüchtlingskrise profilierte er sich als Krisenmanager und Entscheider, regierte über Wochen aus einem Container im Lebacher Aufnahmelager. Beim Dauerbrenner-Thema „Personalnot bei der Polizei“ hat er sechs millionenschwere Sicherheitspakete durchgesetzt, räumt jetzt weiteren Handlungsbedarf ein. Er stellt die komplette Organisation auf den Prüfstand, will mehr Polizei auf die Straße bringen.

Größtes Sorgenkind des Superministers ist das jüngst übernommene Bauministerium („Ich wurde gefragt und habe nicht nein gesagt.“) mit seinen Problembaustellen. Dort hat sich Bouillon auch mal ein Zweigbüro reservieren lassen.

Ans Aufhören denkt Strippenzieher Bouillon mit 70  nicht. „Es gibt noch viel zu tun und es macht mir einfach Spaß.“ Zu seiner beruflichen Lebensplanung verrät der Jubilar: „Ich plane derzeit bis zum Ende der Legislaturperiode 2022. Wenn ich gesund bleibe, sehen wir dann weiter.“