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Kläranlage macht Prims sauberer

Kläranlage macht Prims sauberer

Otzenhausen. Damit der Neubau der Kläranlange im Münzbachtal verwirklicht werden konnte, hat das Land sogar das saarländische Wassergesetz geändert. Kommunen können nun eigenverantwortlich die Beseitigung von Industrie- und Gewerbeabwasser regeln. So war die Gemeinde Nonnweiler Bauträger der neuen Kläranlage, die 3,9 Millionen Euro kostete

Otzenhausen. Damit der Neubau der Kläranlange im Münzbachtal verwirklicht werden konnte, hat das Land sogar das saarländische Wassergesetz geändert. Kommunen können nun eigenverantwortlich die Beseitigung von Industrie- und Gewerbeabwasser regeln. So war die Gemeinde Nonnweiler Bauträger der neuen Kläranlage, die 3,9 Millionen Euro kostete. Das Saar-Umweltministerium förderte den Bau mit zwei Millionen Euro, das Wirtschaftsministerium gab 540000 Euro für die Infrastruktur. Den Rest finanzierten die beiden Unternehmen Wagner Tiefkühlprodukte und Hass Fleisch- und Wurstwaren.Am vergangenen Donnerstag wurde die Kläranlage nach zweijähriger Bauzeit offiziell in Betrieb genommen (wir berichteten kurz). "Man kann von einem Pilotprojekt reden, da die Anlage ausschließlich technisch und biologisch auf die Abwasserfracht der beiden Lebensmitte verarbeitenden Betriebe abgestimmt ist und sich in einer einzigartigen kompakten Bauweise darstellt", sagte der Nonnweiler Bürgermeister Hans-Uwe Schneider. Sogar eine Delegation aus Moskau habe sich die neue Anlage bereits angeschaut. Der Neubau sei notwendig geworden, weil die kommunale Kläranlage Kastel hoffnungslos überfrachtet war. Beim Bau dieser Anlage 1985 für die Orte Nonnweiler, Otzenhausen, Schwarzenbach, Braunshausen, Kastel, Züsch und Neuhütten seien bei der zu reinigenden Abwassermenge 10000 Einwohner zu Grunde gelegt worden.Durch die Entwicklung des Gewerbegebietes Münzbachtal ist seitdem die Abwasserfracht um das Doppelte gestiegen. Erschwerend kam hinzu, dass das Abwasser der Lebensmittelbetriebe eine andere Zusammensetzung hat als das Abwasser aus Wohngebieten. Die neue Kläranlage löst all diese Probleme, kann im Bedarfsfall noch erweitert werden.Gottfried Hares, Geschäftsführer von Wagner Tiefkühlprodukte, sagte: "Umweltorientiertes Handeln ist für uns eine Verpflichtung." Mit der neuen Kläranlage leiste man einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit. Die Kläranlage sei Voraussetzung für weitere Investitionen des Unternehmens. So gebe es in diesem Jahr 20 Millionen Euro für eine neue Produktionslinie und den Ausbau der Tiefkühl-Kapazitäten aus. In den vergangenen zwölf Monaten habe Wagner 65 neue Arbeitsplätze geschaffen, die Firma Haas zehn neue. Hares ging auch auf die geplante Sondermülldeponie in Mariahütte ein. Er unterstrich: "Eine intakte Umwelt ohne Gefährdungspotenzial ist für uns wichtig. Mariahütte wäre der gänzlich falsche Standort für eine Sondermülldeponie. Es muss alles getan werden, das diese nicht kommt."Rainer Grün, Staatssekretär im Umweltministerium, ging auch auf die Abwassersituation im Land ein. 95 Prozent der Haushalte im Saarland seien inzwischen an Kläranlagen angeschlossen. Die restlichen fünf Prozent kämen in diesem Jahr hinzu. Der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald sagte, der Gewerbepark Münzbachtal sein ein Erfolgsmodell. Die Region brauche Betriebe, die bereit seien, sich weiterzuentwickeln.Gemeinsam eröffneten die Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit dem Druck auf den roten Knopf offiziell die neue Kläranlage. Anschließend konnten sich die Besucher über die Arbeit informieren.

Mit einem Knopfdruck nahmen die Vertreter aus Politik und Wirtschaft die Kläranlage offiziell in Betrieb. Fotos: SZ

HintergrundDas Abwasser der beiden Lebensmittelbetriebe Wagner Tiefkühlprodukte und Hass Fleisch- und Wurstwaren unterscheidet sich von "normalem" Abwasser. Es enthält Lebensmittelreste, ist konzentrierter, unter anderem weil Regenwasser fehlt, und mit mehr als 20 Grad deutlich wärmer. Die neue Kläranlage ist auf diese Vorgaben abgestimmt. Das Abwasser durchläuft mehrere Reinigungsstufen, eine Siebanlage, ein 300 Kubikmeter fassendes Pufferbecken, zwei belüftete Reinigungs-Reaktoren, in den Bakterien die organischen Abfälle fressen und den Nährstoffgehalt verringern. Hinzu kommt ein Ausgleichsbehälter und eine nachgeschaltete Filterung, die Feststoffe zurückhält. Zur Schlammbehandlung stehen zwei belüftete Schlammspeicher mit jeweils 160 Kubikmeter Fassungsvermögen bereit. vf