1. Saarland

Kirchenmusik und moderne Stücke in der Wendelinusbasilika

Kirchenmusik und moderne Stücke in der Wendelinusbasilika

St. Wendel. Als ein wieder gern gesehener Gast bereicherte Reinhard Jaud den Orgelkonzertzyklus in der Wendelinusbasilika. Sein wohlproportioniertes Programm umrahmte Werke von Johann Sebastian Bach mit frühbarocken Stücken und Kompositionen des 20. Jahrhunderts.Kammermusikalisch sensibel gestaltete er zu Beginn Georg Muffats "Toccata decima"

St. Wendel. Als ein wieder gern gesehener Gast bereicherte Reinhard Jaud den Orgelkonzertzyklus in der Wendelinusbasilika. Sein wohlproportioniertes Programm umrahmte Werke von Johann Sebastian Bach mit frühbarocken Stücken und Kompositionen des 20. Jahrhunderts.Kammermusikalisch sensibel gestaltete er zu Beginn Georg Muffats "Toccata decima". Im "Benedictus" aus einer Orgelmesse des Pariser Meisters Guillaume-Gabriel Nivers kolorierte er die Oberstimme perfekt und fügte ein Choralvorspiel von Dietrich Buxtehude an ("Christ, unser Herr, zum Jordan kam"), in dem er für die ähnlich virtuos behandelte Melodie den sehr angenehmen Dulcian benutzte, während eine bewegte Canzonetta in G desselben Komponisten wiederum die Flöten bevorzugte. Eindrucksvoll gelang das groß angelegte Präludium in g-Moll und machte verständlich, warum Johann Sebastian Bach zu Buxtehude pilgerte.

Den von Bach mehrfach bearbeiteten Choral "Christ lag in Todesbanden" stellte Jaud in einem weniger bekannten durchsichtig kontrapunktischen Choralvorspiel vor. Im Kontrast dazu standen Präludium und Fuge in G: vertraute Klänge, gewichtig inszeniert und doch mit lebhaften Impulsen voranschreitend.

Fast ohne Atempause schaltete Jaud zu französischem Impressionismus um. Harmonisch reizvoll und rhythmisch überzeugend, überraschten "Arabesque" und "Scherzetto", 1913 von Louis Vierne komponiert. Besonders angelegen ließ sich der Innsbrucker Jaud seine Landsleute Anton Heiller und Augustinus Franz Kropfreiter sein. Von dem Wiener Heiller hatte er zwei Beispiele aus dessen 1977, drei Jahre nach seinem Tod, erschienenen Choralvorspielen zu Liedern des Dänischen Gesangbuchs gewählt, maßvoll modern, originell und klangschön. Als modernes Pendant zu Muffats Toccata und Buxtehudes Präludium bildete der Satz "Kyrie, Gott heiliger Geist" aus dem "Dreifaltigkeit-Triptychon", das der junge Kropfreiter 1959 geschrieben hatte, den Schluss: auch eine Art Toccata, anspruchsvoll, ein wenig herb, aber faszinierend in der makellosen Darbietung.

Ein liebenswürdiges Dankeschön an die glücklichen Zuhörer: Heinrich Isaacs "Innsbruck, ich muss dich lassen" in einer aktuellen Variante, gekonnt archaisierend mit gedämpften Zungenstimmen gespielt.