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Neue Juso-Landeschefin Kira Braun
„Es sollte nicht alles immer sofort verteufelt werden“

Die neue Juso-Landesvorsitzende Kira Braun
Die neue Juso-Landesvorsitzende Kira Braun FOTO: Mauritius te Dorsthorst
Saarbrücken. Die neue Juso-Landeschefin Kira Braun ist Optimistin und sieht ihre Partei auf einem guten Weg. Die 23-Jährige plädiert unter anderem für kostenlose Bildung. Von Mauritius te Dorsthorst

Mit gelbem Friesennerz trotzt Kira Braun dem grauen Novembertag, während sie vor dem Café unweit des St. Johanner Markts wartet. Dabei sticht sie, nicht nur aufgrund der Farbe ihrer Regenjacke, aus der Masse heraus. Die 23-jährige Jurastudentin bereitet sich gerade für das erste Staatsexamen vor und ist die frisch gewählte Landesvorsitzende der Jusos Saar. In Saarbrücken geboren und aufgewachsen fühlt sie sich nicht nur ihrer Heimat und Region verbunden, sondern auch in ihrer WG im Nauwieser Viertel gut aufgehoben. „Ich kann alles mit dem Rad erreichen.“ Obgleich die Situation für Fahrradfahrer in Saarbrücken noch immer nicht optimal ist, findet sie die Neuerungen – wie etwa die rote Fahrbahnmarkierung auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke – gut gelungen. „Weil Saarbrücken noch keine wirkliche Fahrradstadt ist, funktioniert das mit der Rücksichtnahme seitens der Autofahrer noch nicht so gut“, sagt sie. Aber Braun ist optimistisch und will erst mal abwarten, wie sich die Situation im Laufe der Zeit entwickelt. „Es sollte nicht alles immer sofort verteufelt werden.“ Eine Grundhaltung, die sie nicht nur auf die Neuregelungen im Straßenverkehr, sondern auch auf die Politik und Führungskräfte ihrer Partei bezieht.


Bereits während ihrer Schulzeit hat sie sich politisch für die sozial Schwächeren stark gemacht. Als Klassensprecherin und in der Schulvertretung des Willi-Graf Gymnasium orientierte sich die Saarbrückerin am politischen Engagement des Mitgliedes der Weißen Rose. „Als Widerstandskämpfer hat Willi Graf sich aktiv eingebracht, egal was es kostete.“ Dies war für Braun Ansporn genug, sich einer politischen Partei anzuschließen. „Ich möchte aktiv für meine Werte wahrgenommen werden“, erklärt sie. Da sie vor allem etwas gegen Ungleichheit und Ungerechtigkeit bewirken möchte, kam für sie nur die SPD infrage. „Keine andere Partei setzt sich so für soziale Themen ein“, meint Braun.

Dabei richtet sich ihr politischer Blick hauptsächlich auf die Landespolitik. Besonders Kinderarmut soll ihrer Meinung nach bekämpft werden. Denn „im Saarland ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen“, so Braun. Damit einher gehe auch, dass „die soziale Teilhabe nicht gewährleistet ist“, erklärt die Studentin. Um dem entgegen zu wirken, steht die Juso-Vorsitzende für einen kostenfreien öffentlichen Personen Nahverkehr und eine „gebührenfreie Bildung von der Kita bis zum Meister oder Master.“ Sie fragt sich, „wie man sich sozial engagieren soll, als Kind armer Eltern, wenn man sich die Fahrten zu den Veranstaltungen nicht leisten kann.“



Obwohl die SPD vor großen innerparteilichen Herausforderungen steht, ist Braun davon überzeugt, dass es voran geht. „Was ich mir von meiner Partei an Erneuerungen wünsche, hat bereits begonnen, nämlich, dass wir uns wieder den großen Themen widmen.“ Vor allem die Idee von Parteichefin Andrea Nahles, sich von der Agenda 2010 zu verabschieden, begrüßt die Studentin. Braun betont, dass sie keine vehemente Anhängerin der großen Koalition ist. Allerdings fände sie einen unkoordinierten Austritt aus der Groko falsch. „Ich will keine Koalition verlassen, weil ich den Horst nicht mag. Sondern, weil wir unsere Punkte nicht umsetzen können“, erklärt sie.

Für Kira Braun ist klar, die Partei muss wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ein ständiger Wechsel an der Parteispitze wäre ihrer Meinung nach nicht hilfreich. Zudem helfe eine starke landespolitische Orientierung, sich den Wählern zu nähern, damit die SPD wieder zur Volkspartei wird.