Mehr Schüler im Saarland: Kindersegen erreicht die Grundschulen

Mehr Schüler im Saarland : Kindersegen erreicht die Grundschulen

Grundschulen müssen wieder mit mehr Schülern rechnen – besonders in diesem Jahr. In einigen herrscht Raumnot, vor allem in Völklingen.

In nicht mehr ganz zwei Wochen, ab 16. August, müssen saarländische Schüler wieder die Schulbank drücken. Viele schultern den Schulranzen dann zum ersten Mal. Für die Grundschulen sind die Anmeldungen zwar noch nicht abgeschlossen, dennoch ist abzusehen, dass die Schülerzahlen auch in diesem Jahr weiter steigen werden. Das Ministerium für Bildung und Kultur rechnet vorläufig mit 31 490 Grundschülern. Rund 1600 Kinder mehr als im Jahr 2015 und knapp 500 mehr als im vergangenen Jahr. Erfahrungsgemäß gebe es immer noch Nachmeldungen, sagt Fabian Bosse, Pressereferent des Ministeriums. Endgültige Zahlen gebe es daher noch nicht. Gründe für den Anstieg seien eine steigende Geburtenrate und der Zustrom durch Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund. Einige Grundschulen im Saarland bringt das in Raumnot.

Nach der umstrittenen Schließung der Dependance in Perl-Besch ist die Grundschule in Perl mit deutlich mehr Schülern konfrontiert als geplant. Ebenfalls vor erheblichen Problemen stehen die Grundschulen in Völklingen. Die Grundschule Völklingen-Haydnstraße verfügt über zwölf Klassenräume und muss sich im kommenden Schuljahr auf 210 Kinder einstellen. Darum wurden zusätzlich Containern aufgestellt. Laut Ministerium beabsichtigt die Stadt Völklingen  dort durch Um- und Anbau mehr Raum zu schaffen, sodass die Container eine Übergangslösung bleiben sollen.

Die Grundschule Völklingen-Fürstenhausen werden 184 Mädchen und Jungen im kommenden Schuljahr besuchen. Bisher lag die Anzahl der Neueinschulungen bei 40 Kindern. Erstmals werden in diesem Jahr 64 Schüler neu aufgenommen. Bei der Größe der einzelnen Schulklassen wollen die Grundschulen den Anteil der Schüler mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen berücksichtigen. Das heißt konkret: Bei mindestens vier Kindern mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen pro Klasse sinkt die Gesamtzahl von 29 Kindern pro Klasse auf 25 Schüler. Auch in der Waldschule Fürstenhausen müsse auf Container zurückgegriffen werden, teilte das Ministerium mit. Allerdings sei hier nicht der Zustrom an Flüchtlingskindern für die Raumnot verantwortlich, sondern die Erweiterung der Freiwilligen Ganztagsschule.

Weitere Schulen, die mit den steigenden Schülerzahlen vor Raumproblemen stehen, sind die Grundschulen Sulzbach-Mellin, die Bachschule in Neunkirchen und die Offene Ganztagsschule Saarbrücken-Weyersberg. Das Ministerium zeigt sich von den Zahlen nicht überrascht. Regelmäßig errechnete Mittelwerte sprächen eine klare Sprache. Nach einer Prognose rechne man im Schuljahr 2026/2027 mit mehr als 33 500 Kindern. Deshalb seien im Landeshaushalt entsprechende Flexibilisierungen getroffen worden, um die erforderlichen Lehrer zur Verfügung zu stellen. Für diese ist das Ministerium für Bildung und Kultur zuständig.

Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, sieht in den steigenden Schülerzahlen ein Problem, das sich über die kommenden Jahre zuspitzen könnte. „Wir haben bereits einen Lehrermangel. Die Studienplätze für Grundschulen wurden reduziert“, sagt sie. Man müsse jetzt Vorsorge treffen, damit es nicht noch gravierender werde. Darunter fällt für sie auch die Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Auch sieht sie den Bund in der Pflicht, sich finanziell zu beteiligen.

Die Schulgebäude sind Aufgabe der Schulträger. Im Falle der Grundschulen sind dies Städte und Gemeinden. In Saarbrücken sei der Platz für das kommende Schuljahr noch ausreichend, teilte Stadtpressesprecher Thomas Blug mit. Um den steigenden Schülerzahlen auch in Zukunft gerecht zu werden, müsse jedoch erweitert werden. So sei in Burbach bereits ein Neubau in Planung. An den Grundschulen Wallenbaum und Weyersbach werden nach seinem Bekunden ab 2018 Container aufgebaut.

Warum die Träger nicht schon eher reagiert haben ist für Stefan Kreis, Landeselternvertreter der Grundschulen, unverständlich. „Die Zahlen sind bekannt. Die Kinder fallen nicht mit sechs Jahren vom Himmel“, sagt er.

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