Kinderschutz hat Vorrang

Kinderschutz hat Vorrang

Am Uniklinikum gibt es seit einigen Monaten eine Kinderschutzgruppe, die aus Experten aus verschiedenen klinischen Bereichen besteht. Initiatorin ist die Kinderärztin Stefanie Lehmann-Kannt, die zu Gast in der Redaktion war. Sie erläuterte, wie man misshandelten Kindern künftig besser helfen kann.

Homburg. In der vergangenen Woche fand im Sitzungssaal des Homburger Forums der 15. Saarländische Pädiatrie-Kongress statt. Der von der Initiative Krankenpflege jährlich veranstaltete Kongress hatte diesmal auch das neue Kinderschutzzentrum am Universitätsklinikum zum Thema. Die Veranstaltung richtete sich an Mitarbeiter der Pflegeberufe, betroffene Eltern und alle Interessierten.Dabei wurden auch die Aufgaben und die Funktion des neu gegründeten Kinderschutzzentrums vorgestellt. Aus diesem Grund war Stefanie Lehmann-Kannt zu Gast in unserer Redaktion, sie wollte die Kinderschutzgruppe, die maßgeblich auf ihre Initiative zurückgeht, unserer Zeitung vorstellen.

"Mir kam es darauf an, eine Anlaufstelle und klare Ansprechpartner innerhalb des Klinikums zu haben, falls Verdachtsfälle auftauchen", sagt die engagierte Kinderärztin. Denn oft würde ein Verdacht geäußert, machten blaue Flecken, Brüche oder Verhaltensauffälligkeiten stutzig. "Dafür gibt es jetzt konkrete Ansprechpartner", sagt Lehmann-Kannt, "wir sind ein Team aus mehreren Spezialisten aus allen Bereichen, die einem solchen Verdachtsfall nachgehen können."

Allerdings stellt sie auch klar: "Wir sind keine Sittenpolizei". Wichtig sei es, bei Verdachtsfällen die Eltern zu befragen, "denn es ist ja meist nicht so, dass Misshandlungen von bösartig veranlagten Müttern oder Vätern vorgenommen werden. Oftmals haben die Eltern selbst große Probleme, sind überlastet, kommen mit einem schreienden Kind nicht zurecht. Dann passieren Misshandlungen." Wenn sich Verletzungen, zum Beispiel auch durch massives Schütteln des Kindes, auf die Eltern zurückführen lassen, "dann informieren wir die entsprechenden Stellen".

Denn nach Diagnostik, Fallbesprechung und dem Gespräch mit den Eltern sei es wichtig, Hilfen zu vermitteln, damit Misshandlungen möglichst nicht mehr vorkommen sollen.

"Ein falscher Verdacht ist natürlich auch fatal", sagt Lehmann-Kannt. Deshalb wird mit standardisierten Dokumentationsbögen gearbeitet, die helfen sollen, auch in Stress-Situationen überstürztes Handeln und Einzelaktionen zu vermeiden: "Wir haben einen fachlichen Standard im Sinne eines Qualitätsmanagements etabliert, um körperlich, seelisch und sexuell misshandelte und vernachlässigter Kinder und Jugendliche zu erkennen und entsprechend zu handeln."

Deshalb sind Experten aus Kinderklinik, Rechtsmedizin, Gynäkologie, Radiologie, Neuroradiologie, Kinderchirurgie, Unfallchirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und HNO im Team dabei, ebenso Fachkräfte aus der Pflege, der Psychologie und dem Sozialdienst. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Pflege ein. Die regelmäßigen Treffen finden einmal im Monat statt, ein größerer Arbeitskreis "Prävention" tagt einmal im Quartal.

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