1. Saarland

Kein Vordrängeln an der Supermarktkasse

Kein Vordrängeln an der Supermarktkasse

Saarwellingen. Die Frau schreit den älteren Herren mit wutverzerrtem Gesicht an und geht auf ihn los. Er guckt erst eingeschüchtert, holt dann tief Luft, hebt die Hand und sagt dann nur ein Wort: "Stop!"Was so einfach klingt, kostet jede Menge Überwindung - auch wenn es wie hier nur ein Rollenspiel ist

Saarwellingen. Die Frau schreit den älteren Herren mit wutverzerrtem Gesicht an und geht auf ihn los. Er guckt erst eingeschüchtert, holt dann tief Luft, hebt die Hand und sagt dann nur ein Wort: "Stop!"Was so einfach klingt, kostet jede Menge Überwindung - auch wenn es wie hier nur ein Rollenspiel ist.

Vor allem für ältere Menschen, die sich körperlich unterlegen fühlen, ist es nicht so leicht, einem Angreifer entschieden entgegen zu treten. Wie das gehen kann, zeigt Karatelehrerin Hildegard Schulz-Jungmann in der Kappelschule in Saarwellingen. 15 Seniorensicherheitsberater aus dem Landkreis Saarlouis üben hier, sich zu behaupten, selbstbewusst aufzutreten und in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Zu den Kursinhalten gehört aber auch ein Stückchen Theorie, zum Beispiel die aktuelle Kriminalstatistik. Die Idee zu einem Selbstverteidigungskurs speziell für Senioren kam von den Beratern selbst, die nach einem Schnuppertermin im Rahmen der Saarwellinger Senioren-Herbst-Tage Lust auf mehr hatten. Um an ältere Bürger besser heranzukommen, sollen die Seniorensicherheitsberater mit gutem Beispiel vorangehen - und als Multiplikatoren ihr Wissen auch an "ihre" Senioren weitertragen.

Und der Kurs in Selbstbehauptung soll nach der Pilotphase allen 99 Seniorensicherheitsberatern im Saarland angeboten werden. Dafür sorgt auch Kriminalhauptkommissar Hermann Lehberger, der im Sozialministerium die Arbeit der Seniorensicherheitsberater betreut. 30 Euro kostet der Kurs mit fünf Terminen, den die ehrenamtlichen Berater aus eigener Tasche zahlen.

In Rollenspielen trainieren die Teilnehmer, sich in alltäglichen Situationen zu behaupten: "Vordrängeln an der Supermarktkasse", "Nein-Sagen bei Hausierern" oder "Angriff durch einen fremden Hund" heißen die lebensnahen Übungen. "Selbstverteidung beginnt im Kopf", betont Schulz-Jungmann. "Vieles geht über Körpersprache, Mimik und Gestik." Ihr ist es wichtig, durch die richtigen Worte, richtig hervorgebracht, eine Situation gar nicht erst eskalieren zu lassen. Ein entschiedenes "Nein!" zum richtigen Zeitpunkt wirkt eben manchmal Wunder.