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Einigung in letzter Minute
Kein Streik an der Uni-Klinik

An der Uni-Klinik wird nicht gestreikt.
An der Uni-Klinik wird nicht gestreikt. FOTO: Foto: Frank Kirchhoff/UKS
Homburg. Der Streik am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) fällt aus. Die Gewerkschaft Verdi hat mit der Klinikleitung vereinbart, das Pflegepersonal spürbar zu entlasten. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Es war eine Einigung in letzter Minute, nach einem Verhandlungsmarathon über 20 Stunden: Um 5.59 Uhr stimmte die Gewerkschaft der Vereinbarung mit dem UKS zu – sechzig Sekunden vor dem geplanten Streikbeginn am Mittwochmorgen. „Das war alles außerordentlich eng“, sagt Verdi-Sekretär Michael Quetting. Das Ergebnis nennt er „außerordentlich beachtlich“.


145 neue Stellen – vor allem in der Pflege

Worauf hat man sich geeinigt? Das UKS schafft 145 neue Vollzeit-Stellen. „Der Schwerpunkt wird auf der Pflege liegen“, erklärt Quetting. Hier wird der Zuwachs bei 130 Arbeitsplätzen liegen.



Eine zentrale Forderung von Verdi war eine Mindestpersonalausstattung für die Stationen. Was ist nun geplant? In Zukunft soll der Personalbedarf mit „objektiven Methoden“ ermittelt werden, so Quetting. Mit Hilfe eines Systems, das auch Krankheitsfälle einkalkuliert. Es wird zunächst in zehn Stationen, innerhalb von 18 Monaten flächendeckend eingeführt. Quetting zufolge gab es so etwas zuletzt in den Neunzigerjahren.

Soll-Zahlen sollen „sofort Entlastung“ bringen

Um „sofort Entlastung“ zu bringen, hat man sich auf Untergrenzen beim Pflegepersonal auf den Stationen geeinigt. Für alle Schichten werden Soll-Zahlen festgelegt, die nicht mehr unterschritten werden dürften, sagt Quetting: „Das ist einmalig.“ In fast keinem Bereich werde mehr alleine gearbeitet.

Freischicht nach hoher Belastung

Was geschieht, wenn das Personal-Soll unterschritten wird? Auch dafür gibt es eine Regelung, ein sogenanntes „Konsequenzen-Management“: Fehlen nach drei Schichten noch immer Mitarbeiter, könnten OP-Säle und Stationen laut Quetting geschlossen werden. Wer acht Tage auf einer unterbesetzten Station arbeiten musste, erhält eine bezahlte Freischicht – ein „Meilenstein“, so Verdi. Greifen wird das ab April nächsten Jahres.

Gewerkschaft: „Hohe Skepsis gegenüber Arbeitgeber“

Die neue Vereinbarung zwischen Verdi und dem UKS gilt ab Oktober, die Laufzeit ist kurz. Denn: „Es gibt eine hohe Skepsis gegenüber dem Arbeitgeber“, sagt Quetting.

Landespolitik begrüßt die Einigung

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) begrüßt die Einigung im Morgengrauen, er bedankt sich auf Twitter bei den Verhandlern. „Die Pflege hat Entlastung verdient, diese müssen wir jetzt mit aller Kraft angehen“, erklärt der saarländische Regierungschef. Nach Hans meldet sich auch Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) zu Wort: „Bei diesem Kompromiss verliert niemand sein Gesicht und die Pflegekräfte werden durch 145 neue Kolleginnen und Kollegen endlich entlastet.“ Mit der bezahlten Freischicht setze die Einigung neue Maßstäbe in der Entlastung in ganz Deutschland, so die Ministerin.

Magnus Jung, Fraktions-Vize der SPD im Landtag, sagt am Mittag: „Ein Aufwuchs um 145 Stellen und die Gewährung einer freien Schicht für Mehrarbeit sind ein großer Erfolg für die Beschäftigten des Universitätsklinikum.“ Das Ergebnis zeige, dass es sich lohne, hart zu bleiben.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Astrid Schramm, äußert sich ebenfalls positiv: „Es ist gut, dass es an der Uniklinik nun klare, verbindliche Regeln und Personal-Untergrenzen geben wird.“