1. Saarland

Kein Landeszuschuss für künstliche Befruchtung

Kein Landeszuschuss für künstliche Befruchtung

Saarbrücken. Kinder sind teuer, manchmal sogar schon vor der Geburt. Eine künstliche Befruchtung kann mehr als 10 000 Euro kosten. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Hälfte der Kosten. In Niedersachsen zahlen Eltern seit Jahresanfang nur noch 25 Prozent der Kosten, da Land und Bund gemeinsam 25 Prozent übernehmen

Saarbrücken. Kinder sind teuer, manchmal sogar schon vor der Geburt. Eine künstliche Befruchtung kann mehr als 10 000 Euro kosten. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Hälfte der Kosten. In Niedersachsen zahlen Eltern seit Jahresanfang nur noch 25 Prozent der Kosten, da Land und Bund gemeinsam 25 Prozent übernehmen. Die CDU/SPD-Landesregierung im Saarland sieht jedoch keine Chance, diese Art des Zuschusses zu gewähren.Der Bund übernehme nur 12,5 Prozent, wenn die Länder gleichzeitig denselben Betrag beisteuerten, erklärte Saar-Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU) der SZ. "Das ist für uns und andere Länder nicht akzeptabel", sagte er. Das Saarland müsse in erster Linie die Schuldenbremse einhalten. "Aber auch ohne Haushaltsnot sehe ich den Bund in der Verantwortung", betonte der Minister. Denn es handele sich hier um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Saarland hat im Bundesvergleich besonders stark mit dem Geburtenrückgang zu kämpfen. Die Bevölkerungszahl schrumpft seit Jahren.

Abgesehen davon, dass mehr Nachwuchs gefragt sei, sei es auch wichtig, dass es "gewollte Kinder" sind, sagte Dr. Lars Happel, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Kinderwunschzentrum IVF-Saar. Allerdings ließen sich seit 2004 weniger Paare in Saarbrücken behandeln. Das liege daran, dass die Krankenkassen die Kosten für eine künstliche Befruchtung zuvor komplett übernommen hätten. "Für viele ist es einfach ein finanzielles Problem", erklärte Happel. Das Interesse sei weitaus größer als die Zahl der Behandlungen es widerspiegele. Ein Versuch koste mit Arznei und ärztlichen Leistungen zwischen 3600 und 3800 Euro. Der Eigenanteil eines Paares liegt somit je nach Art der künstlichen Befruchtung zwischen 1500 und 1700 Euro pro Versuch. Aber es seien oft zwei bis drei Behandlungen nötig, so der Experte.

Es gibt aber Krankenkassen, die mehr Kostenanteile übernehmen: Die AOK Saarland/Rheinland Pfalz hat ihren Anteil 2012 von 50 auf 62,5 Prozent erhöht. Die IKK Südwest teilte auf SZ-Anfrage mit, dass sie eine Erhöhung des Zuschusses diskutiere. Bei der BKK VBU in Berlin erhalten auch Saarländer einen Zuschuss von 75 Prozent.

Storm sagte, er freue sich zwar über den Einsatz der Kassen. Aber die Lage sei "unbefriedigend". Es entwickele sich ein "Flickenteppich" verschiedener Zuschusshöhen. Er forderte eine einheitliche Lösung. Sein Ministerium schätzt die Zahl der Paare im Saarland, die ungewollt kinderlos bleiben, auf 10 000. "Das heißt aber nicht, dass auch alle Paare eine künstliche Befruchtung wollen", betonte Storm.

Hintergrund

Die Krankenkassen unterstützen Paare nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nur, wenn sie verheiratet sind. Zudem dürfen nur Eizellen und Samen der Ehegatten verwendet werden. Frauen müssen in der Regel zwischen 25 und 40, Männer nicht älter als 50 sein. nkl