1. Saarland

Kein Anschluss unter allen Nummern

Kein Anschluss unter allen Nummern

Ein Wassereinbruch hatte die Telefonleitung außer Gefecht gesetzt. Die Telekom erwies sich nicht als mitteilungsfreundlich. Die Krettnicher tappten hinsichtlich der Ursache der Störung im Dunkeln (wir berichteten).

Wie oft es Sohn und Tochter am Montag versuchten, die Mutter ans Telefon zu bekommen, vermögen sie nicht mehr zu zählen. Aus Angst, dass was Schlimmes passiert war, schwangen sie sich ins Auto und fuhren bei der alten Dame vorbei. Aufatmen: Die Seniorin, die in Krettnich zu Hause ist, war quietschfidel. Der Grund, warum die Mutter nicht zum Hörer griff: Es läutete bei ihr nicht durch, die Telefonleitung war tot - seit Sonntag. So sprach der Werbeslogan der Telekom "Erleben, was verbindet" in dem Waderner Stadtteil den Fakten Hohn - über vier Tage hinweg. Nicht nur Telefone blieben bis Mittwochnachmittag stumm, wie Ortsvorsteher Christian Leidinger der SZ sagte, beim Fernseher, wenn er über die Telekomleitungen geht, sah man schwarz, vielen war der Zugang zur weltweiten Datenautobahn versperrt. Die Ursache für das Fiasko: Wasser war in die Leitung eingedrungen, sie musste ausgewechselt werden, wie die Telekom auf SZ-Anfrage am Dienstag mitteilte.

Wie viele Leute in dem 540- Seelen-Ort betroffen waren, vermag der Ortsvorsteher nicht zu sagen. Für ihn steht aber fest: "Es gibt eine Menge ältere Menschen, die kein Handy haben. Diese waren komplett von der Außenwelt abgeschlossen. Was machen sie bei einem Notfall?"

Doch nicht nur die Senioren ohne Handy waren die Gelackmeierten, sondern auch Unternehmen. Notlösungen waren gefragt: "Wir haben eine Rufumleitung über Handy geschaltet", verriet Anja Molter vom Schirra Reisen auf SZ-Nachfrage am Mittwochmorgen. "Ich habe meinen Arbeitsplatz von Krettnich in unser Büro nach Wadern verlegt. Von hier aus kann ich telefonieren." Sechs Arbeitsplätze im Büro, inklusive Internet, waren nach ihrer Darstellung von dem Telefonausfall betroffen, Verbindungen zu den Fahrern aufrecht zu erhalten, gestaltete sich mehr als mühsam - nicht eingerechnet die Anrufe von Kunden, die ins Leere liefen. "Über unser D1-Netz sind wir auch nicht rausgekommen", gestand Bernhard Lehnert, Gesellschafter des Werkzeugbauers Brabant und Lehnert. Wichtige Telefonate mussten von außerhalb geführt werden. "Es ist katastrophal, wenn ein Betrieb vom Informationsfluss plötzlich abgeschnitten ist."

Das Gros der Kunden habe das Unternehmen in anderen Teilen des Bundesgebietes. "Da sind wir schon auf das Telefon angewiesen." Das Internet habe funktioniert - wenn auch mit Unterbrechungen. Was den Unternehmer fuchst: die fehlende Information durch den Kommunikationsriesen. Von sich aus habe Telekom keine Auskunft erteilt - weder über die Gründe des Ausfalls, die Entwicklung der Arbeiten noch, wie lange die Störung dauert" - eine Kritik, die Ortsvorsteher Leidinger teilt. "Guter Service geht anders. Wenn Wasser abgestellt wird, werden die Kunden informiert." So mahnt er die Politik an, die Konzerne zur Auskunft zu verpflichten.

Auf SZ-Anfrage hieß es von Telekom: "Es handelt sich bei einer solchen Störung nicht um eine planmäßige Abschaltung." Man erreiche die Kunden nicht mehr telefonisch, Handynummer von Festnetzkunden seien oft nicht bekannt. Internet habe nicht jeder. Es wird auf die kostenlose Hotline rund um die Uhr verwiesen, die die Krettnicher in Wartesschleifen hängen ließ. Schadenersatzansprüche bearbeite der Kundenservice.