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Wildtiere: Kehrt der Luchs zurück ins Saarland?

Wildtiere : Kehrt der Luchs zurück ins Saarland?

Rund 200 Jahre nach dem letzten Abschuss eines Luchses im Pfälzerwald konnte er dort wieder angesiedelt werden. Kommt er auch zu uns?

Seit mehr als fünf Jahren ist das Saarland auf den Luchs vorbereitet, doch bislang hat sich noch keines der Pinselohr-Tiere dort wieder angesiedelt. Das Umweltministerium sieht in einer möglichen Rückkehr des Luchses in einer dicht besiedelten Landschaft „eine große Herausforderung“. Der Luchs-Managementplan soll „eine mögliche Rückkehr angemessen begleiten.“

Bei den Nachbarn im Pfälzerwald wurden seit Juli 2016 sieben Tiere von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz freigelassen. Im Mai wurden die ersten beiden Jungen geboren.

Die Vermutung, einzelne Luchse könnten die Landesgrenze überschreiten, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Nur einer von ihnen, „Arcos“, sei im April in Höhe Bliesbrücken „ein Stückchen durchs Saarland gelaufen“, berichtete der Vorsitzende vom Luchs-Projekt Pfälzerwald/Vosges du Nord, Karl-Heinz Klein. Sein Verein hat das Ziel, eine Teilpopulation des Luchses im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen aufzubauen. „Arcos“ habe es jedoch vorgezogen, in Frankreich zu bleiben, zuletzt sei er in der Höhe von Colmar geortet worden. „Es ist möglich, dass er dort Fortpflanzungspartner findet“, sagte Klein, „deshalb haben wir ihn dort belassen.“

Anders als „Cyril“, der Anfang Juni den Rhein und damit die Landesgrenze nach Baden-Württemberg überschritt. Weil es dort für das Männchen keinerlei Aussicht auf ein Weibchen gab, wurde er vom Projektteam der Stiftung eingefangen und wieder im Pfälzerwald freigelassen. „Dort ist er jetzt am Standort geblieben“, sagte Klein. Insgesamt 20 Luchse sollen innerhalb von vier bis fünf Jahren in dieser Region ausgewildert werden, die nächsten im Frühjahr 2018, nachdem sie in der Schweiz und der Slowakei gefangen und mit GPS-Sender ausgestattet worden sind.

Naturfreunde, die sich 200 Jahre nach dem letzten Abschuss im Pfälzerwald die größte Wildkatzenart Europas auch wieder im Saarland wünschen, müssen sich noch gedulden. „Eine Aussetzung wäre hier eher kontraproduktiv“, sagte der Vereinsvorsitzende. „Man sollte lieber warten, bis sich der Populationsdruck in der Kernregion Pfälzerwald soweit aufgebaut hat, dass ein Abwanderungsdruck entsteht.“

Wissenschaftliche Untersuchungen sind laut Projektleiterin Sylvia Idelberger zu dem Ergebnis gekommen, dass das Biosphärenreservat eine Population von 45 Tieren gut versorgen könne. Wenn die Zahl zunehme, könne es sein, dass sich die Luchse dann auch ins Saarland begeben.
„Wir als Land sind offen dafür“, sagte der stellvertretende Leiter des Referates Arten- und Biotopschutz beim Zentrum für Biodokumentation in Schiffweiler, Steffen Caspari. „Und persönlich würde ich es auch begrüßen.“ Allerdings ist der Lebensraum im kleinsten Flächenstaat Deutschlands begrenzt. „Bei uns passen nur drei rein, dann ist es voll“, sagte Caspari.

Auch bei der Landesjägerschaft steht man dem Thema offen gegenüber: „Die saarländischen Jäger haben kein Problem mit dem Luchs“, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes, Johannes Schorr. „Der Luchs wird sich Lebensräume im Saarland suchen, die ihm zusagen. Das sind die Flächen, in denen relativ wenig Menschen in unserem dicht besiedelten Bundesland leben und relativ geschlossener Wald da ist.“ Etwa im Warndt, im Hochwald, vielleicht auch im Saarpfalzkreis.

Karl-Heinz Klein hofft, dass die Population der Luchse weiter wächst und das Verständnis bei der Bevölkerung groß bleibt. Bei der Projektplanung und auch danach sei intensiv der Kontakt zu Nutztierhaltern im Pfälzerwald gesucht worden. Als im Herbst 2016 von dem Männchen „Lucky“ einige Ziegen und Lämmer gerissen worden seien, habe das Luchs-Team der Stiftung die Tiere entdeckt, gemeinsam mit dem Tierhalter die Umzäunung optimiert und den entstandenen Schaden geregelt. Luchse ernähren sich eigentlich hauptsächlich von Rehen und jungem Rot- und Schwarzwild.