Katholische Religionslehrer im Bistum fordern Reform

Reformen gefordert : Katholische Religionslehrer machen Bischof Dampf

Pädagogen-Vereinigung fordert Mitbestimmung bei der Bewältigung der Kirchen-Krise. Die Glaubwürdigkeit der Kirche sei zerrüttet.

Kurz vor dem Pfingstfest hat die Vereinigung der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien, Gemeinschafts- und Gesamtschulen im Bistum Trier einen in dieser Form einmaligen Brief an Bischof Stephan Ackermann geschrieben, in dem die Pädagogen eindringlich ihre Mitwirkung und Mitbestimmung bei der Bewältigung der Krise der katholischen Kirche einfordern. Die etwa 5000 Religionslehrerinnen und -lehrer im Bistum Trier bräuchten „konkrete Schritte und sichtbare Zeichen“ von Ackermann, wenn sie weiterhin als glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen des Glaubens, nicht nur vor den Schülerinnen und Schülern, sondern auch vor Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Schulleitungen bestehen sollten. Bei der aktuellen Krise der katholischen Kirche gehe es längst nicht mehr um den Ruf nach einzelnen Strukturreformen, „sondern um die Glaubwürdigkeit der Institution und des Evangeliums in unserer Gesellschaft insgesamt“, betonen Kerstin Schmitz-Stuhlträger  und Patrick Wilhelmy.

Wilhelmy, der am Max-Planck-Gymnasium Saarlouis unterrichtet und als Fachleiter katholische Religion am staatlichen Studienseminar in Saarbrücken-Dudweiler arbeitet, sagte der SZ: „Wir wollen uns beteiligen am synodalen Prozess.“ Es könne nicht sein, dass die deutschen Bischöfe die dringend nötigen Reformen hinter geschlossenen Türen aushandelten. „Wir gehören zu dieser Kirche, deshalb müssen wir Druck aufbauen“, betonte Wilhelmy. Schließlich seien die Religionslehrerinnen und -lehrer mit zwei Mal 45 Minuten in der Woche am dichtesten an den Schülern dran. Und mit deren Fragen konfrontiert.

In dem Forderungskatalog des Bundesverbands der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer, den Kerstin Schmitz-Stuhlträger  und Patrick Wilhelmy Bischof Ackermann als Pfingstbotschaft übersandten, heißt es:  „Wir fordern das Ende eines repressiven Umgangs mit innovativ denkenden Theologinnen und Theologen. Kritische, auch unbequeme Stellungnahmen müssen als Chance wahrgenommen werden, nicht als Störfaktor.“ Zudem wird ein radikaler Wandel hinsichtlich der katholischen Geschlechterlehre gefordert. „Wir fordern ein Umdenken in Fragen von Sexualität insbesondere auch von Homosexualität, die Wertschätzung der menschlichen, körperlichen Verfasstheit verbunden mit der Freude am Körper und der eigenen Sexualität. Dringend notwendig erscheint ein ehrlicher Blick in die eigenen Reihen im Hinblick auf die Themen Sexualität, Homosexualität und Beziehungsfähigkeit“, schreibt der Bundesverband. Schüler entdeckten eine intransparente, unehrliche, machtorientierte Amtskirche, die den Schutz der Heiligkeit ihrer Institution höher achte als die Menschen, die sich ihr anvertrauten. „Der Missbrauch und seine Vertuschung stellen nur die Spitze des Eisbergs dar, an dem das majestätisch-stolze Schiff der Kirche unterzugehen droht. Die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Botschaft ist öffentlich zerrüttet“, so die Kritik der Religionslehrerinnen und -lehrer.

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