Kartenchip macht St. Wendelern zu schaffen

Kartenchip macht St. Wendelern zu schaffen

St. Wendel. Was für ein peinlicher Moment: Der Kunde steht mit vollem Einkaufswagen an der Supermarkt-Kasse. Er steckt die EC-Karte ins Lesegerät, um elektronisch zu bezahlen. Kurz darauf erklärt die Kassiererin, dass es nicht klappt - warum auch immer, obwohl das Konto gedeckt ist. Ein Blick ins Portemonnaie: kein Bargeld dabei. Innere Hitze steigt auf

St. Wendel. Was für ein peinlicher Moment: Der Kunde steht mit vollem Einkaufswagen an der Supermarkt-Kasse. Er steckt die EC-Karte ins Lesegerät, um elektronisch zu bezahlen. Kurz darauf erklärt die Kassiererin, dass es nicht klappt - warum auch immer, obwohl das Konto gedeckt ist. Ein Blick ins Portemonnaie: kein Bargeld dabei. Innere Hitze steigt auf. Unzählige Augen Wartender richten sich auf ihn. Was mögen die jetzt bloß denken?Ähnlich ergeht es zurzeit vielen. Und in der Tat trifft die meisten keine Schuld. Es handelt sich um eine Datenpanne mit Millionen EC- und Kreditkarten. Der Karten-Chip sorgt seit Jahresbeginn für Störungen, weil sich Computerprogramme mit dem Datumswechsel aufs Jahr 2010 schwer tun (wir berichteten). So auch im Landkreis St. Wendel. Achim Peter, als Abteilungsdirektor bei der Kreissparkasse unter anderem fürs Zahlungsgeschäft mit Karten zuständig: "Bei uns könnten bis zu 13 000 Karten betroffen sein." Das entspreche ungefähr 25 Prozent aller Karten seines Finanzinstituts, die im Umlauf sind. Der Banker sagt zu, dass die EC-Karten wieder an Geldautomaten funktionieren. Wer bargeldlos damit bezahlen will, müsse bis zum Wochenende mit Einschränkungen rechnen. Geschäftsleute versichern, auf etwaige Ausfälle durch Computerfehler kulant zu reagieren. So auch im St. Wendeler Globus-Warenhaus. Franz Herter ist Leiter für den Bereich IT (Computertechnik) und recht gelassen. Sein Unternehmen nutze bislang eine Vorgänger-Technik, die nicht auf die zurzeit anfälligen Chips der Geldkarten eingestellt sei, sondern auf Daten des braunen Magnetstreifens auf der Rückseite zugreife. Herter: "Hätten wir schon umgestellt, dann hätten wir auch die Probleme." Bis Jahresmitte muss aber laut Gesetz die neue Technologie eingesetzt werden, weil Experten dadurch besseren Schutz vor Datenmissbrauch zusichern. Gibt es trotzdem heute erkennbar rein technische Schwierigkeiten, "regeln wir das nicht an der Kasse, sondern separat an der Information". Dort gebe es ein weiteres Lesegerät. Wenn das ebenfalls patzt, "können sich Kunden an Geldautomaten im Markt versorgen". Gibt die Karte auch dort nichts her, greife Globus aufs Lastschriftverfahren zurück. Heinz Montmacher, Betreiber der Aral-Tankstelle in der St. Wendeler Mommstraße, zur Kartenpanne: "Es gibt vereinzelt Fälle mit Kreditkarten der Sparkassen. Aber das ist noch kein großes Problem." Einige Stammkunden hinterlegten von sich aus Führerschein oder Ausweis und besorgten rasch Bares. Andere füllten vorrätige Lastschriftformulare aus. Ähnlich bei Shell in der Linxweiler Straße - Petra Kuhn: "Wir nehmen die Personalien auf und erledigen das per Lastschrift." Doris Kubba, Chefin des Haushaltsfachgeschäfts Schaadt, sieht auch "zurzeit keine Probleme". Es gebe andere Bezahlmethoden. "Das Problem ist ja noch relativ jung. Darum sind die Auswirkungen bei uns auch sehr gering", berichtete Wolfgang Zeyer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "In St. Wendel tut sich was" mit mehr als 140 Geschäftsvertretern.Übrigens: Mitunter werde der Magnetstreifen auf EC- und Kreditkarten in Handtaschen unbrauchbar, berichtet Globus-Fachmann Herter. Viele Taschen hätten Magnetverschluss. Kommt der dem Datenträger zu nah, würden die darauf hinterlegten Infos zerstört.

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