Kampf gegen Genital­verstümmelungen

Kampf gegen Genital­verstümmelungen

Saarbrücken. Toussaint N'Djonoufa (Foto: Rannenberg) ent-rollt ein Plakat. Er deutet auf die darauf abgebildeten Frauen aus Togo, die früher Schamlippen und Klitoris junger Mädchen beschnitten haben, weil es so über Jahrhunderte in Togo an der Westküste Afrikas Brauch war. Etwa 300 Frauen aus Togo haben schon ihren früheren blutigen Beruf aufgegeben

Saarbrücken. Toussaint N'Djonoufa (Foto: Rannenberg) ent-rollt ein Plakat. Er deutet auf die darauf abgebildeten Frauen aus Togo, die früher Schamlippen und Klitoris junger Mädchen beschnitten haben, weil es so über Jahrhunderte in Togo an der Westküste Afrikas Brauch war. Etwa 300 Frauen aus Togo haben schon ihren früheren blutigen Beruf aufgegeben. N'Djonoufa kämpft in den westafrikanischen Ländern für die Abschaffung der Genitalverstümmelung von Mädchen. Er arbeitet als Projektkoordinator für den Verein Intact, der seinen Hauptsitz in Saarbrücken hat. Zur Kontrolle reist er in regelmäßigen Abständen in die westafrikanischen Dörfer, spricht dort mit den Dorfchefs, koordiniert die Arbeit der Partnerorganisationen und hält Seminare ab, um den Sozialarbeitern der Organisationen die "Anti-Beschneidungs-Strategie" zu erläutern.

Jetzt hielt sich N'Djonoufa über vier Wochen im Saarland auf und hat mit dem Intact-Vorstand die Arbeitsziele der nächsten Jahre geplant. Außerdem hat er Interviews gegeben und im Saarland, in Baden-Württemberg und Bayern öffentlich über seine Arbeit berichtet.

N'Djonoufas Job seit nunmehr zwölf Jahren ist es, zu überprüfen, ob die "Anti-Beschneidungs-Strategie" bestehend aus der Aufklärung aller Dorfbewohner und dem Einsetzen von Dorfkomitees in Benin, Togo, Burkina Faso und demnächst auch in Ghana und Senegal Erfolge zeigt. Bei den regelmäßigen Fahrten mit seinem Geländewagen bis in entlegene Dörfer sehe er zum Beispiel nach, ob die Sozialarbeiterinnen in den Familien mit jungen Mädchen sowie in der ganzen Dorfbevölkerung eine gute Aufklärungsarbeit geleistet haben, sagt er.

Neben der Aufklärung über die gesundheitlichen Folgeschäden der Beschneidung von Mädchen stellt das Dorfkomitee ein wichtiges Element in der Strategie gegen die weibliche Genitalverstümmelung dar. In Benin, das seit 2005 nach Angaben von Intact beschneidungsfrei ist, gibt es 1200 Komitees, in denen Männer, Frauen und teils auch ehemalige Beschneiderinnen ehrenamtlich zusammenarbeiten. "Das Dorfkomitee passt unter anderem darauf auf, dass die Beschneiderinnen nicht wieder anfangen, ihren alten Beruf auszuüben", sagt der 58-jährige N'Djonoufa aus Cotonou, der zweitgrößten Stadt Benins.

Damit die Frauen, die Mädchen beschnitten haben, ihre Tätigkeit aufgeben und eine neue Existenz gründen können, vergeben die Partnerorganisationen an diese einen Kleinkredit in Höhe von umgerechnet zwischen 100 und 200 Euro. Für den Fall, dass in einem Dorf wieder ein Rückfall in alte Bräuche droht, informiert das Komitee die Partnerorganisationen von Intact, die dann N'Djonoufa in Kenntnis setzen. Schließlich entscheidet er zusammen mit den Intact-Mitarbeitern im Saarland, was unternommen werden kann.

Der letzte Ausweg sei ein "Feuerwehr-Einsatz". Zum Beispiel entsendet eine Partnerorganisation Sozialarbeiter, die nochmals versuchen eine Familie davon abzubringen, ihr Kind beschneiden zu lassen. "Das gelingt den Sozialarbeiterinnen auch", sagt Intact-Chefin Christa Müller. So soll es auch glücken, dass 2012 Togo das zweite afrikanische Land sein wird, in dem die Beschneidung des weiblichen Geschlechts der Vergangenheit angehört.

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