Kämpfen auf Kaisers Spuren

Kämpfen auf Kaisers Spuren

St. Wendel. Ein Spektakel, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat, ein außergewöhnliches Ereignis, weltweit einzigartig. So soll das St. Wendeler Ritterturnier vom 31. August bis zum 2. September werden. Authentische Kämpfe, ein zeitgenössisches Lager und die Weltelite der Ritter - alles zu Ehren Kaiser Maximilians I., der 1512 die Stadt besuchte

St. Wendel. Ein Spektakel, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat, ein außergewöhnliches Ereignis, weltweit einzigartig. So soll das St. Wendeler Ritterturnier vom 31. August bis zum 2. September werden. Authentische Kämpfe, ein zeitgenössisches Lager und die Weltelite der Ritter - alles zu Ehren Kaiser Maximilians I., der 1512 die Stadt besuchte. Der Monarch war fasziniert von der während seiner Lebenszeit bereits verblassenden Ritterkultur und veranstaltete auch Ritterturniere. Daher trug er den Beinamen "Der letzte Ritter." Zu seinen Turnieren kamen die Besten der Besten, um zu Tjosten (Lanzenbrechen zu Pferd) oder sich im Nahkampf zu messen - das soll sich in St. Wendel wiederholen.Einer der Wettkämpfer, die im Sommer in die Stadt kommen, ist Arne Koets. "Es gibt auf der Welt vielleicht 300 Menschen, die das Lanzenbrechen beherrschen. Doch nur zehn davon verfügen über das reiterliche Können und besitzen eine authentische Rüstung, um zur Elite zu zählen", sagt Koets. Diese Elite wird in St. Wendel ihr Können unter Beweis stellen. Der gebürtige Niederländer war schon in seiner Jugend vom Rittertum fasziniert. Seit 20 Jahren übt er sich im Schwertkampf, 2002 begann er mit dem Tjosten. Momentan ist er als Kurator an der Fürstlichen Hofreitschule in Bückeburg beschäftigt und bis heute auf über 1500 Veranstaltungen aufgetreten. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Showkämpfe, es wird richtig zugeschlagen, manchmal tut's auch weh. Koets: "Prellungen, Gehirnerschütterungen und Brüche gehören dazu - das Handgelenk habe ich mir bereits 18 Mal gebrochen."

Ein weiterer Effekt der häufigen Teilnahme: die Verbesserung der Rüstung. Denn den Rittern, die nach St. Wendel kommen, ist es wichtig, dass die Panzerung authentisch ist, also derart beschaffen wie vor 500 Jahren. Dass die Schmiedemeister früher geschickt waren und das Wissen über die richtige Stahlhärtung oder die Verarbeitung der einzelnen Teile heutzutage mühsam rekonstruiert werden muss, weil die Quellenlage sehr mager ist, das weiß Koets aus eigener Erfahrung: "Wir betreiben auch experimentelle Archäologie und versuchen, stetig die Rüstung zu verbessern, zu verstehen, wie früher die Panzerung hergestellt wurde. Wir sind keinesfalls so arrogant zu denken, dass wir es besser wüssten als die alten Meister."

Wichtig sei vor allem eins: die Beweglichkeit in der Rüstung. Um diese zu verbessern, probiere man vieles aus, Fehler kommen vor. Daher gäbe es auf der ganzen Welt nur eine Handvoll Spezialisten, die eine derartige Rüstung herstellen können. Dementsprechend ist auch der Preis: "Meine Rüstung kostet 35 000 US-Dollar, es gibt jedoch auch teurere. Vier Jahre hat die Herstellung gedauert." 35 Kilogramm wiegt seine Panzerung für die Tjost - für den Massenkampf, das Mêlée, sind es nur 28 Kilogramm -, die sich allerdings nach Koets derart über den ganzen Körper verteilen würden, dass er davon nichts merke. Mehrere Stunden brauche er, um alles anzuziehen. Um gerüstet für den Kampf zu sein - zu Ehren des Kaisers.

Das Turnier: 31. August bis 2. September, 11 bis 19.30 Uhr, Veranstaltungsgelände Bosenbach. Zwei Ritter-Wettbewerbe pro Tag (16, 18 Uhr). Karten: 28,65 Euro, Wochenendticket 71,55 Euro. Kinder bis 14 Jahre frei. Infos: Tel. (0 68 51) 8 09 19 13.

Foto: lukas kowol