| 20:20 Uhr

Interview Detlev Schönauer
„Man wird schnell in die rechte Ecke gestellt“

Detlev Schönauer
Detlev Schönauer FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Kabarettist Detlev Schönauer hört immer häufiger, er vertrete rechte Standpunkte, weil er die Flüchtlingspolitik seit 2015 kritisch sieht. Er selbst sagt, er sei „ursprünglich links orientiert“. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Detlev Schönauer, gebürtiger Mainzer, lebt seit Jahrzehnten im Saarland. Der 65-Jährige ist Diplom-Physiker, war zunächst an der Saar-Uni als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, bevor er seine Leidenschaft, das Kabarett, zum Beruf machte. Damit hat Schönauer großen Erfolg, tritt regelmäßig auch im Fernsehen und in der Fastnacht auf (unter anderem in ARD und ZDF, etwa bei „Mainz bleibt Mainz“). Auch Parteien buchen ihn gern. Kürzlich ist Schönauer der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ der Linken-Politiker Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine beigetreten – auch wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage.


Warum haben Sie sich der „Aufstehen“ -Bewegung angeschlossen?

Auch jenseits der Bühne findet Kabarettist Detlev Schönauer klare Worte – und sieht die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisch.
Auch jenseits der Bühne findet Kabarettist Detlev Schönauer klare Worte – und sieht die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisch. FOTO: Robby Lorenz


SCHÖNAUER Zunächst mal wurde ich von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine gefragt. Und schon wegen meines Berufes möchte ich mich parteipolitisch nicht binden. Die Bewegung ist da für mich interessant, weil da Menschen mitmachen, die nicht zu einer Partei gehören...

Aber Lafontaine und Wagenknecht stehen ja für die Linke...

Ein Kabarettist in der Kritik: Wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik bekam Detlev Schönauer reichlich Gegenwind.
Ein Kabarettist in der Kritik: Wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik bekam Detlev Schönauer reichlich Gegenwind. FOTO: Robby Lorenz

SCHÖNAUER Das ist klar, und das ist mir durchaus recht, denn die meisten Forderungen, die da gestellt werden, sehe ich genauso, etwa den Sozialabbau zu stoppen, mehr Rente, besseren Mindestlohn, die Leute sollen einfach von ihrem Lohn leben können.

Tut man sich als Kabarettist einen Gefallen damit, sich einer politischen Bewegung anzuschließen?

SCHÖNAUER Auf der Bühne mache ich zwar auch politische Statements, aber das ist eher Beiwerk. Ich bin kein politischer Kabarettist, doch es treibt mich persönlich sehr stark um, was gerade passiert. Insofern muss ich abwägen, ob mir das beruflich schaden kann.

Auf Ihre Äußerungen gab’s viele Anfeindungen. Was wirft man Ihnen vor?

SCHÖNAUER Zum einen Rassismus...

Man sagt, Sie seien ein Rassist?

SCHÖNAUER Ja, aufgrund meines Programms, weil ich da auch über Migration spreche. Und es ist heute leider so, dass sobald man anfängt, irgendeinen Migrationskonflikt zu thematisieren, man sehr schnell in die rechte Ecke gestellt wird. Es gab sogar Leute, die bei Veranstaltern angerufen haben und sich beschwerten, dass man ‚so einen Rassisten’ überhaupt engagiere. Etwa bei einer SPD-Veranstaltung. Aber die haben geantwortet: ‚Wir kennen den Schönauer seit langer Zeit. Selbstverständlich machen wir diese Veranstaltung.’

Hatten Sie Nachteile, weil Sie sich politisch so positioniert haben?

SCHÖNAUER Das kann man nicht klar sagen...

Aber es gab noch keinen Veranstalter, der Ihnen deshalb abgesagt hat?

SCHÖNAUER Es gab zwar schon Absagen, aber kein Veranstalter würde das offen so begründen. Allerdings gab es Veranstalter, die fragten, ob man nicht lieber absagen sollte, weil deswegen vielleicht weniger Karten verkauft wurden. Und auch einen Veranstalter, der mich bat, dass ich möglichst auf politische Inhalte im Programm verzichte.

Was konkret stört Sie an der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel ?

SCHÖNAUER Zunächst stört mich schon die Definition. Alle werden Flüchtlinge genannt. Doch es gibt Bürgerkriegsflüchtlinge, die wir selbstverständlich aufnehmen. Dann gibt es politisch Verfolgte. Das sind diejenigen, die auch unser Grundgesetz schützt. Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Und dann gibt es Arbeitsmigranten, wie man heute sagt, das sind keine Flüchtlinge, sondern Menschen, die hierher kommen, weil sie arbeiten wollen. Auch dagegen ist nichts zu sagen. Nur, wenn es zu viele werden, wird es problematisch. Es kamen zu viele, und sie kamen zu schnell.

Was ist denn zu viel?

SCHÖNAUER Das kann ich nicht sagen, da gibt es ja schon ewige Diskussionen. Aber an den „offenen Grenzen für alle“ störe ich mich, das kann ja weit in die Millionen gehen. Und wenn ich sehe, dass bei uns die Ärmeren immer ärmer werden, während  Schulen und Straßen marode sind. Dann wurde diesen Leuten immer gesagt, es ist für euch kein Geld da, zugleich sind aber dann für Menschen, die von außen kommen, Milliarden vorhanden, das ist den Menschen nicht mehr zu vermitteln. Nur ein Beispiel: Ich persönlich kümmere mich zunächst um das Wohl meiner Familie, meiner Kinder, bevor ich mich um Fremde kümmern kann.

Was für die Flüchtlinge ausgegeben wird, kürzt man also deutschen Staatsbürgern, sagen Sie?

SCHÖNAUER Ich weiß nicht, ob da ein Zusammenhang besteht. Aber vor ein paar Jahren hat man noch keine Flaschensammler bei uns gesehen, das hätte ich früher nicht für möglich gehalten in so einem reichen Land. Viele Menschen hier empfinden es so, als ob ihnen was weggenommen wird. Das Problem ist, dass gerade diese Leute dann AfD wählen. Diese dann aber alle als Nazis abzustempeln, das ist mir zu einfach. Man muss sie wieder zurückholen. Das ist mir wichtig. Ich bin absolut gegen Nazis, aber reines AfD-Bashing ist mir zu simpel. Ich bin gegen Gewalt, auch verbale, der von rechts genauso wie von links.

Kann man sich für eine Partei zum Anwalt machen, die einen Björn Höcke in ihren Reihen duldet?

SCHÖNAUER Den Höcke würde ich sofort rausschmeißen. Und ich mache mich nicht zum Anwalt der AfD, sondern höchstens derjenigen, die AfD wählen, weil sie meinen, sonst keine politische Heimat mehr zu finden. Es gibt keine Partei in Deutschland – außer der CSU, die man ja hier nicht wählen kann –, die eine etwas kritischere Haltung in der Flüchtlingspolitik hat. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dieses Thema in die Sammlungsbewegung reinzubringen. Und Sahra Wagenknecht hat ja selbst gesagt, ‚offene Grenzen für alle, ist utopisch’.

Sie haben im Internet ein Papier veröffentlicht, in dem Sie Ihre Meinungen begründen. Darin ist auch von juristischer Ungleichbehandlung die Rede: Eine alleinerziehende Mutter werde wegen nicht gezahlter GEZ-Gebühren zu einem halben Jahr Gefängnis verknackt, aber als Vergewaltiger überführte Asylsuchende würden nicht abgeschoben: So simpel ist doch die Wirklichkeit nicht...

SCHÖNAUER Die Zuspitzung ist meinem Beruf geschuldet. Ich will auch nicht sagen, dass Migranten weniger hart verurteilt werden als Einheimische. Aber es ist das Empfinden, das die Menschen haben. Und in vielen Fällen, wie jetzt wieder bei der Vergewaltigung in Freiburg, heißt es, der oder die Täter waren polizeibekannt. Oder gar: Der sollte schon abgeschoben sein. Wieso kann so jemand hier noch Straftaten begehen? Das verstehe ich nicht.

Es gibt aber auch deutsche polizeibekannte Straftäter auf freiem Fuß.

SCHÖNAUER Das streite ich damit ja nicht ab.

Sie haben in Ihrem Papier auch die Fälle mit deutschen und nicht-deutschen Messerstechern in der Region in Relation gesetzt. Ergebnis: Unter den Migranten ist der Anteil der Gewalttätigen größer als bei Deutschen. Wundern Sie sich da noch über Rassismusvorwürfe?

SCHÖNAUER Ich wollte es einfach wissen und habe mir die Polizeistatistik angesehen. Natürlich kann ich wie viele einfach darüber hinwegsehen. Aber wenn man Probleme nicht klar benennt, dann kann man sie auch nicht lösen. Unsere Politik neigt dazu, Probleme klein zu reden und unter den Teppich zu kehren.

Also mehr Mut zur Wahrheit?

SCHÖNAUER Mit Sicherheit, aber es muss auch Folgen haben. Wir brauchen mehr Lehrer, mehr Polizisten, mehr Wohnungen, mehr Arbeitsplätze für Migranten. Ich kann nicht immer mehr Menschen ins Land lassen, wenn ich daran nichts ändere.

Sollte man Straftäter auch in ein Land abschieben, wo ihnen Tod oder Folter drohen?

SCHÖNAUER Da muss man Unterschiede machen. Aber jemand, der wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestraft ist, den würde ich zumindest nicht frei rumlaufen lassen.

Sie waren schon oft in der TV-Sendung „Mainz bleibt Mainz“ dabei. Wie politisch werden Sie diese Session sein?

SCHÖNAUER Gar nicht. Bei dieser TV-Sendung ist es so, dass es einerseits politische Redner gibt, ich gehöre aber traditionell eher zu den Nicht-Politischen – ist auch gut so.

Interview: Oliver Schwambach.