1. Saarland

Jungs in strammen Lederhosen

Jungs in strammen Lederhosen

Sulzbach. Ob Theater oder Chansons, Comedy-Abend oder Improvisations-Nachmittag - Kleinkunst ist ein dehnbarer Begriff. Und genau deshalb haben sich die beiden Liedermacher Wolfgang Winkler und Rainer Rodin etwas Neues einfallen lassen, um die Sulzbacher Kulturszene zu bereichern

Sulzbach. Ob Theater oder Chansons, Comedy-Abend oder Improvisations-Nachmittag - Kleinkunst ist ein dehnbarer Begriff. Und genau deshalb haben sich die beiden Liedermacher Wolfgang Winkler und Rainer Rodin etwas Neues einfallen lassen, um die Sulzbacher Kulturszene zu bereichern.

Am Samstag haben die beiden Musiker zusammen mit dem Kulturamt der Stadt zur ersten "Offenen Kleinkunstbühne" ins Salzbrunnenhaus eingeladen. Dabei ist die Idee einfach: Jeder, der auf der Bühne etwas zeigen möchte, kann es spontan tun. Teile des Eintrittsgeldes werden den Mutigen anschließend als Obolus übergeben.

Zum Auftakt greift der Sulzbacher Winkler selbst zur Gitarre, singt über das Leben im Saarland, von der aktuellen Finanzkrise und fallenden Börsenkursen. Auch das Publikum muss ran und wird beim Texten mit einbezogen.

Gewöhnungsbedürftig bei Winklers Songs: Stets findet der Chansonnier, der Lehrer im Hauptberuf ist, auch noch auf den ausgefallensten Vers den passenden Reim. Trotzdem geht sein Motto - "mehr als eine Gitarre braucht man eigentlich nicht" - an diesem Abend auf. Mit Applaus belohnt das Publikum im besten Alter auch die Liebeslieder, die Rainer Rodin zum Besten gibt. Der Riegelsberger singt Texte von BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken auf saarländisch und Hochdeutsch und sanfte Titel von Beziehungen und der Liebe. Dann startet das zuvor eingefädelte Improvisations-Programm: Zwölf Jungs in strammen Lederhosen betreten die Bühne. Die "Société de soirée de Sarre" (Sds) fiebert - mit Akustik-Gitarren und Trommel bewaffnet - ihrem ersten öffentlichen Auftritt entgegen. Sds verstehen sich als lockerer Junggesellen-Club. Hagen Schaumlöffel bringt es mit einem Grinsen auf den Punkt: "Auch wenn es spießig ist, eigentlich machen wir Volksmusik. Das ist schon wieder so spießig, dass es eigentlich Rock'n'Roll ist."

Doch "Volksmusik" ist eigentlich untertrieben. Die Sds-Sänger nehmen das Publikum mit auf eine fetzige A-Capella-Reise quer über die Kontinente. Vom Saarland (mit dem Steigerlied) geht es mit dem "Lied der Prager Studenten" bis nach Russland. Viele deutsche Fahrtenlieder hat die Sds im Programm. Alles Songs, die die Nachwuchs-Sänger auch unterwegs gerne vortragen. Denn: Der Junggesellen-Bund gründete sich aus dem Quierschieder Pfadfinderstamm heraus. Im Sommer geht's mit Klampfe und Rucksack durch die Lande. Dann wird die Reisekasse mit Straßenmusik aufgebessert.

Nach der musikalischen Weltreise fällt das Lampenfieber von den Sängern ab. Und das Publikum quittiert zum guten Schluss den Auftritt mit tosendem Applaus.