1. Saarland

Jost will eine Art Heimatminister im Saarland werden

Für das Saarland : Minister Jost will mehr Geheischnis

Umweltminister Reinhold Jost will sich verstärkt „identitätsstiftenden Maßnahmen im ländlichen Raum“ widmen. Was steckt hinter den Heimatplänen?

Den Titel zitiert er mit Vergnügen und nimmt ihn ernst: Er sei für viele „der Minister für Schnaps, Lyoner, Viehzeug und Geheischnis“, meint der saarländische Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD). „Das trifft meinen Tätigkeitsbereich recht zielgenau. Es geht unter anderem darum, Wohlbefinden und Zufriedenheit der Menschen sicherzustellen, was auch mit einem selbstbewussten Inanspruchnehmen der Herkunft zusammenhängt“, so Jost zur Saarbrücker Zeitung. Just im letztgenannten Tätigkeitsfeld – der Landeskunde, Landesgeschichte und Heimatpflege – will sich der Minister stärker als bisher profilieren. Jost: „Ich verstehe mich als Lobbyist und Ansprechpartner.“ Das ist nicht nur ideell gemeint, sondern wird durch Haushaltsmittel und neue Fördertöpfe auch finanziell abgesichert. Für dieses und nächstes Jahr stehen deshalb in seinem Ministerium je 50 000 Euro für „identitätsstiftende Maßnahmen im ländlichen Raum“ zur Verfügung, für ehrenamtliche Aktivitäten in der Heimatpflege je 80 000 Euro. Eine Förder-Richtlinie ist in Arbeit.

Jost sagt, das Umweltministerium sei bereits jetzt vielfältig engagiert, bei Dorfgemeinschaftshäusern, Gedenkstätten, ortsgeschichtlich relevanten Bauten. Doch nun gehe es darum, den Blickwinkel der vor Ort Aktiven für Fördermöglichkeiten zu erweitern. Gute Ideen seien gefragt. Dabei möchte Jost nicht mit dem Kultusminister in Konkurrenz treten, dessen Referat E2 für Breitenkultur, heimatkundliche Museen und Landesgeschichte verantwortlich ist: „Wir werden ergänzend tätig werden.“ Allerdings hat Jost vor, das Institut für Landeskunde (IfLIS), das derzeit personell beim Kultusministerium angedockt ist, in sein Ministerium zu überführen. Der Wechsel der Zuständigkeit sei bereits mit dem Kultusminister vorbesprochen, so Jost. Das IfLiS – im Redener Zechenhaus untergebracht – gilt seit geraumer Zeit als Problemkind. Außer als Veranstalter des Bauernhaus-Wettbewerbes tritt diese Behörde kaum mehr in Erscheinung, die kurioserweise als Verein organisiert ist. Bereits jetzt läuft die institutionelle Förderung (60 000 Euro) über das Jost-Ministerium. Das Kultusministerium wiederum hat einen Mitarbeiter einen Tag pro Woche für das IfLiS frei gestellt, der Instituts-Direktor wiederum übt laut Kultusministerium seine Tätigkeit „ehrenamtlich“ aus. Es ist Delf Slotta. Er wechselte erst Ende 2017 ins Kultusministerium, als Leiter des  neu geschaffenen Referats für Industriekultur. Für eine Hauptanlaufstelle der Landeskunde sind das nicht eben transparente Strukturen.

Jost hätte, wie er sagt, „lieber alles aus einem Guss“.  In diesem Jahr feiere das IfLiS sein 60-jähriges Bestehen: „Das ist ein guter Zeitpunkt für einen Neustart.“ Eine Arbeitsgruppe soll ein neues Konzept für Aufgaben und die Organisation erstellen. Jost hält das IfLiS als „Sammelstelle“ und Herausgeber heimatgeschichtlicher Publikationen für „unverzichtbar“.

Den Titel „Heimatminister“ will er sich trotz allem nicht geben. Obwohl sich Nordrhein-Westfalen und Bayern einen Heimatminister leisten und Horst Seehofer (CSU) seit rund einem Jahr auf Bundesebene diese Funktion beansprucht. Den ländlichen Raum hat Seehofer zur Haupt-Aktionszone erklärt – ohne bisher Konkretes geliefert zu haben. Auch das Saarland hatte mal eine Art Heimatminister, ohne dass der Titel offiziell auftauchte: Stefan Mörsdorf (CDU) machte sich zwischen 1999 und 2009 für das Thema stark, veranstaltete „Heimattage“ und regte das Buch „Heimat – die Wiederentdeckung einer Utopie“ an. Mörsdorf hatte freilich auch noch die Denkmalpflege in seinem Zuständigkeitsbereich. Ob Jost auch in diese Richtung Ambitionen hat?