1. Saarland

Jetzt hat er nur noch einen Chef – seine Frau

Jetzt hat er nur noch einen Chef – seine Frau

Er sagt leise servus: Der langjährige kaufmännische Direktor der Fachklinik St. Hedwig Illingen und der Hochwald-Kliniken Weiskirchen, Bernd Rullang, geht mit dem Ende des Novembers in den Ruhestand. Die SZ hat wenige Tage vor seinem Abschied aus den Diensten der Cusanus Trägergesellschaft Trier (CTT) mit dem 59-Jährigen gesprochen.

. Jahrzehntelang hat die Sorge um Patienten und Mitarbeiter der CTT-Reha-Kliniken in Illingen (seit 1988) und Weiskirchen (seit 2000) den beruflichen Alltag von Bernd Rullang geprägt. "An allererster Stelle standen für mich immer der Erhalt unserer beiden Kliniken, die Interessen unserer Patienten und insbesondere das Wohl der Mitarbeiter im Vordergrund", so schrieb der scheidende kaufmännische Direktor dann auch in seinen Briefen an all diejenigen, die er vor seinem Rückzug ins Privatleben noch einmal grüßen wollte. Denn auf eine große offizielle Verabschiedungs-Zeremonie hat der im Illlinger Ortsteil Uchtelfangen ansässige Rullang verzichtet. Lieber möchte er seinen Weggefährten in eher privatem Rahmen noch einmal danken für die Jahre der guten Zusammenarbeit. Wobei ihm einer seiner Geschäftspartner kürzlich beschieden habe, dass man den Kaufmann Rullang immer als "hart aber sehr fair" erlebt habe. Eine Einschätzung, mit der sich Bernd Rullang durchaus anfreunden kann.

"Ab Dezember habe ich nur noch einen Chef, meine liebe Frau Anita", sagt Bernd Rullang beim SZ-Besuch in seinem unprätentiösen Illinger Arbeitszimmer in einem recht versteckten Trakt der 1913 erbauten und stetig erweiterten und renovierten Illinger St-Hedwigs-Klinik (Chefarzt Dr. Klaus Herz). In den letzten Tagen hat er dort vor allem aufgeräumt und dabei viele Papierkörbe befüllt. Was seine Sekretärin und rechte Hand Petra Scheidt-Groß mit gemischten Gefühlen beobachtet hat. Sie lässt ihren Chef ganz offensichtlich nur ungern ziehen. Rullang und Scheidt-Groß waren nicht nur in Illingen ein eingespieltes Team, sondern haben gemeinsam auch die zweite "Baustelle" in den Weiskircher Hochwald-Kliniken (Chefarzt Dr. Klaus Steinbach) betreut. "So war gewährleistet, dass es keine Kommunikationsprobleme und Reibungsverluste durch die Doppel-Aufgabe gab", sehen Rullang und Scheidt-Groß die Vorteile dieses gemeinsamen Pendelns zwischen Illtal und Hochwald. Wobei die Gemeinsamkeit beim Autofahren aufhörte. Da war jeder separat unterwegs, anderer Termine und der Flexibilität wegen.

Die berufliche Karriere von Bernd Rullang, einem gebürtigen Wadgasser, der der Liebe wegen in Uchtelfangen Anker warf, begann in der Illinger Klinik als Bilanzbuchhalter. Rasch merkte man dann wohl, dass mehr in dem neuen Mitarbeiter steckte und so berief ihn die CTT zum Chef des kaufmännischen Bereichs. Was er dann - auch dank seiner Loyalität zum Träger CTT - so zur Zufriedenheit erledigte, dass man ihm auch Weiskirchen anvertraute. Rund 450 Mitarbeiter ("er kennt Sie alle namentlich", so Petra Scheidt-Groß) erlebten ihn immer als einen, der sich für "seine" Kliniken stark gemacht hat. Dass es die Illinger Klinik, die immer wieder von Schließungsvorhersagen begleitet wurde (zurzeit steht die Verlagerung in einen CTT-Neubau in Völklingen in den nächsten Jahren im Raum) noch gibt und ihre Qualität auch ausgezeichnet wurde, macht Rullang besonders stolz. Ebenso der gute Ruf, den Weiskirchen mit seinem ärztlichen Direktor Dr. Klaus Steinbach genießt.

Doch jetzt richtet sich Bernd Rullangs Blick nach vorne. Auf den neuen Lebensabschnitt in der vierjährigen Ruhephase der Altersteilzeit: Reisen will er mit seiner Anita, wandern - und einfach die Tage so nehmen , wie sie kommen. Ohne Druck, ohne Termine, ohne Abhängigkeiten.