1. Saarland

Jetzt fehlt noch ein Job als Bäcker zum Glück

Jetzt fehlt noch ein Job als Bäcker zum Glück

Im Dezember hat die SZ zu Spenden für Familie Alija aus Niederkirchen aufgerufen. Was ist dabei herausgekommen?Ulrich Melchert: Eine ganze Menge, der Spendenaufruf war aus meiner Sicht ein großer Erfolg, denn die Familie konnte die Arbeiten am Haus starten. SZ-Leser aus dem St. Wendeler Land haben im Dezember insgesamt 2130 Euro gespendet

Im Dezember hat die SZ zu Spenden für Familie Alija aus Niederkirchen aufgerufen. Was ist dabei herausgekommen?Ulrich Melchert: Eine ganze Menge, der Spendenaufruf war aus meiner Sicht ein großer Erfolg, denn die Familie konnte die Arbeiten am Haus starten. SZ-Leser aus dem St. Wendeler Land haben im Dezember insgesamt 2130 Euro gespendet. Dazu hat der Marpinger Bauunternehmer Andreas Recktenwald seinen Container und vor allem sein Know-How angeboten sowie der Oberkircher Trockenbauer Peter Jung seine Trockengeräte. Begleitend konnten wir als Regionalcaritasverband für die unverschuldet verarmte Familie an die 12 000 Euro beim Stiftungszentrum des Bistums Trier erfolgreich beantragen. Aber damit nicht genug: Der Heizungsbauer Karl Schmidt aus Werschweiler spendet einen Teil seiner Arbeitsstunden, die St. Wendeler Stadtwerke stellen eine beträchtliche Stromspende für die Trocknung zur Verfügung. Der Sozialdienst Katholischer Frauen flankiert mittels Bischofsfond und sichert so unter anderem den Ölankauf und das KBBZ leitete die Spendeneinnahmen seines Weihnachtscafés zum Teil an die Familie Alija und stimmte diese damit sichtbar hoffnungsfroh. Beinahe wäre die Familie ihre Sorgen sogar auf einen Schlag los geworden: Zwischenzeitlich hatte sich auf den Artikel hin eine RTL-Promotionfirma gemeldet. Diese haben für "Einsatz in 4 Wänden" gecastet - die Auswahl scheint aber letztlich auf andere Hilfebedürftige gefallen zu sein. Wie ist der aktuelle Stand der Renovierungsarbeiten? Ist das Haus wieder bewohnbar?Melchert: Nein, es wird wohl auch noch bis Mai dauern bis es zumindest teilweise wieder bewohnbar ist. Zum Glück hat die Stadt St.Wendel den Alijas auch so lange noch die Nutzung einer stadteigenen Notwohnung in Niederkirchen erlaubt. Wie eingangs gesagt, die Arbeiten im Haus konnten starten. Aktuell ist eine neue Öl-Heizanlage installiert und im Erdgeschoss das Heizsystem instand gesetzt. Dazu wurde die Wasserleitung bis ins Erdgeschoss erneuert - alles kostengünstig über Putz. Jetzt laufen seit zwei Wochen die Trockengeräte. Damit wurde das wichtigste Ziel der Spendenaktion erreicht. Wir wussten, dass das Geld unbedingt bis hierhin reichen musste, sonst hätte man gar nicht anfangen können. Dank aller, die bisher geholfen haben, sind Alijas so weit gekommen. Allerdings, beim Heizungsbauer Schmidt ist noch eine Rechnung von mehr als 2000 Euro offen. Auch fehlt noch die Instandsetzung des ersten Obergeschosses, vornehmlich: Heizsystem und Badanschluss sowie später im ganzen Haus die Tapeten. Es gab auch kritische Stimmen zu Familie Alija. Bürger befürchteten Betrüger. Was sagen Sie dazu?Melchert: In der Tat erhielten wir zwei Anrufe mit Hinweisen. Natürlich nehme ich so etwas ernst. Aber ich konnte und kann nicht entdecken, an welcher Stelle die Familie betrogen haben könnte. Hier ist in der Kälte der Silvesternacht 2007 das Heiz-und Wassersystem eines Wohnhauses kollabiert und es sind 178 Kubikmeter Wasser eingeflossen. Für die Familie des damaligen Arbeitslosengeld-I-Empfängers ein Desaster, das sie aus Geldmangel ein ganzes Jahr lang auch nicht ansatzweise beheben konnten, im Gegenteil, sie rutschten noch tiefer hinein. In Rahmen meiner Beratungstätigkeit ab März 2008 hatte ich genügend Einblick in die finanziellen Verhältnisse, um die außergewöhnliche Bedürftigkeit gesichert zu erkennen - übrigens ebenso wie die Hartz-IV-Behörde, die Kommunale Arbeitsförderung St.Wendel. Jetzt freuen wir uns mit der Familie, dass es vorwärts geht. Trotz aller Sorgen, die Alijas kucken nach vorne. Kraft gibt ihnen dabei auch Töchterchen Alma, die Mitte Februar geboren wurde.Das hört sich ja erfreulich an. Wenn Sie noch einen Wunsch frei hätten für Familie Alija - was wäre das? Melchert: Da steht ganz oben an ein Arbeitsplatz für Herrn Alija. Aber bevor ich das sage, bedanke ich mich jetzt und hier auch im Namen unseres Verbandes und ganz besonders im Namen der Familie Alija noch einmal ausdrücklich bei allen Menschen, die geholfen haben oder noch helfen wollen. Herr Alija sucht eine Stelle als angelernter Bäcker, würde aber auch in anderen Handwerksberufen gerne zupacken.