1. Saarland

Jesus schwätzt jetzt saarländisch Platt

Jesus schwätzt jetzt saarländisch Platt

Der evangelische Pfarrer Walther Henßen hat die vier Evangelien der Bibel in saarländische Alltagssprache übersetzt und als Buch auf den Markt gebracht. In Lebach hat er „Em Zimmermanns Jupp sei Älschder“ vorgestellt.

1521 hat Martin Luther begonnen, die Bibel aus dem Lateinischen und Griechischen ins Alltagsdeutsch seiner Zeit zu übersetzen. Walther Henßen, evangelischer Pfarrer aus Ottweiler, hat nun das Gleiche getan und die vier Evangelien in saarländische Mundart übersetzt. Das Buch mit dem Titel "Em Zimmermanns Jupp sei Älschder" hat der Geistkirch-Verlag Saarbrücken veröffentlicht. Am Mittwoch hat Henßen es in Lebach vorgestellt.

"Ich habe großen Spaß an der saarländischen Mundart", sagte der 74-Jährige. Schon während seiner aktiven Zeit als Pfarrer in den 1970er Jahren hatte er in Mundartgottesdiensten auf Saarländisch gepredigt. 2012 hat er die Zehn Gebote auf Saarländisch veröffentlicht. Als er vor drei Jahren pensioniert wurde, hatte er mit der Arbeit begonnen. Übersetzt hat er nicht die deutschen Bibeltexte, sondern das griechische Original.

Bei der Lesung in der evangelischen Kirche Lebach las Andrea Sattler von der evangelischen Kirchengemeinde Schmelz die Luthersche Version der Bibel vor, danach las Henßen seine Übersetzung. "Henßens große Leistung besteht darin, dass er die Ernsthaftigkeit der Texte nicht aufs Spiel setzt", sagte Pfarrerin Sattler. "Die Geschichte wird nicht veralbert, sondern nur in einer anderen Sprache erzählt."

Die Zuhörer schmunzelten, als sie die 2000 Jahre alten Texte in ihrer Mundart hörten. "So genau habe ich mich nie mit der Bibel befasst", sagte Margot Hinzel, die zur Lesung nach Lebach gekommen war. "Aber die Version auf Saarländisch wollte ich mir schon einmal anhören, ich finde das sehr originell."

Am Ende der vier Evangelien gibt es zusätzlich ein Glossar für diejenigen, die etwa bei der Speisung der 5000 nicht wissen, was "Urwese" sind. "Das Saarländische kann in einem einzigen Wort ausdrücken, wofür die Hochsprache einen ganzen Satz braucht", sagte Henßen. "Versuchen Sie mal, einem Hochdeutsch Sprechenden das Wort ‚Huddel' zu erklären!" Im Glossar umschreibt er es als "lösbare Unannehmlichkeit". Dass Jesus plötzlich saarländisch spricht, gefällt den Kunden: Die erste Auflage von 1500 Büchern war bereits vor der offiziellen Erscheinung fast ausverkauft.