1. Saarland

"Jeder Stein hat sein Gesicht"

"Jeder Stein hat sein Gesicht"

Riegelsberg. 22 Händler präsentierten am Wochenende zum ersten Mal Mineralien, Edelsteine und Schmuckstücke in der Riegelsberghalle. Seit zehn Jahren, erzählte Nikolei Brandner, reise er durch ganz Europa zu Edelstein-Ausstellungen. Der Geologe stammt aus Russland und hat zuvor im Stuttgarter Naturkundemuseum gearbeitet

Riegelsberg. 22 Händler präsentierten am Wochenende zum ersten Mal Mineralien, Edelsteine und Schmuckstücke in der Riegelsberghalle. Seit zehn Jahren, erzählte Nikolei Brandner, reise er durch ganz Europa zu Edelstein-Ausstellungen. Der Geologe stammt aus Russland und hat zuvor im Stuttgarter Naturkundemuseum gearbeitet. Transparente, zweifarbige Topas-Anhänger aus der Ukraine, goldfarbenes Auripigment und rabenschwarze Gagat-Kugel-Ketten (schwarzer Bernstein) aus dem Kaukasus gehören zu seinem Sortiment. "Jeder Stein hat sein Gesicht", sagte der Geologe.

Schmuck "muss" immer ein Einzelstück sein, weil ja jeder Mensch ein Unikat sei, erklärte auch ein Schmuckgestalter aus Frankfurt. "Seit ich weiß, dass die Leute sich als Material sehen, kann ich davon leben", sagte der Mann, der sich gleich nach dem Kunst- und Philosophiestudium in Düsseldorf auf dieses Kunsthandwerk verlegt hat. Zur Demonstration klemmte er einer Besucherin mit der Erklärung "archaisch, mit einem Schuss Aggression" ein fragiles Gebilde mit Steinzeitspitze und Mondstein ans Ohr. "Diffuse Frauen", so der Schmuckphilosoph, "fliegen auf amorphe Chalcedon-Rosen" (Heilstein aus der Familie der Quarze). Ganz im Gegensatz dazu favorisierten die innerlich Gefestigten die Meteoriten - "ein verdammt festes Material". Schmuck habe eine dienende Funktion, er stehe hinter der Person und gebe eine Information über die Persönlichkeit. Schmuckstücke würden den Charakter "deutlicher" machen. So sei beispielsweise ein Ehering auch überhaupt kein Schmuck, sondern ein Symbol. Und "wer saftig im Leben steht, trägt eine Halskette", denn die lenke den Blick auf den Körper. Ohrschmuck hingegen betone die Halspartie. Männer würden sich nicht mit Schmuckstücken, sondern "mit dem, was sie können", schmücken. Früher etwa mit Gildezeichen. Seine Schmuckstücke würde er ganz aus dem Gefühl heraus - "wie ein Aquarell" - formen. Auf der Börse in Riegelsberg konnte man dem Frankfurter beim Fassen mit Silber und Reinzinn zuschauen. Auch Organisator Franz Wenke aus Beckingen ließ sich beim Schleifen von saarländischen Achaten über die Schulter schauen. Sandrosen aus der Sahara, kleine Szenerien aus geschnitzter Jade - "Die Chinesen sind in Sachen Steinverarbeitung eindeutig die besten" (Nikolai Brandner, Geologe und Händler) - und sogar Stoßzähne von einem Mammut gab es zu bewundern.

Auch eine Massage mit heißen Steinen sowie Informationen über die Heilkraft von Steinen gehörten zum Spektrum der ersten Edelstein- und Mineralienbörse in der Riegelsberghalle.

Wer sich für das Thema interessiert, kann im Herbst an die Obermosel fahren. Dort findet am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Oktober, eine Edelstein- und Mineralienausstellung in der römischen Villa in Perl-Borg statt.