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Social Media: „Jeder meiner Fans liebt mein Lächeln“

Social Media : „Jeder meiner Fans liebt mein Lächeln“

Der Völklinger Yves Rech ist zwar erst 16 Jahre alt, aber bereits jetzt ein bekanntes Gesicht auf sozialen Plattformen.

Einstein hatte nur eine Vier in Mathe. Und war später mal total genial. Yves Rech hat auch nur eine Vier in Mathe. Genial ist er trotzdem. Jetzt schon. In sozialen Medien im Internet. Der 16-jährige Schüler aus Völklingen bezeichnet sich selbst als den größten „Influencer“ aus dem Saarland, einen Meinungsführer im sozialen Web. Just Yves (Einfach Yves) nennt er sich dort. Auf den Plattformen Musically, Instagram, Snapchat und Youtube veröffentlicht er seine Videos. 146 000 Menschen erreicht er damit. Der Teenie-Star aus dem Saarland. 94 000 folgen ihm aktuell auf Musically, 27 000 auf Instagram, 2800 auf Youtube.

Letzte Woche hat er einen Vertrag mit einer Management-Agentur unterschrieben. „Die brauchst du, wenn du im Netz groß bist“, sagt er. Aber was hat seine Fan-Gemeinde so groß gemacht? Es sind rund 15 Sekunden lange Musikvideos. Im Hintergrund läuft ein Lied. Yves bewegt sich dazu. Seinen Mund. Seinen Kopf. Seine Hände. Fährt sich durch die Haare. Ein verschmitzter Blick. Ein Augenzwinkern. Und Yves lächelt ohne Pause. „Jeder meiner Fans liebt mein Lächeln“, sagt er. Deshalb sei seine Fan-Gemeinde auch so groß geworden.

Wir sitzen in einem Café am St. Johanner Markt. Hauptsächlich ältere Herrschaften verdrücken hier ihren Kuchen. Unter ihnen bleibt Yves unerkannt. Sobald er das Café verlässt, ändert sich das. „Zwei Mädels haben mir gerade geschrieben, dass sie mich in Saarbrücken gesehen haben“, erzählt er. Ein gemeinsames Foto mit ihrem Idol springt für die beiden heraus. Sie lieben ihn. Sie vergöttern ihn. Seine Mädels. Zwischen zehn und 18 Jahre alt sind Yves’ Fans. Seine Videos kommentieren sie mit: „Idol, ich liebe dich. Bist ein toller Mensch, Engel. Liebe meines Lebens.“ „Ich finde es immer süß“, sagt Yves. Manchmal bekomme er auch „krasse“ Ausschnittbilder geschickt. Doch das beeindrucke ihn weniger. Denn einen Fan würde Yves niemals daten.

Und überhaupt ist der 16-Jährige nicht so der Beziehungstyp. Falls er dann doch mal ein Mädchen kennenlernen sollte, wäre es ihm lieber, sie kenne nur den echten Yves, nicht den Internet-Yves. „Wenn ich jemanden küsse und mir vorstelle, die Person liebt mich nur wegen dem, was ich im Internet mache, dann wird’s mir schlecht“, erzählt er. Die Schattenseiten des Erfolges. Yves hat sie schon mehrfach erlebt. Einmal habe es den reinsten Social-Media-Krieg gegeben. Der damals noch 15-jährige Yves drehte ein gemeinsames Video mit einer 13-Jährigen. Dann ging die Hetze im Netz los. Yves bezahle das Mädchen, er sei pädophil. „In dieser Zeit ging es mir komplett scheiße, weil ich mich gefragt habe, was ich falsch gemacht habe“, erzählt Yves. Heute weiß er: es gibt nur wenige, denen er vertrauen kann. Jeder könne ihm in den Rücken fallen. Ein Blick auf sein Handy. Plötzlich verstummt Yves für einen Moment. „Oh nein, meine Nummer wurde wieder veröffentlicht“, ruft er und reißt Mund und Augen auf. Ein Fan hat ihm eine private Whats-App-Nachricht geschickt. Blockieren. „Meine Nummer wurde schon mehrfach verkauft“, sagt er.

Vor knapp einem Jahr stellte eine Freundin von Yves ihm das soziale Netzwerk Musically auf einer Geburtstagsfeier vor. Seit rund zwei Jahren sei diese Plattform „mega im Trend“ sagt Yves. Hauptsächlich bei Jugendlichen. Mit der App werden kurze Videoclips erstellt und mit Liedern unterlegt. Yves zum Beispiel mag Lieder von Robbie Williams oder Katy Perry. Nur Rap gehe gar nicht. Am Anfang war Yves skeptisch. Dann lud er die App auf sein Handy. Sie machte ihn groß.

Mit der Zahl der Abonnenten stieg auch die Lust auf mehr. Bis sich der Zehntklässler nur noch in seinem Zimmer verschanzte und Videos drehte. Die Schule kam zu kurz. Der Unmut der Eltern wuchs. „Ich hatte nicht auf meine Eltern gehört“, sagt Yves. Der Halbjahresstand seiner Noten brachte die Wende. „Dann dachte ich: Scheiße.“ Seitdem trennt Yves Schule und social media voneinander. In den Pausen verlässt er das Schulgelände der Martin Luther King Schule in Saarlouis. Damit ihn keine Fans belagern. Jetzt hofft er erst mal, dass er die nächste Mathearbeit nicht versaut. So berühmt wie Einstein ist er ja doch noch nicht.

In allem anderen unterstützt ihn jetzt auch sein Management. Bucht ihm Flüge zu wichtigen Social-Media-Events. Sorgt dafür, dass Yves mit seinen Social-Media-Kanälen auch Geld verdient. Zum Beispiel, indem er unter seinen Beiträgen im Netz Unternehmen verlinkt oder die Klamotten eines Sponsors trägt. Wenn der 16-Jährige von seinem Business erzählt, wirkt er cool und wie ein Profi in den Startlöchern. Aber Yves ist auch bodenständig und denkt an die Zeit nach der Schule. Polizist oder Schauspieler – in einem dieser Berufe sieht er sich später.

Bis dahin bastelt er weiter an seiner Social-Media-Karriere. Stellt weiter Musikvideos ins Netz. Zu jeder Tageszeit. Wenn er Musik hört, die ihn inspiriert, legt er los. Handy-Kamera an und performen. Neulich auf der Autofahrt. „Da lief ein cooles Lied im Radio.“ Und auch hier im Café trällert er die Hintergrundmusik mit. Er ist eben eine Rampensau – Yves Rech. Einer, der „immer schon auffiel in der Menge“, wie er selbst sagt. Und wenn der 16-Jährige weiter so durchstartet, wird er vielleicht mal so berühmt wie Albert Einstein – nicht mit Physik, aber mit sozialen Medien.