„Jeder kann sein kleines Wildbienenhotel selbst bauen“

„Jeder kann sein kleines Wildbienenhotel selbst bauen“

Vor einem Jahr fing Reiner Petrys Liebe zu den Bienen an. Er organisierte eine Ausstellung über Nistkästen für staatenbildende und solitär lebende Bienen in seinem Heimatort Rehlingen-Siersburg. Dann gesellte er sich zum Netzwerk blühende Landschaften und begann eine Mission zur Rettung der brummenden Fluginsekten. In der Saarbrücker Zeitung spricht er in einer fünfteiligen Serie über deren Bedeutung, den schwindenden Lebensraum und Nahrungsmangel. Die Fragen stellte SZ-Redakteurin Michaela Heinze.

Wie kann jeder Einzelne den Insekten helfen? - Auch, wenn er nicht wie Sie in Niedaltdorf wohnt, wo es besonders viele Grünflächen gibt.

Grünflächen müssen Buntflächen werden. Es kommt auf jeden Quadratmeter an. Jeder könnte einen Teil seines Grundstücks zeitweise ungemäht lassen. Er wird staunen, was auf einem Quadratmeter so alles blühen und leben kann! Das ist dann der Blumenstrauß im Garten. Gänseblümchen und Biene Maja danken dafür. Aber die Leute nehmen alle 14 Tage den Rasenmäher raus, und das kleine Gänseblümchen reißen sie mit ab. Wir müssen an unserem anerzogenen Ordnungssinn arbeiten. Auch ich wurde so erzogen und stelle jetzt die Natur und ihre Bedeutung immer mehr in den Vordergrund. Der Rasen muss nicht immer schön kurz geschnitten und grün sein, es muss auch in ihm blühen dürfen. Kurz und grün ist er so wertvoll wie Beton für die Natur.

Neben den Blumenwiesen wollen sie die Insektenhotels verbreiten. Die in öffentlichen Parks sind sehr groß und passen nicht in jeden Garten. Geht das auch kleiner?

Es müssen nicht immer die großen Insektenhotels sein. Viele kleine dezentrale Hotels bringen am Ende mehr. Aber mit großen Hotels können wir dieses wichtige Thema anschaulicher vermitteln, sie fallen mehr auf. Jeder kann sein kleines Wildbienenhotel selbst bauen. Wichtig bei den Kästen ist das Material. Da kann man zum Beispiel Schilfröhrchen oder anderes hohles oder ausgehöhltes Material verbauen. Auch gut ist der Einsatz von Harthölzern, aber nur Eiche, Buche, Esche oder Akazie. In die werden Löcher mit Durchmessern zwischen drei und zehn Millimetern hineingebohrt. Insekten sind ja unterschiedlich groß. Ich beantworte dazu telefonisch Fragen.

Viele haben vielleicht Angst, dass sie oder ihre Kinder gestochen werden, wenn Sie so ein Insektenhotel aufhängen. Ist diese Angst berechtigt?

Honigbienen nutzen die Hotels nicht, und solitäre Wildbienen stechen im Normalfall nicht. Sie haben zwar laut Literatur einen Stachel, aber der dringt kaum durch die Haut. Da sie keinen Honig haben, müssen sie auch nichts verteidigen. Für staatenbildende Hornissen, Hummeln und Wespen gibt es spezielle, geschlossene Behausungen, die nicht mit einem Insektenhotel zu vergleichen sind. Diese staatenbildenden Insekten stechen. Wespen sind hier die stechfreudigsten unter ihnen, während Hornissen bei weitem harmloser sind und Hummeln nahezu gar nicht stechen. Die Honigbienen stechen auch nur, da sie ihren Honig verteidigen müssen. Man kann sich also vor das Wildbienenhotel stellen und braucht keine Angst zu haben, gestochen zu werden, wenn man sie beobachten möchte. Wildbienen sind also nicht aggressiv und stechen kaum. Keine Angst!

Dieses kleine Insektenhotel hat Reiner Petry gebaut. Foto: Petry. Foto: Petry

Zum Thema:

HintergrundUnter dem Motto "Unsere Heimat blüht auf" will die Gemeinde Rehlingen-Siersburg das Nahrungsangebot von Insekten verbessern und ihnen ihre Lebensbedingungen sichern. Die Nabu-Gruppe Saarlouis unterstützt die noch junge saarländische Gruppe des "Netzwerks blühende Landschaft". redWeitere Informationen bei Reiner Petry unter den Telefonnummern (01 63) 6 35 77 08 und (0 68 33) 7 92.