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Jeden Tag ein Leben retten

Jeden Tag ein Leben retten

Birkenfeld. Am 17. Dezember jährt sich der Todestag von Stefan Morsch. Der 17-Jährige war der erste Europäer, dessen Leukämie mit einer fremden Knochenmarkspende geheilt werden sollte. Die Transplantation glückte zwar, Stefan starb jedoch in der Nachsorge. Trotzdem hat sein Tod vermutlich Tausenden von Leukämie-Patienten das Leben gerettet

Birkenfeld. Am 17. Dezember jährt sich der Todestag von Stefan Morsch. Der 17-Jährige war der erste Europäer, dessen Leukämie mit einer fremden Knochenmarkspende geheilt werden sollte. Die Transplantation glückte zwar, Stefan starb jedoch in der Nachsorge. Trotzdem hat sein Tod vermutlich Tausenden von Leukämie-Patienten das Leben gerettet. Denn seine Eltern gründeten vor 25 Jahren die Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld - die erste Datei für Knochenmark- und Stammzellspender in Deutschland.Bis heute wurden mehr als eine halbe Million Spender registriert: Menschen, die bereit sind, todkranken Patienten ihre Blutstammzellen oder ihr Knochenmark zu spenden. Nicole Kohlhas, 44 Jahre alt, ist eine von ihnen. Sie bekam 2010 den Anruf, dass sie für eine Patientin als Spenderin infrage kommt: "Die Entscheidung stand eigentlich sofort fest. Natürlich will ich helfen. Aber ich hatte auch große Angst vor dem Eingriff." Die Entnahme war erfolgreich, der Frau, für die sie gespendet hat, geht es heute gut. Nicole Kohlhas hat sich trotz ihrer Bedenken entschieden zu helfen: "Ich würde es sofort wieder machen. Sofort."

Emil Morsch, Vater von Stefan und Vorstandschef der Stiftung, erklärt: "Um die Qualität zu sichern, typisieren wir Jung vor Alt, Männer vor Frauen." Die Stefan-Morsch-Stiftung ist heute die zweitgrößte von knapp 30 Spenderdateien in Deutschland, deren Daten im Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) in Ulm eingespeist sind.

Morsch hat das Register Mitte der 1990er Jahre mitinitiiert. "Ohne Anschubfinanzierung durch die Stiftung hätte das Zentralregister nicht realisiert werden können", lobt ZKRD-Sprecherin Sonja Schlegel. Inzwischen sind vier der weltweit 16 Millionen Spender dort erfasst. Auch heute sei es noch so: "Wir können nicht ohne sie und sie nicht ohne uns."

Die Stiftung hat sich von Anfang an auch den Wissenstransfer auf die Fahnen geschrieben. Das Ziel: ein weltweites Netz von Spenderdateien. So betreut sie seit wenigen Monaten die luxemburgische Spenderdatei. Die Stiftung, die in Birkenfeld eine eigene Entnahmestation und ein Typisierungslabor unterhält, bildet auch Fachpersonal aus vielen Ländern in Sachen Typisierung fort. Emil Morsch hat nicht nur kurzfristige Ziele. "Wir unterstützen medizinische Forschungsprojekte, die unsere Arbeit irgendwann überflüssig machen sollen." Noch findet durchschnittlich jeden Tag ein Leukämie-Patient über die Stiftung oder das zentrale Register in Ulm einen vielleicht lebensrettenden Spender.