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Janz Berlin is eene Wolke

Janz Berlin is eene Wolke

Oberthal. Eine eher ungewöhnliche Fastnachtsveranstaltung bot der Freundeskreis Kultur im Rathaus am vergangenen Mittwoch in Oberthal

Oberthal. Eine eher ungewöhnliche Fastnachtsveranstaltung bot der Freundeskreis Kultur im Rathaus am vergangenen Mittwoch in Oberthal. Unter dem Motto "Janz Berlin is eene Wolke" gab es im Rathaus einen Kabarett- und Liederabend, bei dem man ganz bewusst auf Büttenreden und Schunkelmusik verzichtete und stattdessen das Publikum mit Musik und Witz ins Berlin der 20er und 30er Jahre entführte. "Wir dachten uns die Berliner Schnauze und die Musikstücke der Zeit passen einfach gut in unsere Faschingszeit", erklärt Dirk Schäfer vom Freundeskreis Kultur den Gedanken, der hinter der Veranstaltung stand.Eröffnet wurde der Abend durch das Trio Da Capo, das mit diesem Auftritt sogar seine Premiere feiern durfte. Die drei Musiker aus Oberthal spielten "Berliner Melodien", ein Medley aus Stücken der 20er Jahre, und schafften es damit auch sofort, das Eis im Saal zu brechen. Spätestens als die ersten Töne von "Berliner Luft" erklangen, sang und klatschte das Publikum mit und stimmte sich gemeinsam auf einen unterhaltsamen Abend ein.

Zum weiteren Repertoire des Trios, das mit zwei Klarinetten und einem Klavier besetzt war, gehörte neben den "Berliner Melodien" auch noch ein "Tangolieder-Potpourri", das die Zuhörer gleichermaßen mitriss.

Nach dem Auftritt des Trios Da Capo blieb man musikalisch. Jörg Grates, eigentlich Pfarrer in Wolfersweiler, sang Stücke von Otto Reuter, einem Berliner Sänger, Komponisten und Komiker, der vor allem für seine satirischen Couplets bekannt ist. Grates gab mehrere der zweideutigen Stücke zum besten, darunter "Aber keiner fängt an" und "Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau."

Diesem Auftritt folgten die Oberthaler "Comedians", eine Gruppe von Sängern, die mit sichtlicher Freude an der Musik bekannte Lieder der 20er und 30er Jahre sangen. Dazu gehörten berühmte und weniger berühmte Stücke des Operettenkomponisten Walter Kollo, aber auch, passend zum Chornamen, "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Veronika, der Lenz ist da" von den Comedian Harmonists.

Bei all der Vielfalt, die die Künstler bis zu diesem Zeitpunkt schon auf die Bühne gebracht hatten, durften zwei Dinge nicht fehlen, wenn man einen Abend veranstalten wollte, der sich ganz dem Berlin des frühen 20. Jahrhunderts gewidmet hatte. Das eine war die "Dreigroschenoper" von Kurt Weill und Bertold Brecht. Aus ihr trug die Sopranistin Martina Veit das Lied "Mackie Messer" und sang zudem Lieder von Walter Kollo und Friedrich Hollaender.

Das zweite Berliner Faktotum, das auf keinen Fall fehlen durfte, war Kurt Tucholsky, seines Zeichens Journalist und Schriftsteller und vor allem für sein "goldenes Herz und die eiserne Schnauze" bekannt. Einige seiner satirischen Gedichte, wie zum Beispiel "Abschied von der Junggesellenzeit", trug Günter Kleinbauer vor.

Abgerundet wurde der Berliner Abend durch Klaus Meyer, der in der Pause als Drehorgelmann das Publikum weiter unterhielt und durch Rudi Schmidt, der als Berliner Polizist Großstadtflair nach Oberthal brachte.

Auf einen Blick

Die Mitwirkenden: Solos: Martina Veit (Oberthal), Jörg Grates (Wolfersweiler), Günter Kleinbauer (Oberthal), Klaus Meyer (Oberthal), Rudi Schmidt (Oberthal). Trio DaCapo: Hans-Norbert Gerhart (Klarinette), Oliver Gerhart (Klarinette), Karl-Heinz Fries (Klavier). Oberthaler "Comedians": Hans-Herbert Mörsdorf, Horst Waninger, Günter Kleinbauer, Richard Lassner, Werner Backes, Walter Hieronimus, Ferdinand Kömen, Hans Morsch, Dietmar Vach, Karl-Heinz Fries. Moderator: Herbert Lengert. Musikalische Arrangements: Karl-Heinz Fries. sick