Jamaika streitet um Uni-Zukunft

Saarbrücken. Das PWC-Gutachten und die Vorschläge der Honoratioren-Initiative um den Ex-Staatskanzleichef Kurt Bohr (SPD) zu Sparmöglichkeiten an den saarländischen Hochschulen haben einen Streit unter den Fraktionen der Jamaika-Koalition entfacht

Saarbrücken. Das PWC-Gutachten und die Vorschläge der Honoratioren-Initiative um den Ex-Staatskanzleichef Kurt Bohr (SPD) zu Sparmöglichkeiten an den saarländischen Hochschulen haben einen Streit unter den Fraktionen der Jamaika-Koalition entfacht. Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich wollte sich gestern vor Journalisten im Saar-Landtag gar nicht zur Zukunft von Medizinischer Fakultät und Homburger Uniklinik äußern. "Man muss über die Schwerpunktsetzung an der Saar-Uni neu nachdenken. Ein Schwerpunkt ist für uns die Entwicklung eines Zentrums für Automobilität und die Frage der energetischen Effizienz", sagte Ulrich. Seine Kollegin Claudia Willger fügte hinzu, dass das Land selbst entscheiden müsse, was es brauche und sich nicht von "Uni-Rankings" beeinflussen lassen solle.FDP-Fraktionschef Christian Schmitt betonte dagegen, dass es bei den anstehenden Entscheidungen im Wesentlichen um zwei Fragestellungen gehe: Welche Studiengänge die Saar-Wirtschaft benötige und welche "Image-trächtig für das Land" seien. Schmitt sagte, dass es Sinn mache, die Medizinische Fakultät hier zu erhalten. Das Saarland sei zwar "zu klein dafür", doch "andere Bundesländer bilden auch für unsere Bedürfnisse aus", gab Schmitt zu bedenken. Zudem stelle sich bei einer Schließung die Frage: "Wie bekommen wir dann noch Mediziner hier hin?"

CDU-Fraktionschef Klaus Meiser will die Saar-Uni-Führung mit in die Verantwortung nehmen, wenn es um die Schwerpunktsetzung gehe. Mit ihm funktioniere das Hinüberschieben des "Schwarzen Peters" nicht. "Das Saarland bildet drei Mal so viele Mediziner aus, als es selbst benötigt", stellte Meiser fest. Entweder müsse man die Zahlen begrenzen oder das Ungleichgewicht wie beim Länderfinanzausgleich bereinigen. "Hier ist ein faires Miteinander gefragt", so Meiser. Das Problem Begrenzung der Mediziner-Ausbildung sei ohnehin "nicht schnell" zu lösen, da man einen Studienplatz einklagen könne.

Die linke Bildungsexpertin Barbara Spaniol betonte, dass ihre Fraktion den Uni-Präsidenten Volker Linneweber darin unterstütze, dass Sparen der falsche Weg sei. "Die Uni muss als Landes-Uni breit aufgestellt bleiben", so Spaniol. Es dürfe keine Zerschlagung des Angebots zugunsten "marktfähiger Fächer" geben. "Die Uni muss der Gesellschaft dienen", erklärte SPD-Fraktionschef Heiko Maas. Er plädierte dafür, die Ingenieurausbildung von HTW und Uni in einer Ingenieursschule zusammenzuführen. Die Medizinische Fakultät müsse man "auf jeden Fall erhalten", die Vorschläge der Honoratioren seien da "nicht zielführend". Dem Jura-Studiengang könne man dagegen seine "Breite" nehmen, so Maas.

"Andere Länder bilden auch für unsere Bedürfnisse aus."

Christian Schmitt (FDP)

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