1. Saarland

Italiener mit Herz und Verstand

Italiener mit Herz und Verstand

Er ist die treibende Kraft der italienischen Gemeinschaft an der Saar. Dabei ist Pasquale Marino nicht nur als Kulturvermittler aktiv, sondern kümmert sich auch um Menschen, die oft auf sich allein gestellt sind: Strafgefangene.

Es gibt wohl keinen Italiener im Saarland, der Pasquale Marino nicht kennt. Der 57-Jährige, der einst im Alter von 13 Jahren von Italien an die Saar zog und hier diverse lyrische und erzählende Werke publiziert hat, ist eine Institution im Land. Nicht nur deshalb, weil er seit vielen Jahren im italienischen Konsularbüro in Saarbrücken für die Sozialberatung zuständig ist. Sondern auch weil er jahrzehntelang die Terminrubriken "Angolo degli italiani" und "Appuntamento italiano" in der Saarbrücker Zeitung und im Anzeigenblatt "Wochenspiegel" betreut hat. Und nicht zuletzt auch deshalb, weil er seit einer gefühlten Ewigkeit die Radiosendung "Mezz'ora italiana" des SR moderiert.

Legendär ist Marinos Engagement für eine Klientel, die nicht den allerbesten Ruf genießt: die italienischen Strafgefangenen. Seit über drei Jahrzehnten ist er in den Justizvollzugsanstalten Lerchesflur in Saarbrücken und Ottweiler als ehrenamtlicher Vollzugshelfer aktiv. Sein Konzept: "den Leuten beizubringen, dass es Regeln gibt, die man - unabhängig davon, ob man sie gut oder schlecht findet - besser einhalten sollte". Man müsse den Gefangenen diese Regeln "dann allerdings auch erklären", unterstreicht er. Marino führte Anfang der 80er Jahre Italienisch- und Deutschkurse in den Gefängnissen ein. Keine gewöhnlichen, sondern solche, mit denen die Häftlinge auf ein Leben in der Freiheit vorbereitet wurden. Sie lernten zum Beispiel, ein Mietgesuch aufzugeben.

Er war Vorsitzender des Gefangenensportvereins und initiierte im Beisein der Sportlegende Fritz Walter Fußballspiele der Häftlinge gegen die Senioren des 1. FC Saarbrücken. Und er richtete eine italienischsprachige Bibliothek mit über 400 Büchern in den Vollzugsanstalten ein.

Nicht alles, was Marino damals begonnen hat, kann er heute noch weiterführen. Bis zur Schließung des italienischen Konsulats in Saarbrücken im Jahr 2010 veranstaltete er auf der Lerchesflur sogar noch alljährlich große Weihnachtsfeiern. "Dafür steht heute kein Geld mehr zur Verfügung, denn das Konsulat gibt es nicht mehr", bedauert er. Doch Marino engagiert sich noch heute unermüdlich für Gefangene. Sein Credo: "Die Menschenwürde endet nicht hinter den Gefängnismauern." So begleitet er ehemalige Straftäter und ihre Angehörigen zu Behörden und fungiert als Dolmetscher. "In den letzten drei Jahrzehnten hat sich kein Italiener auf der Lerchesflur umgebracht", sagt Marino. "Wenn es drauf ankam, hatten sie immer jemanden, bei dem sie sich ausweinen konnten." Dieser Tage wurde Marino für seine langjährige Tätigkeit als Vollzugshelfer vom Justizministerium geehrt. Staatssekretärin Anke Morsch (SPD) sagte: "Für Ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement gebührt Ihnen der große Dank der gesamten saarländischen Justiz."