Intakte Dorfgemeinschaft hält den Ort lebendig

Intakte Dorfgemeinschaft hält den Ort lebendig

Ein wenig Verwirrung herrschte in Schwemlingen, als sich die Bürger des Merziger Stadtteils versammelten, um ihren Ort bei der SZ-Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter“ zu vertreten. Alle Anwesenden waren sich nicht sicher, ob mit „Dorfplatz“ der Kapellenplatz vor der Volksbank – direkt an der Hauptstraße – gemeint war.

Ortsvorsteherin MariaBänsch-Schnur.
Das aktive Vereinsleben spielt sich auch in der Saargauhalle ab.
Auch die Kirche hatte eine bewegte Geschichte. Foto: Rolf Ruppenthal. Foto: Rolf Ruppenthal

Dass alle am richtigen Ort waren, zeigte sich, als Ortsvorsteherin Maria Bänsch-Schnur mit ihrem Auto samt Anhänger vorfuhr. Auf dem Anhänger geladen: Getränke als Belohnung für die Schwemlinger, die sich für ihren Ort einsetzen.

Bänsch-Schnur (49) ist bereits seit neun Jahren im Amt. Über ihren Ort weiß sie bestens Bescheid: "Wir haben aktuell rund 2150 Einwohner, eine eigene Grundschule, einen Kindergarten und neuerdings auch eine Krippe", ist die Ortsvorsteherin stolz. Einen nicht unerheblichen Teil der Einwohnerzahl machten dabei das Alten- und Pflegeheim "Kloster Marienau" sowie die Laurentiushöhe, eine therapeutische Wohn-, Förder- und Pflegeeinrichtung für psychisch und geistig behinderte Menschen, aus. "In den beiden Heimen wohnen insgesamt etwa 580 Einwohner, 80 im Altenheim, 500 in der Laurentiushöhe", erläutert Bänsch-Schnur.

Schwemlingen kann ein reges Vereinsleben mit insgesamt 16 Vereinen vorweisen und damit verbunden auch eine große Zahl an örtlichen Festen. "Wir veranstalten alle zwei Jahre ein Seifenkistenrennen, jedes Jahr gibt es außerdem eine Kirmes mit Dorffest, die 2005 neu organisiert wurde und in ihrer neuen Form dieses Jahr zum achten Mal stattfindet", wie die Ortsvorsteherin erzählt. Als weitere Ortsfeste nennt sie das Pannenflickerfest am 1. August, das mit Live-Band, Kirmes und Tombola alles in einem bietet und von allen Vereinen gemeinsam ausgerichtet wird. Außerdem erwähnt Bänsch-Schnur noch einen Second-Hand-Markt mit Kleidung und Spielzeug für Kinder und hebt den Kunsthandwerkermarkt, der jeden zweiten Advent am Forsthaus stattfindet, besonders hervor: "Der Handwerkermarkt ist weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt, Aussteller aus ganz Deutschland kommen zu diesem Anlass nach Schwemlingen."

Ein Herausstellungsmerkmal für den Merziger Stadtteil ist ihrer Aussage nach die Freiwillige Feuerwehr Schwemlingens, genauer gesagt eine kürzliche Veränderung in deren Organisation. Darüber wusste jedoch Löschbezirksführer Stefan Schweiger noch besser zu berichten: "Die Löschbezirke Weiler und Schwemlingen wurden vor kurzem auf Wunsch beider Feuerwehren zusammengelegt. Damit gibt es in Merzig nur noch 16 statt 17 Löschbezirke", schildert Schweiger. Weiter sagt er, dass die beiden Wehren schon seit zwei Jahren zusammen üben, womit die Verschmelzung der Löschbezirke nur der nächste logische Schritt gewesen sei. "Damit sind Schwemlingen und Weiler die ersten beiden Stadtteile von Merzig, deren Feuerwehren fusioniert wurden." Die Vorteile sind, wie der Löschbezirksführer erklärt, eine verbesserte Position, mehr Leute und eine schlagfertigere Truppe. Damit die beiden Wehren auch adäquat ausgerüstet sind, werde demnächst ein neues Gerätehaus in Schwemlingen gebaut. Schweiger: "Das neue Gerätehaus ist vergleichsweise nah am alten, das sich nicht mehr rentiert hat. Das neue Gebäude ist für Schwemlingen und Wellingen gedacht." Errichtet werde das neue Gerätehaus an dem Ort, an dem momentan noch die Kneipe "Zur Wappenschmiede" stehe. Anfang Juni soll nach Schweigers Worten der Abriss der Kneipe beginnen, man rechne mit einem Jahr Bauzeit, sodass die kombinierte Feuerwehr Schwemlingen/Weiler schon nächstes Jahr dort einziehen könne. Die Ortsvorsteherin bestätigt Schweigers Ausführungen, das neue Feuerwehr-Gerätehaus werde ein "Schmuckstück" für den Ort, ist sie überzeugt. Trotz reichlicher Freizeitmöglichkeiten durch die Nähe zur Saar und der sehr guten Autobahnanbindung sei nicht alles in Schwemlingen eitel Sonnenschein. "Vieles auf dem Dorf stirbt: Früher hatten wir einmal vier Lebensmittelläden, zwei Metzgereien und zwei Bäckereien, davon ist heute gerademal ein Bäcker übrig, und der hat kein Vollsortiment", bedauert Bänsch-Schnur. Allerdings gebe es auch Hoffnung: Die Schwemlinger arbeiten an einem Dorfladen, der, so hofft die Ortsvorsteherin, zum Mittelpunkt des Ortes werden soll. "Der Dorfladen ist ein dringender Wunsch von mir, und es finden mehrere Gespräche mit potenziellen Geschäftsleuten,

Einrichtungen und Institutionen statt", erläutert Bänsch-Schnur. Problem werde aber wahrscheinlich sein, dass sich kein Lebensmittelkonzern findet, der das Geschäft regelmäßig beliefert. "Hinzu kommt die Tatsache, dass im Ort selbst meistens nur das gekauft wird, was wir in Aldi und Co vergessen haben. Deshalb geht ja ein Geschäft nach dem anderen im Ort verloren," so die Ortsvorsteherin.

Ein weiteres Projekt für die Zukunft ist die Erschließung von 30 neuen Baustellen, für die es bereits 112 Bewerber gebe. "Bevorzugt werden natürlich Familien mit Kindern, aber auch Leute, die sich im Dorf engagieren, werden gesucht", fügt Bänsch-Schnur an. Nicht vergessen dürfe man den vierspurigen Ausbau der A8 im kommenden Jahr. Den Schwemlinger sei vom Landesbetrieb für Straßenbau eine Lärmschutzwand zugesichert worden. Auch den Ortsrat erwähnt die Ortsvorsteherin: "Wir haben insgesamt elf Mitglieder, sieben von der CDU, vier von der SPD. Wir entscheiden immer einstimmig." Der Wehmutstropfen: Die Entscheidungen hätten keinen Einfluss, da der Stadtrat ihre Entscheidungen jederzeit überstimmen kann. Bis vor etwa hundert Jahren lebten in Schwemlingen viele Halfen, die mit ihren Pferden und langen Seilen am Ufer die Schiffe von Merzig nach Mettlach durch die Saarschleife saarabwärts zogen. Das Handwerk ist zwar mittlerweile ausgestorben, doch Spuren sind noch hier und dort sichtbar. So steht in der Saareckstraße 11 noch immer ein echtes Halfengasthaus.

Schwemlingen hieß im zehnten bis zwölften Jahrhundert wohl "Sivemedinga". Daraus wurden im Laufe der Jahrhunderte "Swemedingen" (1324), "Sweymlingen" (1446), "Schwemblingen" (1561) und "Schwembling" (1656). Höchstwahrscheinlich war Schwemlingen bereits in der Steinzeit besiedelt, wie Funde vermuten lassen. Auf die Frühmenschen folgten die Kelten, dies deuten drei im Jahr 1925 gefundene Brandgräber aus der Hallstattzeit an. Und auch Römer und Merowinger fühlten sich hier heimisch. Dies beweisen zwei römische Gräber auf dem Federfels und merowingische Gräber auf dem Gelände des heutigen Friedhofs. Schwemlingen war also von der Steinzeit an ein durchgehend besiedelter Ort.

Im Jahr 1230 - beispielsweise - war Schwemlingen als Filiale der Pfarrei St. Gangolf verzeichnet, die in diesem Jahr mit der Abtei Mettlach vereinigt wurde. Im Jahr 1481 bezeugte Heinrich von Warsberg, dass er seine Güter in Federfels als Lehnen vom Kloster Mettlach besaß. Mit dem Dreißigjährigen Krieg kam das Unheil in den Ort, der größtenteils von marodierenden Horden zerstört wurde. Der Ortsteil Vedderfels wurde danach nicht mehr aufgebaut, die Ortsteile Schank und Staadt dagegen von zugewanderten Lothringern nach und nach neu besiedelt. Obwohl das Herzogtum beim Wiederaufbau half und eine Einwohnerliste von 1656 noch neun Einwohnern vermerkte, war Schwemlingen vier Jahre später menschenleer.

Doch dann siedelten sich wieder Menschen an. 1716 wurde die im Dreißigjährigen Krieg erbaute St.-Sebastianus-Kapelle vergrößert, 1803 allerdings im Zuge der französischen Revolution durch den Staat konfisziert und in Metz versteigert. Ein jüdischer Kaufmann erwarb sie für 18 Taler und verkaufte sie an den Dreisbacher Schiffer Peter Hoffmann weiter. Der überließ sie wieder der Schwemlinger Gemeinde - für sechs Eichenstämme und einen freien Platz in der Kapelle.

Einen recht abenteuerlichen Schulweg hatten die Schwemlinger Kinder bis zum Jahr 1820 jeden Morgen zu bewältigen: Sie mussten nach Besseringen zur Pfarrschule. Eine Fähre setzte sie über die Saar. Dann gab es endlich eine eigene Schule. Nachdem man für die Knabenklasse 1909 ein eigenes Schulhaus erbaut hatte, kam 1913 schließlich auch eine eigene Kirche hinzu: Mit der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius, erbaut 1925, wurde Schwemlingen erstmals eine eigene Pfarrei.