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Innenstadt verträgt mehr Läden

Innenstadt verträgt mehr Läden

Homburg. Angesichts des seit Monaten so heiß diskutierten Themas, was und in welcher Größe in Homburgs Innenstadt gebaut werden sollte oder könnte, war es am Montagabend recht leer im großen Sitzungssaal des Homburger Rathauses, Am Forum. Die Stadt hatte wohl mit mehr Besuchern gerechnet, denn der Saal war komplett geöffnet und bestuhlt worden

Homburg. Angesichts des seit Monaten so heiß diskutierten Themas, was und in welcher Größe in Homburgs Innenstadt gebaut werden sollte oder könnte, war es am Montagabend recht leer im großen Sitzungssaal des Homburger Rathauses, Am Forum. Die Stadt hatte wohl mit mehr Besuchern gerechnet, denn der Saal war komplett geöffnet und bestuhlt worden. So präsentierte Marktforscher Karsten Schreiber sein Einzelhandelskonzept für Homburg - grundsätzlich ist das eine "Fortschreibung des bestehenden Vorläufers, dem Märktekonzept" - vor etlichen leeren Reihen.Viele Zahlen, Schätzungen und Berechnungen wurden da an die Wand geworfen, etliche sehr interessant. 18 000 Quadratmeter war dabei wohl die spannendste Hausnummer für die meisten. Das wäre nämlich die Größenordnung, die Homburg vertragen würde bei einer Erweiterung der Innenstadt mit Handel, Dienstleistung und Gastronomie, erläuterte Schreiber Ergebnisse seines Gutachtens. Geeigneter Standort sei der Enklerplatz. Und genau hier sähe die Stadt ja gerne eine Einkaufsgalerie, interessierter Investor ist ECE.

Entstanden waren die Schreiberschen 18 000 Quadratmeter aus verschiedenen Anforderungen und Annahmen: Die City sollte durch so eine Ansiedlung schließlich attraktiver werden, andererseits brauche ein solcher Betrieb auch eine Mindestgröße, um rentabel zu sein. Generell, so Schreiber, könne man nach Auswertung von Studien sagen: "Je kleiner die Einkaufszentren desto höher die Floprate." Bei Zentren von 10 000 Quadratmetern Größe scheitere jedes Zweite.

Auch eine Obergrenze wurde berücksichtigt, schließlich sollten bestehende Läden geschützt werden. Es musste gefragt werden: "Was können wir bestehenden Geschäften zumuten?" Zugrunde gelegt wurden für eine Modellrechnung vergleichbar große Einkaufszentren und ihr Sortiment. Denn in Homburg "wissen wir noch nicht, was genau kommt", unterstrich Schreiber. Gehe man von den höchsten denkbaren Umsätzen pro Quadratmeter aus, zwischen 3000 und 4000 Euro je nach Warengruppe, läge der Umsatz eines Centers bei 64 Millionen Euro. Je ein Viertel davon stammten laut dieser Modellannahme aus Verlusten bestehender Geschäfte und aus Umzügen - etwa aus Randlagen in die City. Die verbleibende Hälfte könne nur aus Kaufkraft kommen, die zusätzlich für Homburg gewonnen werde. Allerdings: Die Verlust-Annahmen für andere Läden müssten nicht eintreffen, es seien auch Steigerungen durch eine solche Ansiedlung denkbar.

Dass die Innenstadt in Homburg aufgewertet werden kann und muss, zeigte Schreiber an weiteren Zahlen: In Homburg liege gerade einmal ein Fünftel der gesamten Einkaufsfläche von 132 000 Quadratmetern in der Innenstadt. "Das ist ein sehr geringer Anteil." In vielen anderen Mittelzentren sei der Anteil viel höher, bis zu Zweidrittel der Geschäfte liege dort in der City. Zudem könne Homburg noch aufholen bei Kaufkraft, die von außen zufließe. Die liege etwa in Saarlouis oder St. Wendel deutlich höher. Damit Homburg attraktiver wird, schlägt das Konzept zwei Kundenmagnete an beiden Enden der Talstraße vor: im Westen das Vauban-Carree und das Saarpfalz-Center, im Osten, also auf dem Enklerplatz, eine Erweiterung der Innenstadt.

Dadurch erwartet das Gutachten eine Steigerung der Kundenfrequenz und eine Aufwertung der Geschäftslagen Tal-, Eisenbahnstraße und der Altstadt. Am Marktplatz und in der Saarbrücker Straße sieht Schreiber kleine, feine Gastronomie und ein Einkaufsquartier. Zudem sollte die Nahversorgung in der Innenstadt ausgebaut werden. Wichtig seien zudem zentrale Parkmöglichkeiten.