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LSVS-Finanzaffäre
Saar-Innenminister entmachtet Spitze des Landessportverbandes

Innenminister Klaus Bouillon
Innenminister Klaus Bouillon FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Rechtsaufsicht setzt Anwälte als Krisenmanager ein. Die Staatsanwaltschaft hat derweil Wohnungen und Büros von LSVS-Präsident Meiser durchsucht. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Beim Landessportverband LSVS, in dessen Kasse ein millionenschweres Defizit bekannt wurde, hat nach SZ-Informationen ab sofort ein Krisenmanager das Sagen. Auf Drängen von Innenminister Klaus Bouillon (CDU), dessen Ministerium die Rechtsaufsicht über den LSVS ausübt, übernimmt der Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Franz Abel das Kommando an der Verbandsspitze. Dies bedeutet die Entmachtung des kompletten LSVS-Präsidiums um den Präsidenten Klaus Meiser. Abel ist nach Vorgaben der Rechtsaufsicht auch insbesondere gegenüber der Geschäftsführung und der Belegschaft weisungsbefugt. Im Außenverhältnis, also auch gegenüber Banken und anderen Geldgebern, ist er für den LSVS handlungsbefugt. Abel selbst hat nur der Rechtsaufsicht gegenüber Berichtspflicht. Das Ministerium selbst hat wiederum den Saarbrücker Finanzexperten und Rechtsanwalt Günter Staab als Vertreter und Berater der Rechtsaufsicht verpflichtet. Staab hat auch bereits schriftlich dem LSVS-Präsidium ein Pflichtenheft vorgegeben.


Nach SZ-Recherchen fällt das Defizit in der LSVS-Kasse deutlich höher aus als bisher angenommen. So soll ein Großteil der Rücklagen aufgebraucht sein, nach jüngsten  Berechnungen ist offenbar ein jährliches Defizit von zwei Millionen Euro aufgelaufen. Demnach hat der Sportverband derzeit akute Liquiditätsprobleme. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts kann der LSVS aber nicht in Insolvenz gehen. Hätte das Präsidium, das sich gestern Abend zu einer Krisensitzung traf, Abel nicht als „Konsolidierungsberater“ eingesetzt, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit seitens der Rechtsaufsicht ein Staatskommissar berufen worden.

Abel sagte gegenüber unserer Zeitung: „Liquiditätssicherung wird das erste Gebot sein, um wieder handlungsfähig zu werden. Mein oberstes Ziel ist es, das denkbar Beste für den Saar-Sport rauszuholen. Ich gelobe Transparenz in alle Richtungen.“

Derweil hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gestern weitere Durchsuchungen durchgeführt. So tauchten spezialisierte Ermittler mit richterlichen Anordnungen in den Wohnungen von Meiser und seiner Lebensgefährtin auf. Auch im Landtag und beim LSVS sowie bei Saartoto wurden Computer und Unterlagen beschlagnahmt. Die Untreue-Ermittlungen gegen Meiser wurden demnach ausgeweitet. Der Staatsanwalt vermutet, dass „schwarze Kassen“ aus Mitteln des Saartoto-Verstärkungsfonds für den Sport gebildet wurden. Meiser soll Barschecks „nach Gutdünken“ insbesondere vor der Landtagswahl 2017 an Vereine verteilt haben.

Innenminister Klaus Bouillon
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LSVS-Präsident Klaus Meiser
LSVS-Präsident Klaus Meiser FOTO: dpa / Oliver Dietze