1. Saarland

Inkassodrohungen im Briefkasten

Inkassodrohungen im Briefkasten

Kaffeefahrten, Enkeltrick oder das Ausspähen von Kontodaten — Betrüger lauern an vielen Ecken. In der Serie "Vorsicht, Abzocke!" stellt die SZ die Tricks vor, mit denen nichts ahnende Bürger abgezockt werden, und erklärt, wie man sich dagegen wehren kann. Teil neun: Inkassobenachrichtigung.

St. Wendel. Auch jemand, der seit Jahren tagtäglich mit Betrugsfällen zu tun hat - früher als Polizist, heute als Seniorensicherheitsberater im Kreis - kann in das Visier von Abzockern geraten. So wie Rudi Schmidt. Er wurde vor einigen Monaten auf eine betrügerische Internetseite durch einen St. Wendeler Bürger hingewiesen. "Ich habe dann diese Seite aufgerufen, um zu schauen, was sich dahinter verbirgt", erzählt Schmidt. Nach sechs Wochen erreichte ihn eine E-Mail. Darin wurde er aufgefordert, 98 Euro zu zahlen, da er während des Besuchs der Website einen Vertrag abgeschlossen habe. Schmidt: "Natürlich habe ich nicht darauf reagiert. Doch bekam ich etwas später Post von einem Frankfurter Rechtsanwalt." Darin wurde die Zahlungsaufforderung wiederholt, gepaart mit Einschüchterungsversuchen wie der Behauptung, bei Nichtzahlung würde ein Schufa-Eintrag erfolgen.Schmidt reagierte wiederum nicht. Vier Wochen später: ein weiterer Brief. Diesmal von einem Inkassobüro. "Das Schreiben sah fast genauso aus wie das des Rechtsanwalts, daher nehme ich an, dass es von der selben Person stammt", gibt Schmidt an. Auch diesmal sah der ehemalige Polizist keinen Grund, den Brief ernst zu nehmen. Mehr Post zu dieser Sache habe er nicht mehr erhalten. Ein Betrugsversuch, davon war Schmidt überzeugt.

Wenig später berichtete ein Fernsehmagazin über die Sache. Es war eine Abzocke im großen Stil, die Betrüger wurden verhaftet.

Jedoch sollte man Briefe von Inkassounternehmen, also professionellen Schuldeneintreibern, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn nicht immer steckten Betrüger dahinter. Silke Schröder, Telekommunikationsberaterin der Verbraucherzentrale Saar, rät: "Der erste Schritt sollte immer sein, die Forderungen zu prüfen. Wenn sie berechtigt sind, dann muss man natürlich bezahlen. Falls nicht, sollte ein Widerspruch eingelegt werden. Als Einschreiben mit Rückschein." Musterbriefe gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Zudem habe jeder das Recht, einen Nachweis über den Sachverhalt anzufordern. Schröder: "Auf dem Briefkopf eines seriösen Unternehmens gibt es eine vollständige Anschrift, nicht nur ein Postfach. Dahin sollte man sich wenden." Ebenso muss der Briefkopf eine Registrierungsnummer des zuständigen Gerichtes aufführen.

Im Zweifelsfall können Betroffene die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt einschalten. Schröder gibt nämlich zu bedenken: "Falls die Zahlungsforderung berechtigt ist und dieser nicht zwei Mal widersprochen wurde, kann unter Umständen ein Schufa-Eintrag die Folge sein."

vz-saar.de

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Auf einen Blick

Wer Opfer von Betrügern geworden ist, sollte diesen Betrug unbedingt anzeigen, rät die Polizei. Auch der Betrugsversuch oder andere Aktivitäten, die auf betrügerische Abzocke hinweisen, sollten gemeldet werden. Polizeiinspektion St. Wendel: Mommstraße 37-37, Tel. (0 68 51) 89 80. Auch die Seniorensicherheitsberater im Landkreis dienen als Ansprechpartner. Jeden ersten Mittwoch im Monat ist von 14 bis 16 Uhr Sprechstunde (auch telefonisch). Kontakt: Seniorenbüro St. Wendel, Mommstraße 21-31, Tel. (0 68 51) 8 01 52 01, E-Mail seniorenbuero@lkwnd.de. Kostenpflichtige Beratungen führt auch die Verbraucherzentrale Saar durch, Tel. (06 81) 50 08 90. lk