1. Saarland

In zehn Schritten zur Glocke

In zehn Schritten zur Glocke

St. Wendel. Innerhalb der Veranstaltungsreihe zum Wendelinusjahr, das noch bis zum 26. Oktober läuft, bietet die Pfarrei St. Wendelin am Samstag, 10. Juli, den Bürgern und Besuchern der Stadt ein besonderes Erlebnis. Auf dem Fruchtmarkt, in einer Nische der Wendelinus-Basilika, werden Glocken gegossen

St. Wendel. Innerhalb der Veranstaltungsreihe zum Wendelinusjahr, das noch bis zum 26. Oktober läuft, bietet die Pfarrei St. Wendelin am Samstag, 10. Juli, den Bürgern und Besuchern der Stadt ein besonderes Erlebnis. Auf dem Fruchtmarkt, in einer Nische der Wendelinus-Basilika, werden Glocken gegossen. Bruder Michael Reuter aus der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel wird um die Mittagszeit mit seinen Mitarbeitern diesen Glockenguss vorbereiten und den Ofen aufbauen und anheizen. Traditionelle Zutaten für die Glockenformen sind seit Jahrhunderten Naturlehm, Stroh und Pferdemist. Um 14 Uhr beginnt die heiße Phase des Glockengießens, die unter Chorgesang und Gebeten eingeleitet wird. Bruder Michael, der auch Glockensachverständiger des Bistums Trier ist, wird den Zuschauern die einzelnen Schritte des Gießens erklären. Entstehen werden zehn Sakristeiglocken mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern. Sie tragen als Verzierung eine Medaille mit einer Turmansicht der Basilika, die von dem St. Wendeler Maler Karl Heindl geschaffen worden ist. Außerdem sind auf jeder Glocke der Stadtpatron und die Aufschrift "Gott suchen wie St. Wendelin" zu sehen.Wenn die Formen erkaltet sind, werden sie von ihrem Mantel befreit und erstmals angeschlagen. Der letzte Arbeitsschritt wird vom Te Deum des Kirchenchores und vom Glockensegen begleitet. Zum Rahmenprogramm gehören auch Kirchenführungen und Turmbesichtigungen. Ebenso wird das Pfarrgartencafé geöffnet sein. Eine Sakristeiglocke kostet 300 Euro. Sie kann nicht nur von Pfarrgemeinden, sondern auch von Privatpersonen erworben werden. Die Tradition des Glockengießens reicht bis in das siebte und achte Jahrhundert zurück. Damals waren es iro-schottische Wandermönche, die diese Kunst aus ihrer Heimat mitbrachten. Bis zum zwölften Jahrhundert waren in den Abteien Erfurt, Fulda und St. Gallen sowie am Tegernsee und auf der Insel Reichenau bedeutende Glockengießereien entstanden. gtr