1. Saarland

In vier Öfen flackert schon ein Feuer

In vier Öfen flackert schon ein Feuer

Borg. Die Wärme, die aus vier offenen Feuerstellen gleichzeitig strömt, tut an einem bitterkalten Morgen gut. Heiner Thul wird nicht müde, Holzscheite nachzulegen. Über die Stelle, wo Archäologen bei ihren Grabungen Küchen-Relikte aus römischer Vergangenheit zutage gefördert haben, ist ein schmuckes, zweistöckiges Haus hochgezogen worden

Borg. Die Wärme, die aus vier offenen Feuerstellen gleichzeitig strömt, tut an einem bitterkalten Morgen gut. Heiner Thul wird nicht müde, Holzscheite nachzulegen. Über die Stelle, wo Archäologen bei ihren Grabungen Küchen-Relikte aus römischer Vergangenheit zutage gefördert haben, ist ein schmuckes, zweistöckiges Haus hochgezogen worden. Nach gut einem Jahr Bauzeit ist die Römische Küche in unmittelbarer Nähe der Taverne fast fertig. Schreinermeister Thul und sein zweiköpfiges Team zeichnen für den Innenausbau verantwortlich - einschließlich der Gitterfenster. "Zwölf Rahmen, 24 Kanten mal vier Glasleisten. Pro Glasleiste zwei Nägel", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Derzeit wird unter Volldampf am Vorratsraum gearbeitet. Bald sollen Amphoren und andere Behältnisse Besuchern der Villa Borg viele Geheimnisse über die Gewürze und Zutaten der römischen Küche verraten. Denn eines wissen die Fachleute aus der Villa Borg genau: Das Typische an der römischen Küche ist der verschwenderische Umgang mit Gewürzen, zum Beispiel Dill, Fenchel, Ingwer, Koriander, Kümmel, Lauch, Liebstöckel, Lorbeer, Minze, Pfeffer, Oregano und Petersilie. Und das soll nicht nur dokumentiert, sondern auch demonstriert werden. Auch Linsen, Erbsen oder Getreidesorten werden in dem Raum lagern. Ob Koch- oder Backkurse, ob für Kinder oder Erwachsene: Ideen hat das Team der Villa bereits entwickelt. Ruth Heisel, Wirtin der Taverne, wird Rezepte à la Lucullus preisgeben, Heiner Thul ist für die Back-Spezialitäten zuständig.Denn die Römische Küche soll leben, nicht nur ein Ausstellungsstück sein. "Die bauliche Rekonstruktion des Hauses entspricht in Konzeption und Gestaltung dem aktuellen Stand der Forschung über die römische Architektur", sagt Bettina Birkenhagen, Grabungsleiterin in der Villa Borg. Ebenfalls authentisch seien die vier Öfen, in denen die Feuer knistern. "Unser Vorbild war Pompeji", sagt die Grabungsleiterin. In dieser antiken Stadt, die nach beim Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 nach Christus untergegangen ist, sind heute noch gut erhaltene Kochstellen dieser Art und ganze Küchen zu besichtigen. In Borg hat man vier Arten von Kochstellen in einer Küche vereint: einen Kuppelofen, einen Brot-Backofen, eine offene Feuerstelle für Aufläufe und Suppen sowie einen Herd, bei dem die Installation von eisernen Dreifüßen und Pfannenknechten möglich ist. "Die Öfen sind schon lange benutzbar. Nur an der Einrichtung mangelt es noch", fügt die promovierte Archäologin schmunzelnd hinzu. Regale sollen angebracht werden, zudem sollen verschiedenartiges Geschirr und Geräte angeschafft werden, die für die Antike typisch waren. In der Römischen Küche gab es neben großen Vorratsgefäßen für Öl, Wein und Fischsoßen (liquamen oder garum) auch Geschirr und Küchenutensilien. In einem saftigen Lilablau ist die Stelle in der Wand markiert, für Vesta, die Hüterin des heiligen Feuers. Die Göttin von Heim und Herd durfte in keiner Küche fehlen.Noch führt eine provisorische Holztreppe (die endgültige ist in Arbeit) auf die Galerie, mit einem großen Tisch und Stühlen bestückt. An diese schließen sich zwei Räume an. Einer soll als Rückzugsraum, ein weiterer als Schlafraum genutzt werden. Im Frühjahr, so sieht es der Plan vor, soll das neue Haus für die Besucher der Römischen Villa Borg zugänglich sein. Die ein oder andere Veranstaltung zum Thema Römische Küche hat bereits schon stattgefunden - und das erfolgreich. "Die Rekonstruktion entspricht dem neuesten Stand der Forschung."Grabungsleiterin Bettina Birkenhagen