In unserer Region geht es dem Vogel des Jahres noch gut

Saarlouis/Dillingen/Schmelz. Es krächzt in Saarlouis, es krächzt in Dillingen, es krächzt in Schmelz. Entlang der Saar lebt der Vogel des Jahres 2012 - die Dohle. In Saarlouis, Dillingen und Schmelz bilden sie ganze Kolonien.Laien verwechseln die Dohle oft mit der Rabenkrähe. Beide gehören zur Familie der Rabenvögel

Saarlouis/Dillingen/Schmelz. Es krächzt in Saarlouis, es krächzt in Dillingen, es krächzt in Schmelz. Entlang der Saar lebt der Vogel des Jahres 2012 - die Dohle. In Saarlouis, Dillingen und Schmelz bilden sie ganze Kolonien.Laien verwechseln die Dohle oft mit der Rabenkrähe. Beide gehören zur Familie der Rabenvögel.

Doch weist die Dohle Merkmale auf, die sie eindeutig von ihrem entfernten Verwandten abgrenzen lassen. In Gruppen mehrerer Krähen fällt die Dohle als kleinster Vertreter auf. Wie alle Krähen ist sie schwarz, bloß bei ihr verläuft der Nacken in einem grauen Ton. "Kennzeichnend sind vor allem ihre blauen Augen", erklärt Rolf Klein, Leiter der Beringungsstation in Lisdorf. Zudem ist der grauschwarze Schnabel kleiner als der anderer Krähen.

Gesellig mit Ordnung

Dass der Vogel häufig in Gruppen mit anderen Krähen auftritt, liegt an seinem ausgeprägtem Sozialverhalten. "Das Soziale macht sie sehr sympathisch", meint Klein. Auch untereinander herrscht ein soziales Miteinander. Die gesamte Gruppe kümmert sich um kranke und schwächere Tiere oder greift nahende Feinde an. Doch gibt es eine strikte Rangordnung. So weiß jedes Tier, wer zuerst an das gefundene Fressen darf. Finden sich zwei, steigt das Weibchen in den Rang des Partners auf. Sympathisch ist auch, dass Dohlen sich lebenslang treu sind.

Nach Untersuchungen von Verhaltensforscher Konrad Lorenz wissen Ornithologen von der Intelligenz der Tiere. Nicht nur ihre Lernfähigkeit, sondern auch das riesige Repertoire an Ruftönen bezeugt das. Die Dohle eignet sich Laute anderer Tiere an und täuscht gerne mal vor. Klein erklärt, dass Dohlen sich sogar je nach Gefühlslage emotional ausdrücken können.

Besuch aus dem Norden

Gerade jetzt im Herbst fliegen sie zu Hunderten über die Köpfe der Saarlouiser, Dillinger und Schmelzer. Die geselligen Vögel sammeln sich nun zu größeren Gruppen. Darunter befinden sich jedoch nicht nur die saarländischen Dohlen. Zu dieser Jahreszeit kommt Besuch aus Nordeuropa. Spezialisten können sie an der helleren Graufärbung erkennen.

Sind die Schwärme unterwegs, fliegen sie entweder zur Nahrungssuche zum Beispiel auf die Lisdorfer Felder, oder sie sind auf dem Heimweg in die Stadt. Die früheren Steppenvögel lieben Kleinstädte, unter anderem auch, weil hier eine ganze Kolonie Brutplätze findet. Bevorzugt müssen Schornsteine oder Kirchentürme herhalten. "Manchmal ziehen sie auch in verlassene Baumhöhlen des Schwarzspechts ein", erklärt Klein.

Warum der Vogel des Jahres?

Leider geht es der Dohle nicht überall so gut wie hier.

In mehreren Bundesländern steht die kleine Krähe auf der Roten Liste. Gerade in Ostdeutschland sei der Bestand durch Sanierungsarbeiten an Häusern drastisch zurückgegangen, erklärt Klein. Mögliche Nistplätze schwinden. Zudem erschwert die Intensivierung der Landwirtschaft die Nahrungssuche.

Denn dicke Insekten finden die wendigen Flieger nur auf flachen Feldern. Der Anbau hoher Grassorten auf immer größeren Flächen macht es nicht leicht.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schätzt den Bestand auf 100 000 Brutpaare. "Davon sind zwischen 500 und 2 000 im Saarland anzutreffen", schätzt Klein.

Auch zu kämpfen hat die Dohle als schwarzer Rabenvogel mit ihrem Image. Beides Gründe um den cleveren und sympathischen Vogel mal ins Rampenlicht zu rücken und über ihn aufzuklären.

Hintergrund

In Deutschland verleiht der Naturschutzbund (Nabu) den Namen "Vogel des Jahres". Vor allem Vögel, die bedroht sind, sollen dadurch in den Vordergrund rücken. Es erfolgt eine landesweite Erfassung der Art, um den genauen Bestand zu ermitteln. Aufklärung über Ursachen der Einbrüche und Maßnahmen sollen den Bestand festigen helfen.

So gibt es im Fall der Dohle auch Tipps auf der Internetseite des Nabu. Für Leute, die ihr Haus sanieren, gibt es etwa Baupläne zu Nistkästen, die fehlende Gebäudenischen ersetzen. maj

nabu.de

nabu-saar.de

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