1. Saarland

In Thailen ist Gastfreundschaft noch ein hohes Gut

In Thailen ist Gastfreundschaft noch ein hohes Gut

Bestes Wetter herrschte beim Fototermin der SZ-Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter“ im Weiskircher Gemeindeteil Thailen. Ortsvorsteherin Helma Kuhn-Theis (60, CDU), seit 15 Jahren die Chefin im Ort, hatte auf den Platz vor der Kirche eingeladen.

Dorfmittelpunkt: Die Pfarrkirche St. Martin.
Ortsvorsteherin Helma Kuhn-Theis.

"Es geht darum, zu zeigen, was unser schönes Dorf zu bieten hat", schwor sie ihre Mitbürger auf den Fototermin ein. Rund 120 waren gekommen, um sich ablichten zu lassen. "Damit bin ich zufrieden", sagte die Ortsvorsteherin und fand sich bestätigt. "Die Thailener sind stolz auf ihren Ort. Und wenn es ums Dorf geht, sind alle zur Stelle", war sie begeistert. In Thailen habe man frühzeitig erkannt, dass öffentliche Zuschüsse nicht mehr so reichlich fließen, also muss man sich selbst helfen, selbst Hand anlegen und zupacken.

Je nach Projekt und Finanzmittel werde mit mehr oder weniger Helfern gearbeitet. So zeigten sich ihre Mitbürger auch beim Umbau des alten Kindergartens zum Dorfgemeinschaftshaus von ihrer besten Seite. Hier entstand eine Begegnungs- und Veranstaltungsstätte für die Dorfgemeinschaft, denn außer zwei kleineren Sälen in Gastwirtschaften haben die Vereine keine geeigneten Räumlichkeiten, ihre Vereinsfeste abzuhalten. Dementsprechend gut war die Beteiligung. Unzählige Arbeitsstunden wurden durch Freiwillige abgeleistet. "Die Eigenleistung der Dorfbevölkerung war einmalig, bis zu 200 Freiwillige haben mitgearbeitet", freute sich Kuhn-Theis.

Das Gebäude kann sich jetzt sehen lassen, ein großer Gemeinschaftssaal mit Küche und weiteren Sanitäranlagen, Jugendraum und Wickelraum stehen den Vereinen und Gruppen schon bald zur Verfügung. Es fehlt noch der Außenputz, den allerdings eine Firma in den nächsten Wochen anbringen wird. Zum 60-jährigen Vereinsjubiläum des Männergesangvereins im September wird alles fertig sein. "Dann feiern wir zusammen Einweihung und Jubiläum", betonte die Dorfchefin.

Womit das Stichwort Vereine gefallen ist. Hierbei nennt Kuhn-Theis primär die Initiative Jugend und Zukunft, die vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde mit dem Ziel, für das eigene Dorf anzupacken. Ein Kinderspielplatz in der Nähe der Grundschule wurde errichtet, dazu der Jugendraum im neuen Dorfgemeinschaftshaus. Eine Wassertretanlage, leider zu oft verschmutzt, wurde ebenfalls geschaffen. Der Sportverein ist ein Aushängeschild des Ortes, ebenso der Männergesangverein, dazu die Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes.

Der Obst- und Gartenbauverein kümmert sich ganz rege um die Ausschmückung der Anlagen rund um die Kirche. Daneben sorgen Turnverein, Tanz- und Gymnastikgruppe für sportliche Abwechslung im Familienalltag. Einen Glücksfall nennt Kuhn-Theis derzeit sieben gemeindeeigene Baustellen in exponierter Lage für junge Familien. "In 30 Jahren hat sich die Einwohnerzahl von um die 1220 nie wesentlich geändert, die Sterberate wird durch Geburten wettgemacht", sagt die ehemalige Landtagsabgeordnete.

Von daher war auch der Neubau eines Kindergartens vor zehn Jahren notwendig. Mit 43 Kindern, davon fünf Krippenplätze ab einem Jahr ist die Vorschuleinrichtung vollständig ausgebucht. Nebenan werden die Kinder in drei Klassen der Grundschule Konfeld unterrichtet. Eine kleine Grundversorgung für das tägliche Leben hält Thailen auch noch vor. Metzgerei, Friseur, Kreativ-Geschenklädchen und Blumenladen, dazu eine Sparkassenfiliale. Zwei Gastwirtschaften mit Restauration und Sälen werden für Veranstaltungen, Feste und Jubiläen gut frequentiert.

Das Publikum komme auch von außerhalb, so die Ortsvorsteherin, die sich für die nicht so mobilen Mitbürger einen Dorfladen mit Lebensmitteln wünscht. Sorgen bereitet die Raserei durch die örtliche Hauptstraße. Anstrengungen zur Verkehrsberuhigung werden aber gemacht.

Auch die Ausgestaltung des Verkehrskreisels von Weiskirchen kommend mit einer Beleuchtung sei noch geplant. "Insgesamt bietet Thailen gute Voraussetzungen dort zu leben. Gastfreundschaft und Herzlichkeit werden bei uns groß geschrieben", so die Ortsvorsteherin in ihrem Schlusswort. Von daher grüßt Thailen auf eigenen Ortseingangsschildern seine Gäste und Besucher "ganz herzlich". Thailen war bis 1973 eine eigenständige Gemeinde, wurde im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform zum 1. Januar 1974 der damals neu gebildeten Gemeinde Weiskirchen zugeordnet. Über Jahrhunderte war der Ort in Unter- und Oberthailen aufgeteilt. Diese gehörten zu unterschiedlichen Herrschaftsbereichen und Verwaltungen; Oberthailen zum Erzbistum/Kurfürstentum Trier, Unterthailen zu Nassau-Saarbrücken und lag auf Dagstuhler Gebiet. Diese Teilung ist im Volksmund noch heute ein Begriff. Der politische Zusammenschluss erfolgte 1932.

Zwischen Thailen und Rappweiler wurden bei früheren Ausgrabungen viel römisches Ziegelmauerwerk gefunden, was auf eine römische Siedlung schließen lässt. Überliefert ist, dass Thailen an einer römischen Hauptstraße liegt, welche aber nicht im Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen geführt ist. Eine erste urkundliche Erwähnung von Thailen stammt aus dem Jahre 1048.

Erzbischof Eberhard überlässt den Hoh Teyla dem St. Simeonsstift zu Trier. Thailen wurde früher auch das Lindendorf genannt. Es gab eine Lindenallee und viele stattliche Einzelbäume, die zum Teil heute noch vorhanden sind. Eine Interpretation des Ortsnamens führt auf die lateinische Bezeichnung "tilia" für die Linde zurück, welche auch auf dem Wappen des Ortes abgebildet wird.

Vor zehn Jahren wurde Thailen im Rahmen des "Naturpark-Dörfer-Programmes" des Naturpark Saar-Hunsrück zum Naturpark-Dorf der Gemeinde Weiskirchen erklärt. Touristisch hat Thailen auch etwas zu bieten. Etwas außerhalb Dorfes liegt an den Schwarzrinderseen der gleichnamige Wochenend- und Ferienpark, bestehend aus Wochenendhäusern und Campingplatz. Eröffnet wurde er 1972. In unmittelbarer Nähe ist das Erholungsgelände "Weinstrand" für Wanderer, Radfahrer und Urlauber geschaffen worden. Mit der Mostbirnenallee, die 2002 zwischen Thailen und Weierweiler angelegt wurde, ist ein touristisches Kleinod entstanden. Die Allee besteht aus etwa 100 Bäumen, mit fast 40 teilweise sehr seltenen und historischen Sorten. Sie ist beschildert und jede einzelne Sorte ist mit einer gestalteten Infotafel erklärt. Neben weitläufigen landwirtschaftlichen Nutzflächen gehört zum Ortsteil auch ein großes Waldgebiet, das mit gut ausgebauten Waldwegen, wie auch den vielen Feldwegen, zu Wanderungen und Radtouren einlädt. Der Georgi-Panoramaweg tangiert Thailen.