In Saarbrücken wird es keine "Gum Walls" für Kaumgummi-Müll geben.

Wohin mit dem klebrigen Müll? : Was tun gegen ausgespuckte Kaugummis in Fußgängerzonen?

Einige Städte haben mit „Gum Walls“ zur Entsorgung der klebrigen Ärgernisse gute Erfahrungen gemacht. In Saarbrücken wird es die Wände aber nicht geben.

„Entsorge hier deinen alten Kaugummi!“ – mit diesem Slogan wirbt die „The Gum Wall GmbH“ („Die Kaugummi-Wand GmbH“) für ihre sonderbare Erfindung, die dazu beitragen soll, die Kaugummis auf den Gehwegen der Innenstädte zu reduzieren. Nach zahlreichen Modellversuchen und schließlich der Anmeldung zum Patent folgte im Januar 2017 die Markteinführung. Inzwischen gibt es die Wände bereits in 60 Städten in sechs europäischen Ländern. Nach SR-Berichten seien dort die Kaugummireste auf dem Boden um bis zu 60 Prozent zurückgegangen.

Die mit Smiley-Papier bedruckten Metallkästen sollen die Menschen auf humorvolle Art dazu animieren, ihre Kaugummis auf die bunten Gesichter zu kleben, anstatt sie auf den Boden zu spucken. Denn dort sorgen sie für Ärger bei Passanten und Reinigungsbetrieben. Die Kaugummis blieben bis zu fünf Jahre auf den Gehwegen und Straßen kleben, berichten Experten.

Deutsche Städte geben nach Angaben der „The Gum Wall GmbH“ zurzeit schätzungsweise 900 Millionen Euro jährlich für die Entfernung der Kaugummis von den Gehwegen aus. Wie der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) der Stadt Saarbrücken auf SZ-Anfrage mitteilt, kostet die einmalige, aufwändige Säuberung der Saarbrücker Bahnhofstraße (inklusive Kaugummi-Entfernung) etwa 32 000 Euro – und das drei Mal im Jahr.

Wäre die Anschaffung einiger Testwände in Saarbrücken also nicht ein sinnvoller Versuch, um das Kaugummiproblem zu bekämpfen? Trotz Berichten von mehreren deutschen Stadtverwaltungen, bei denen die „Gum-Walls“ gut funktionieren, komme eine Anschaffung und Aufstellung der Kaugummi-Wände für Saarbrücken zurzeit nicht in Frage, sagte Judith Pirrot, die Sprecherin des ZKE. „Sie könnten zwar durch einen Überraschungs- und Trendeffekt für eine vorübergehende Verringerung der Verschmutzungen sorgen. Wir bezweifeln jedoch eine nachhaltige, positive Auswirkung auf das Verschmutzungsverhalten der Verursacher“, sagte sie. Eine weitere Befürchtung des ZKE sei, dass sich die „vertikale Entsorgung“ über die Smiley-Wände hinaus auf Pfosten, Hauswände und Flächen in Saarbrücken ausbreitet. Entsprechende Erfahrungen seien aus Stuttgart bekannt geworden.

„Viele finden die Gum-Walls abstoßend. Aber genau das wollen wir eigentlich erreichen, denn so werden die Leute sensibilisiert für ihren Müll“, sagte Klaus Götz, der Erfinder der Kaugummi-Wände in einem Medien-Interview.

Mit der gleichen Absicht hat auch der ZKE in der Vergangenheit ähnliche Aktionen in Saarbrücken gestartet. Neben der Idee, die Menschen für ihren Müll zu sensibilisieren, sollten sie die Passanten ebenfalls auf humorvolle Art an die angemessene Entsorgung ihrer Abfälle erinnern. Hierfür wurden zum Beispiel spezielle Mülleimer nur für Kaugummis unter dem Namen „Gumkiller“ aufgestellt. Weiterhin wurden kleine Entsorgungszettel, sogenannte „Kaugummimonster“, in der Innenstadt verteilt. Diese Papierchen sind zum Einwickeln und Transport des aufgebrauchten Kaugummis bis zum nächsten Abfalleimer gedacht.

Trotzdem setzt Saarbrücken aber weiterhin auf die klassische Entsorgung. Denn für unterwegs entstehende Abfälle wie Kaugummis, aber auch Zigarettenstummel oder Papiertaschentücher sind in Saarbrücken über 1400 Mülleimer des ZKE aufgestellt. Alleine 430 davon befänden sich in der Innenstadt, heißt es.