1. Saarland

"In jedem Fall wird es unumgänglich werden, auch privat zusätzliche Vorsorge zu treffen"

"In jedem Fall wird es unumgänglich werden, auch privat zusätzliche Vorsorge zu treffen"

Wie finde ich das richtige Heim?Michael Groß: Die Angehörigen wählen das Altenheim in der Regel wohnortnah aus, sehen sich Häuser an, die ihnen bereits durch Mundpropaganda bekannt sind, gehen dorthin, wo sie vielleicht die Leitung persönlich kennen, und hören sich um, welchen Ruf ein Haus hat

Wie finde ich das richtige Heim?Michael Groß: Die Angehörigen wählen das Altenheim in der Regel wohnortnah aus, sehen sich Häuser an, die ihnen bereits durch Mundpropaganda bekannt sind, gehen dorthin, wo sie vielleicht die Leitung persönlich kennen, und hören sich um, welchen Ruf ein Haus hat. Wichtig ist auch zu beurteilen, ob der Pflegebedürftige demenzielle Veränderungen hat, die mit Weglauftendenz oder herausforderndem Verhalten verbunden sein können. Ein weiterer Aspekt kann ein hoher intensivmedizinischer Pflegeaufwand, zum Beispiel bei Wachkoma-Patienten sein, den nicht jedes Haus leisten kann.

Was kostet ein Pflegeplatz?

Groß: Heute hat man Berechnungsgrundlagen zur Ermittlung der Pflegesätze. Demnach errechnet ein Heim seinen Pflegesatz und stimmt ihn einmal im Jahr mit den Pflegekassen und den Sozialhilfeträgern ab. Dabei werden die Sach- und Personalkosten überprüft und neu angepasst. Je nach Pflegestufe steigt der Eigenanteil der Heimbewohner an den Kosten. Am geringsten ist er für einen Bewohner in Pflegestufe eins in einem Zweibettzimmer. Die höchsten Kosten dagegen hat derjenige, der ohne Pflegeeinstufung ein Einzelzimmer bewohnt, da ihm der Anteil der Pflegekasse fehlt.

Ist die Unterbringung in einem Einzelzimmer immer besser?

Groß: Zu überlegen ist individuell, ob man sich für ein Einbettzimmer oder ein günstigeres Zweibettzimmer entscheidet. Nicht immer ist ein Einbettzimmer die bessere Lösung. Gerade in der Mobilität eingeschränkte oder bettlägerige Menschen haben ein starkes Sicherheitsbedürfnis. Sie fühlen sich zu zweit besser aufgehoben und müssen keine Angst vor Vereinsamung und Isolation entwickeln.

Wie finanziert man einen Pflegeplatz?

Groß: Bei einer Pflegeeinstufung übernimmt die Pflegekasse die entsprechende Pauschale. Der Eigenanteil wird durch die Rente gedeckt, durch anteilige Zahlungen unterhaltspflichtiger Kinder oder durch den Sozialhilfeträger. Außerdem werden im Vorfeld vorhandenes Eigenkapital und Vermögen überprüft und im Bedarfsfall eingesetzt.

Kann man privat vorsorgen?

Groß: In jedem Fall wird es für die kommenden Generationen unumgänglich werden, auch privat zusätzliche Vorsorge zu treffen, weil die Zahl der pflegebedürftigen Menschen ständig wachsen wird.

Wie erklären sich die aktuellen Erhöhungen der Pflegesätze?

Groß: Zwei große Faktoren erklären die gestiegenen Heimkosten. Damit den seit Jahren gestiegenen Qualitätsanforderungen ansatzweise nachgekommen werden kann, wurde ein Mehr an Pflegefachkräften von 16 Prozent gefordert - umgesetzt werden ab diesem Jahr fünf Prozent. Das bedeutet für unsere Einrichtung ab Oktober die zusätzliche Einstellung von zwei Vollzeitpflegekräften. Im Pflegesatz findet sich außerdem ein so genannter Ausbildungsbetrag, der von den Bewohnern geleistet wird. Er richtet sich nach der Zahl der Auszubildenden in der Pflege. Er beträgt im Sankt Franziskus Alten- und Pflegeheim bei sechs Auszubildenden 1,76 Euro pro Tag für jeden Bewohner. Durch die verstärkte Ausbildung in der Altenpflege will man zukünftig dem enormen Mangel an Fachkräften entgegenwirken.