1. Saarland

In der Mitte meines Satzes

In der Mitte meines Satzes

Unhöflichkeit ist eine Untugend, die man wunderbar parieren kann: mit dem Gegenteil. Das könnte beim Ausmerzen der Unhöflichkeit durchaus hilfreich sein, meint Michèle Hartmann.

Die Höflichkeit oder Zivilisiertheit ist eine Tugend, deren Folge eine rücksichtsvolle Verhaltensweise ist, die den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringen soll. Ihr Gegenteil ist die Grobheit oder Barbarei." Diese doch recht brauchbare Definition habe ich im Internet gefunden. Danach gesucht habe ich nach einem neuerlichen Zwischenfall im täglichen Dasein: Ein älterer Herr, den man gemäß dieser Definition durchaus als Barbar bezeichnen kann, hielt sich die Tür eines Lebensmittelladens selbst auf, schlüpfte hinein und ließ die Tür dann sausen. Dass mich die Scheibe nicht frontal traf, lag nur an einer reaktionsschnellen Abwehr. Und da dies nicht der erste Vorfall seiner Art war, bei dem der wahre Rüpel zum Vorschein kam - der Saarländer nennt ihn gern auch ,,Massig" oder ,,Hewwel" - müssen wir solcherlei als traurige Entwicklung im menschlichen Miteinander hinnehmen. Ich habe mich bei dem Herrn bedankt und einen reichlich verwirrten Blick geerntet.

Dass man der Unhöflichkeit mit Höflichkeit begegnen kann, erklärte ein Freund im Wirtshaus. Es ging beim Gespräch am Büfett um die Unart, jemandem ständig ins Wort zu fallen. Unschön wäre es nun, dem redseligen Zuhörer zu sagen: ,,Du hast mir schon wieder dazwischen gequatscht." Viel eleganter und verblüffender ist dagegen diese Formulierung: ,,Willkommen in der Mitte meines Satzes." Solche Worte zeigen Wirkung - da bin ich sicher.