Immer mehr Senioren Opfer des Enkeltricks

Immer mehr Senioren Opfer des Enkeltricks

Trickbetrüger wollen Senioren um ihr Erspartes bringen. Im Saarland hat sich die gemeldete Schadenssumme in diesem Jahr deutlich erhöht. Vermehrt bringen Betroffene auch Betrugsversuche zur Anzeige.

. Fast 90 000 Euro haben Betrüger in diesem Jahr mit dem sogenannten Enkeltrick im Saarland erbeutet. Damit liegt die gemeldete Schadenssumme schon jetzt deutlich über den Werten der vergangenen Jahre, wie die Polizei der SZ auf Anfrage mitteilte. Sprunghaft angestiegen ist demnach auch die Zahl der Senioren, die sich bei der Polizei gemeldet hatten, weil sie derartige Betrugsversuche abgewehrt haben.

Beim Enkeltrick haben es Betrüger vor allem auf ältere Leute abgesehen. In der Regel nehmen die Kriminellen Kontakt über das Telefon auf. Sie geben sich als Verwandte aus, die angeblich in einer Notlage sind, und bitten eindringlich um Geld, um aus der vermeintlichen Notsituation herauszukommen. Ein Bote komme vorbei und hole das Geld ab, heißt es dann meist.

Die im laufenden Jahr auf diesem Wege ergaunerten knapp 90 000 Euro verteilen sich laut Polizei auf drei Fälle. In einem Fall habe eine Bande in Neunkirchen 30 000 Euro erbeutet. In Bexbach ergaunerten Unbekannte 50 000 Euro. Um mehr als 9000 Euro wurden Senioren in Saarbrücken betrogen.

Die Täter versuchten es oft entweder mit einem Schock-anruf oder einer vorgeblichen familiären Beziehung, erklärt der Saarbrücker Seniorensicherheitsberater Wolfgang Gelff: "Beim Schockanruf heißt es etwa: ‚Ihr Enkel hat mich beauftragt, er ist im Ausland verunglückt und braucht jetzt dringend Geld'." Schockiert und unsicher ließen sich die Opfer auf die vorgebliche Bitte um finanzielle Hilfe ein. Andere Betrüger geben sich als Enkel aus. "Rate mal, wer dran ist?", laute eine vielbenutzte Einleitungsformel, sagt Gelff. Über geschicktes Erzählen und Fragen bauten die Täter Vertrauen auf, bis sie schließlich Geld einforderten. "Wenn ein solcher Anruf kommt, sollte man erst einmal Ruhe bewahren", rät Gelff. Statt zur Bank zu stürmen, sollten Vertrauenspersonen über den Anruf informiert werden.

2011 hatten sich 22 Betroffene bei der saarländischen Polizei gemeldet, weil sie einen derartigen Anruf erhalten hatten. Zwei Mal waren die Betrüger erfolgreich gewesen, es entstand ein Schaden in Höhe von 25 000 Euro. Für 2012 meldeten die Beamten eine Schadenssumme von 54 000 Euro, auch damals waren die Betrüger in zwei Fällen erfolgreich gewesen. Waren es 2012 insgesamt 28 Personen, die Enkeltrick-Anrufe zur Anzeige gebracht haben, stieg die Zahl in diesem Jahr auf 73 Fälle an. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Enkeltrick-Versuche an sich zugenommen habe, sagt Polizeisprecher Georg Himbert. "Wir erklären uns den sprunghaften Anstieg aber vor allem damit, dass mehr Anzeigen gemacht wurden." In der ersten Jahreshälfte habe die Polizei zum Thema Enkeltrick "massiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben", um Betroffene zur Anzeige zu bewegen. Dem Rat seien offenbar viele gefolgt.

Das gilt nicht als selbstverständlich: Selbst wer Geld verloren hat, scheut mitunter den als peinlich empfundenden Gang zur Polizei. "Viele schämen sich und machen deshalb keine Anzeige", sagt Gertrud Klöpperpieper vom Opferhilfe-Verein Weißer Ring in Saarbrücken. Aus Furcht, wieder Opfer von Kriminellen zu werden, würden sich viele der Geprellten zurückziehen. Richtig sei es aber, sich jemandem anzuvertrauen und den Betrug zur Anzeige zu bringen.