Immer mehr Saarbrücker bewaffnen sich

Immer mehr Saarbrücker bewaffnen sich

In den ersten zwei Monaten 2017 haben mehr Saarbrücker einen kleinen Waffenschein beantragt als im gesamten Jahr 2015.

Kaliber: neun Millimeter, etwa 600 Gramm, durchschnittlich acht Schuss. Und ein täuschend echtes Aussehen. Das ist eine Schreckschusswaffe. Wer sie legal besitzen will, braucht den kleinen Waffenschein. Die Zahl der Anträge stieg in Saarbrücken 2016 um das Sechsfache.

2015 wurden beim Ordnungsamt nur 53 kleine Waffenscheine beantragt. Im vergangenen Jahr waren es schon 318. Der Trend ist ungebrochen. Bereits in den ersten zwei Monaten dieses Jahres gingen beim Ordnungsamt 74 Anträge ein, mehr als im gesamten Jahr 2015, sagt Thomas Blug, Pressesprecher der Stadt Saarbrücken.

Ein kleiner Waffenschein berechtigt zum Tragen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen. Das sind Nachbildungen von Pistolen, die keine Projektile, sondern Platzpatronen enthalten. Aber nur im Notfall darf der Besitzer eine solche Waffe benutzen.

Das Unternehmen ASMC hat zwei Läden in Saarbücken, in denen man Schreckschusswaffen kaufen kann. Philip Ley, Abteilungsleiter einer ASMC-Filiale, sagt, dass viele seiner Kunden gar nicht wissen, was ein kleiner Waffenschein überhaupt ist, wo man ihn beantragt und wie viel er kostet. "Wir haben sehr viele Kunden, die sich einfach nur beraten lassen, weil sie keine Ahnung haben", sagt Ley.

Einen solchen kleinen Waffenschein zu beantragen ist nicht sonderlich schwer. Das zweiseitige Antragsformular ausfüllen, beim Ordnungsamt abgeben, einmalig 50 Euro zahlen und etwa drei bis sechs Wochen Bearbeitungszeit abwarten. Nach Angaben des Ordnungsamtes in Saarbrücken muss eine Person volljährig sein, einen festen Wohnsitz haben, zuverlässig und dafür geeignet sein, einen kleinen Waffenschein zu besitzen. Das Waffengesetz definiert unzuverlässige oder ungeeignete Personen als Menschen, die vorbestraft oder angeklagt sind. Mit dem fertigen Waffenschein geht man dann in eines der drei Fachgeschäfte in Saarbrücken und sucht sich dort eine Waffe aus.

Ley sagt, dass in Saarbrücken in den beiden Filialen der ASMC im vergangenen Jahr etwa 400 Schreckschusswaffen gekauft worden sind. Es gibt Waffen im Preisrahmen von 85 bis 400 Euro, je nach Geschmack. Einige ähneln einer Pistole, andere einem Revolver.

Experte Ley warnt jedoch vor dem Gebrauch einer Schreckschusswaffe, da diese tödlich sein könne. "Aber seien wir mal ehrlich, eine Kettensäge oder ein Messer kann das auch. Und die können in jedem Baumarkt gekauft werden", sagt Ley.

Um ein Abwehrspray zu kaufen, benötigt man jedoch keinen kleinen Waffenschein. "Der größte Teil unsere Kunden denkt, sie würden einen kleinen Waffenschein für den Kauf eines Abwehrsprays benötigen", sagt Ley.

Ein Callcenter-Mitarbeiter aus Saarbrücken, der anonym bleiben möchte, sagt, er trage ab und zu ein Abwehrspray bei sich, um sich sicherer zu fühlen. Vor allem, wenn er nachts allein unterwegs sei. "Es ist immer besser, ein Abwehrspray zu haben und es nicht nutzen zu müssen, als es zu brauchen und dann nicht dabeizuhaben", sagt er. Für Frauen gibt es das Abwehrspray auch im Lippenstift-Design.

Was viele nicht beachten, sei die Gefahr, die von Abwehrsprays für die Besitzer ausgeht, sagt Ley. Ein leichter Gegenwind reiche, und man bekomme das Spray selbst ab. Insbesondere warnt er vor Abwehrsprays mit der Aufschrift "Fog". Sie sollten nie in geschlossenen Räumen benutzt werden. Die Nebelwolke könne sich ausdehnen und alle im Umkreis treffen, erklärt er.