| 20:44 Uhr

Der Saarforst beginnt mit der Holzernte
Im Saarforst beginnt die Holzernte

Wenn in den saarländischen Wäldern die Holzernte beginnt, sollten Wegesperrungen unbedingt beachtet werden, um Unfälle zu vermeiden, warnt der Saarforst.
Wenn in den saarländischen Wäldern die Holzernte beginnt, sollten Wegesperrungen unbedingt beachtet werden, um Unfälle zu vermeiden, warnt der Saarforst. FOTO: A3399 Arne Dedert / dpa
Saarbrücken. 210 000 Kubikmeter Holz werden bis kommenden März aus den Wäldern geholt. Proteste sind programmiert. Von Dietmar Klostermann

Mit einer Charme-Offensive startet der Saarforst-Landesbetrieb in die Holzernte-Saison 2017/18. Saarforst-Chef Hans-Albert Letter hat sich jetzt aus der Betriebszentrale im kleinsten Saarbrücker Stadtteil Von der Heydt auf den Weg zur Saarbrücker Zeitung gemacht, um etwaigen Beschwerden von Spaziergängern, Joggern, Mountainbikern und Hundeführer bereits im Vorfeld zu begegnen. „Das ist eine tolle Entwicklung. Die Wahrnehmung der Umwelt hat sich stark verbessert“, sagte Letter im SZ-Gespräch. Die Waldbesucher sind dabei besonders wahrnehmungsfreudig: Jedes Jahr, wenn im Saarforst die Ernte beginnt, trudeln die Beschwerden über umgepflügte oder gesperrte Waldwege, liegengelassene Baumstammstapel oder vermeintliche „Kahlschläge“ beim Saarforst ein. Letter sagte, er könne die Empörung verstehen, wolle aber mit Aufklärung dazu beitragen, dass die Bürger die notwendigen Arbeiten akzeptierten. Dazu hat der Saarforst jetzt ein Bürgertelefon (0681-971201) eingerichtet, an dem René Fontaine Beschwerden entgegennimmt und Fragen beantwortet. Zudem habe er Ingrid Schmiedel mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut, sagte Letter.

Wie viele Bäume bis März 2018 im Staatswald gefällt werden, kann Letter nicht sagen. Doch es seien 210 000 Kubikmeter Holz, die unter die Sägeblätter kämen. Das seien bei insgesamt zwölf Millionen Kubikmetern Holz im Saarforst nur knapp zwei Prozent des Bestandes, der zudem nachwachse. Im Saarland gehören von 92 700 Hektar Wald 41 Prozent dem Land, 30 Prozent den Kommunen und 29 Prozent sind in Privatbesitz.

„Der Saarforst Landesbetrieb selbst fällt keine Bäume, das machen 70 Unternehmen für uns“, erklärte Letter. Etwa 60 Prozent der Ernte werde mit Motorsägen eingebracht, 40 Prozent mit den großen Erntemaschinen, den Harvestern. „Bei den Harvestern gab es bisher keine Unfälle“, sagte Letter. Dagegen seien durch menschliches Versagen vor zwei Jahren bei Säge-Unfällen zwei Waldarbeiter gestorben. Man setze vor allem auf lokale Kleinuntenehmen bei der Ernte. „Wir fühlen uns verpflichtet, die am Leben zu halten“, betonte der parteilose Saarforst-Chef. Einige der Kleinunternehmer seien Bauern, die über entsprechendes Gerät verfügten. „Bei den Steillagen im Scheideter Tal haben wir Spezialunternehmen mit Seilwinden aus dem Schwarzwald oder Allgäu engagiert“, berichtete Letter. Die Harvester-Einsätze habe der Saarforst europaweit ausgeschrieben, hier kämen Unternehmen aus Rheinland-Pfalz oder Bayern zum Zuge.

Der größte Teil der Holzernte werde nicht mehr im Saarland verarbeitet. „Es gibt im Saarland nur noch drei kleinere Sägewerke“, sagte Letter. Die Holzstämme am Wegesrand seien mit Nummernmarken versehen, die exakt aussagten, wo die Stämme geschlagen worden seien und wer der Käufer sei. Sägewerke in Bayern, Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg und Lothringen würden die Saar-Baumstämme für die Möbel-Industrie und die Baumärkte zurechtschneiden. Es sei nicht im Sinne des Saarforstes, wenn Baumstammstapel manchmal monatelang am Wegesrand liegen blieben. Das sei im Falle der Käufer von den Laminatwerken Eiweiler oder dem Homanitwerk in Niederlosheim der Fall, wenn die Konjunktur eine Delle habe. Zehn Prozent des eingeschlagenen Holzes, das unter zehn Zentimeter Stammdurchmesser hat, bleibe im Wald liegen, erklärte Letter.

Zu knapp drei Viertel besteht der Saarforst aus Laubbäumen. „Doch mit den Nadelbäumen erzielen wir 60 Prozent des Erlöses“, betonte Letter. Was daran liege, dass Nadelbäume bereits nach 30 bis 35 Jahren wirtschaftlich nutzbar seien.Eine Buche müsse schon 100 Jahre alt, eine Eiche sogar 150 Jahre auf dem Buckel haben, ehe es sich lohne, sie zu fällen. 10,5 Millionen Euro sei der Umsatz bei der Holzernte, der die Personalkosten decke.

Auch heute seien noch die Folgen der schweren Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs im Saarland bei der Holzernte ein Problem. Denn in den Stämmen steckten noch die Granatsplitter der Artillerie-Gefechte, was zu Maschinenschäden und Qualitätseinbußen führe.

Letter warnte davor, die Wegesperrungen bei den Erntearbeiten zu missachten. Es habe zum Glück noch keine Unfälle durch die Jogger oder Spaziergänger gegeben, die die Absperrungen überstiegen und mitten in die Baumfällarbeiten liefen. Am Tag des Waldes, dem 31. März 2018, endet nicht nur die Holzerntesaison. Die 33 Revierförster werden dann zu Wanderungen einladen, um dabei mit allen Interessierten über den Wald zu sprechen, sagte Ingrid Schmiedel.

Saarforst-Chef Hans-Albert Letter
Saarforst-Chef Hans-Albert Letter FOTO: Doris Döpke