Im Labor ist alles anders

Im Labor ist alles anders

Homburg. Das Universitätsklinikum mal von Innen erleben, Spannendes hören und selbst Spannendes erleben: Für 40 Schülerinnen der Klassenstufe acht und neun aus dem ganzen Saarland wurde diese Herausforderung gestern für einen Tag Wirklichkeit

Homburg. Das Universitätsklinikum mal von Innen erleben, Spannendes hören und selbst Spannendes erleben: Für 40 Schülerinnen der Klassenstufe acht und neun aus dem ganzen Saarland wurde diese Herausforderung gestern für einen Tag Wirklichkeit. Seit einer Woche sind die Mädchen Teil des Uni-Camps der Universität des Saarlandes; gestern galt es, bei einem eintägigen Abstecher nach Homburg die Medizinische Fakultät kennenzulernen. Für diesen Teil des Ausflugs hatten sich die Organisatoren das weite Feld der Molekularen Medizin ausgesucht - und dabei einen ganz spannenden Themenkomplex in den Vordergrund gestellt: das Erbgut. "Los ging es mit einem Vortrag aus dem Bereich der Virologie. Nach dem Mittagessen dreht sich alles um DNA, und dabei zu Beginn um deren Extraktion aus Obst und Gemüse", erläuterte Gabriele Amoroso, Koordinatorin des Kompetenzzentrums Molekulare Medizin und damit auch verantwortlich für die Betreuung für Schülerpraktika. "Die Extraktion ist für viele sehr überraschend. Denn viele rechnen gar nicht damit, dass auch Obst und Gemüse DNA besitzen. Dank vieler Krimis bringen nicht wenige DNA vor allem mit dem Menschen in Verbindung." Doch mit der Extraktion sollte es gestern nicht getan sein. Amoroso: "Die Schülerinnen werden diese DNA dann vermehren, färben und am Schluss sichtbar machen." Ein solch komplexes Thema Schülern nahe zu bringen, bedarf der Vorbeitung: "Wir legen natürlich Wert auf eine anständige Einführung in dieses Thema. Wir sind mit acht Betreuungspersonen vor Ort, die jederzeit Fragen beantworten können. Und natürlich passen wir das Niveau dem Kenntnisstand an." Dass man mit diesem Thema den Nerv der Schülerinnen treffen würde, dessen waren sich Amoroso und die anderen Betreuer und Fachkräfte sicher. Bei Lisa Zewe, Sabrina Kallenborn und Sarah Walczuch lag Gabriele Amoroso mit ihrer Einschätzung richtig. "Schon der Vortrag über Kinderkrankheiten heute morgen war sehr informativ", freute sich Lisa Zewe. Und mit dem Tag am Universitätsklinikum klärte sich auch ein bisschen die Frage nach der beruflichen Zukunft. "Ich wollte eigentlich schon immer in die Medizin. Seit heute bin ich mir aber sicher." Sarah Walczuch interessierte in den zurückliegenden Tagen des Uni-Camps vor allem die Computerlinguistik, aber auch sie konnte dem Tag im Reich der Medizin einiges abgewinnen. "Ich denke, das war heute richtig spannend. Schon alleine deswegen, weil ich mir gar nicht vorstellen kan, wie man so etwas Kleines wie DNA darstellen kann." Und Mit-Uni-Camperin Sabrina Kallenborn? "Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst vor dem Bereich Medizin. Aber schon der Vortrag hat mich richtig interessiert." Meinung

Mädchen werden gebraucht

Von SZ-RedakteurinChristine Maack Mädchen "nur" für den Medizinerberuf zu begeistern, wäre unnötig, denn schon jetzt machen mehr Mädchen ein Medizin-Examen als Jungs. Anders verhält es sich mit den rein naturwissenschaftlichen Ausprägungen der medizinischen Forschung: Chemie, Physik, Biophysik. Das ist nach wie vor eher Männersache. Aber anders als im Handwerk, gibt es in der Wissenschaft bei Mädchen nur wenig Berühungsängste, sofern es sich nicht gerade um Ingenieurwissenschaften handelt. Hier herrscht der größte Nachholbedarf, nicht in den modernen Laboren dieser Welt. Aber die Frage, ob Mädchen dies oder das wollen oder nicht, wird sich in zehn Jahren nicht mehr stellen. Dann braucht man die Mädchen dringend in allen Berufen, weil sonst das Land den demografischen Wandel nicht auffangen kann.

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