Im Kundengespräch durchblicken

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Friedrichsthal. Der landesbeste Glaser-Azubi kommt aus Friedrichsthal

Friedrichsthal. Der landesbeste Glaser-Azubi kommt aus Friedrichsthal. Denis Bernardi (18) hat schon mit 16 die Erweiterte Realschule Edith Stein mit Hauptschulabschluss verlassen und war so zielstrebig auf seinen Ausbildungsbetrieb zugegangen, dass sein Ausbildungsmeister Erik Weber, der Inhaber der Glas Kamp GmbH, nicht lange überlegte: "Man muss kein Abitur haben, um einen Handwerksberuf zu lernen", sagt er. "Mir fällt immer dieser Satz meines eigenen Ausbildungsmeisters ein, und daher schaue ich, ob der Bewerber die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen beherrscht. Wenn dann die Chemie stimmt, kann es losgehen", sagt er.Denis machte ein zweiwöchiges Praktikum in der Glaserei, schickte eine Bewerbung und wurde sofort genommen. Inzwischen hat er drei Jahre die Berufsschule in Saarlouis besucht und als landesbester Auszubildender 2011 abgeschlossen.

Erfahrung sammeln

Er ist stolz auf dieses Ergebnis und hat damit auch seine Ausgangschancen für die weitere Qualifikation verbessert: "Durch den Erfolg habe ich nun Anspruch auf Förderung, wenn ich die Meisterschule besuchen will", erzählt er, er habe sich aber diesbezüglich noch nicht festgelegt. Sein Ausbildungsbetrieb hat ihn erst einmal als Gesellen übernommen, nun sammelt er Berufserfahrung. Ob er dann noch den Meisterbrief machen wird, und ob seine berufliche Zukunft im Angestelltenverhältnis oder in der Selbstständigkeit liegt, das habe er noch nicht durchdacht. Sein Ausbilder Erik Weber hat ihm aber auf jedem Weg Unterstützung zugesagt, denn Weber selbst ist ein überzeugter Handwerker, der bislang sechs junge Handwerker ausgebildet hat; sie verdienten heute alle in ihrem/seinem Beruf gutes Geld. "Alle unsere Auszubildenden sind heute gut unter", weiß er zu berichten. Umso verwunderter ist er, dass das Handwerk generell ein Bewerberproblem habe: "Wir bekommen pro Jahr fünf Bewerbungen, die Betriebe mit kaufmännischen Stellen 50 Bewerbungen", sagt Weber. Dabei sei das Handwerk lukrativ und eine hervorragende berufliche Basis mit breiten Möglichkeiten. "Die Handwerker tragen eben nicht nur die Schippe auf der Baustelle, sie beraten Kunden und lösen Probleme," sagt er.

So sei auch Denis ausgebildet worden - mit viel Kundenkontakt und vielen individuellen Aufgaben. Sein Gesellenstück war eine Art Kirchenfenster aus Bleiglas, das sehr gut benotet wurde. Ansonsten arbeitet er mit Scheiben und Spiegeln, aktuell baut er eine Glasvitrine für einen Kunden. Das Glas wird geschnitten, gebohrt und sandgestrahlt. Privat ist der junge Friedrichsthaler sportbegeistert, er joggt, schwimmt und spielt Tischtennis. In seiner Freizeit schraubt er außerdem an seinem Auto, das er selbst instand hält und spielt mit dem Computer. Der 18-jährige Glasergeselle sammelt nun berufliche Erfahrung. bub

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