1. Saarland

Im Kampf gegen den Säuglingstod

Im Kampf gegen den Säuglingstod

Plötzlicher Kindstod - eine Angst, die Eltern im ersten Lebensjahr eines Babys begleitet. Dr. Eberhard Müller, Chefarzt der Frauenklinik im St. Wendeler Marienkrankenhaus, gibt Tipps rund um den idealen Schlafplatz für Babys. In seinem Team wird die Reanimation von Säuglingen regelmäßig geübt, jetzt auch mit spezieller Puppe.

St. Wendel. Für viele Paare ist es wohl der schönste Moment im Leben: die Geburt des gemeinsamen Kindes. Doch in die Freude mischt sich bei vielen frisch gebackenen Eltern auch die Angst um das neugeborene Leben. Der plötzliche Kindstod ist nach wie vor die häufigste Todesart im ersten Lebensjahr eines Babys. Ganz plötzlich setzt die Atmung bei dem Säugling aus. Um auf einen solchen Notfall auch auf der Station für Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Wendeler Marienkrankenhaus vorbereitet zu sein, finden vierteljährlich Übungen statt. "Im Team mit Ärzten, Kinderschwestern und Hebammen gehen wir unter anderem auch den Ablauf der Reanimation bei Säuglingen durch", erklärt Dr. Eberhard Müller, Chefarzt der Frauenklinik.Damit die Stations-Mannschaft solche Übungen künftig noch realitischer gestalten kann, hat Jörn Simon dem Marienkrankenhaus nun eine Reanimationspuppe überreicht. Dem Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) Saarland liegt das Thema plötzlicher Kindstod am Herzen. "Die Aufklärung über die Risiken hat auch im Saarland zu einer deutlichen Senkung der Fallzahlen geführt", weiß Simon. Während es 1996 noch zehn Todesfälle gab, war es 2008 nur einer, im Jahr 2009 allerdings wieder vier. Damit sich diese Zahl wieder verringert, hat die TK zusammen mit der Selbsthilfeorganisation "Gemeinsame Elterninitiative plötzlicher Säuglingstod" Baden-Würtemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland damit begonnen, Geburts- und Kinderstationen in saarländischen Krankenhäusern mit solchen Puppen auszustatten.

Die Reanimationspuppe hat die Größe eines Säugling, trägt einen weißen Strampler und wenn man das Köpfchen nicht richtig hält, kippt es nach hinten - wie bei einem echten Baby. "An der Puppe kann zum Beispiel die Maskenbeatmung geübt werden", erklärt Müller. Um zu kontrollieren, ob genügend Luft in die Lunge einströmt, kann die Puppe am Brustkorb geöffnet werden. Dort lässt sich die Lunge austauschen.

Die Ärzte, Kinderschwestern und Hebammen auf der Geburtsstation sind für Notfälle gewappnet und die Versorgung der Neugeborenen ist gewährleitet. Aber was ist, wenn die Eltern die ersten Nächte mit ihrem Baby zuhause verbringen? Dann ist die Angst, dass dem Säugling im Schlaf etwas zustoßen könnte, wieder da. Doch es gibt eine Reihe von Tipps für junge Eltern. "Die Kinder sollten auf dem Rücken liegen", sagt Dr. Müller. Vorbei ist die Zeit, in der man Eltern dazu geraten hat, die Säuglinge auf den Bauch zu legen. Wichtig ist auch, dass die Babys im eigenen Bett auf einer flachen Matratze schlafen. "Kissen und Plüschtiere sollten nicht im Bett sein", so Müller. Er empfiehlt einen Schlafsack für Säuglinge. Da liegen die Kleinen am besten drin. Das Kinderbett sollte idealerweise im Elternschlafzimmer stehen. Denn man habe festgestellt, dass die Schlafgeräusche der Eltern die Kinder stimulieren.

Bei bestimmten angeborenen Erkrankungen, Frühchen und bei Säuglingen, in deren Familie es bereits einen Fall von plötzlichem Kindstod gab, gilt erhöhte Vorsicht. Doch der größte Risikofaktor für den plötzlichen Tod eines Säuglings ist das Rauchen. Trotz Aufklärung rauchen Mütter während und nach der Geburt des Kindes weiter.

´Tritt der Ernstfall ein und der Säugling hört auf zu atmen, ist schnelles Handeln gefragt. "Während bei Erwachsenen die Herz-Druck-Massage bei der Reanimation wichtig ist, ist bei Neugeborenen die Zufuhr von Luft das Entscheidende", erklärt Dr. Müller. "Bei der Reanimation von Neugeborenen ist die Zufuhr von Luft das Entscheidende."

Dr. Eberhard Müller