1. Saarland

Ihm kann im Saarland keiner das Wasser reichen

Ihm kann im Saarland keiner das Wasser reichen

Rilchingen. Armin Schönenberger arbeitet im Hauptberuf als Verkaufsleiter beim Gesundbrunnen Bad Rilchingen. Nun hat er sich zum zertifizierten Wassersommelier ausbilden lassen und ist damit der erste Saarländer, der zu den "29 exklusiven Mitgliedern der deutschen Wassersommelier-Union" gehört, wie es in einer Mitteilung heißt

Rilchingen. Armin Schönenberger arbeitet im Hauptberuf als Verkaufsleiter beim Gesundbrunnen Bad Rilchingen. Nun hat er sich zum zertifizierten Wassersommelier ausbilden lassen und ist damit der erste Saarländer, der zu den "29 exklusiven Mitgliedern der deutschen Wassersommelier-Union" gehört, wie es in einer Mitteilung heißt. Exklusiv ist wohl das passende Wort, denn nur Luxushotels wie das Adlon oder das Grand Hyatt in Berlin leisten sich tatsächlich einen Wassersommelier - also einen Experten, der die Gäste speziell über das passende Mineralwasser berät. Und nun gibt es einen dieser Experten sogar im Saarland, "aber ich bin nicht in einem Restaurant tätig, sondern ich berate Getränkefachgroßhändler und die Gastronomie beim Einkauf von Mineralwässern," erklärt Schönenberger. Er kennt sich aus bei der Qualität und gibt Einblicke in mineralogische und geschmackliche Besonderheiten unterschiedlichster Mineralwässer.Denn längst ist Mineralwasser ein Modegetränk geworden, mit dem sich auch Hollywoodstars gerne zeigen. Zum Beispiel mit der Marke Voss, einem in Designer-Flaschen abgefüllten norwegischen Wasser, das angeblich aus einem Gletscher sprudelt. Kürzlich konnte man lesen, dass es in dem Dorf Iveland aus dem Hahn kommt, wo weit und breit kein Gletscher ist. "Es wird viel übers Design verkauft", sagt der Experte, "ich finde es übertrieben, Wasser aus Südafrika oder von den Fidschi-Inseln bei uns einzufliegen, zumal Deutschland zu den Ländern mit den besten Mineralwasser-Qualitäten gehört."

Deshalb plädiert Schönenberger für Wasser aus heimischen Quellen: "Ich bin ein Freund der Rilchinger Quellen. Das Gräfin-Marianne-Mineralwasser wird von allen Spitzen-Gastronomen im Saarland angeboten, denn es ist leicht im Geschmack, natriumarm und passt zu jedem Essen." Was ihn ärgert, sind Marketing-Tricks, die auf der Esoterik-Welle reiten: "Da gibt es zum Beispiel Wassersorten, die angeblich bei Vollmond gezapft werden und deshalb besonders wirksam seien. Oder man spricht von Bio-Wasser. Das ist Quatsch, denn jedes Mineralwasser ist laut Verordnung Bio-Wasser."

Und wie unterschiedlich schmeckt nun das Wasser? "Die Quellen, die am vulkanischen Eifelrücken liegen, der vom Hunsrück bis ins Hessische reicht, sind sehr charakteristisch im Geschmack, deutlich natriumhaltig, also ideal für Sportler, dazu gehören etwa Gerolsteiner, Appolinaris oder Fachinger", betont der Wasserfachmann. Selbst im kleinen Saarland gibt es deutliche Unterschiede: Das Mineralwasser, das aus dem saarpfälzischen Buntsandstein kommt, ist milder und neutraler im Geschmack als das natriumhaltige, kräftige Wasser aus dem Hochwald.

Im Übrigen kann man im Saarland auch Wasser aus dem Hahn trinken, sofern man im Haus moderne Leitungen hat, "denn die Wasserwerke im Saarland liefern Top-Qualität, in den meisten Fällen muss das Wasser gar nicht gechlort werden." Und wie ist es, wenn man als Gast, ähnlich wie beim Wein, mit besonderen Fachkenntnissen glänzen möchte? Was immer Eindruck mache, sei das französische Châteldon, ein Wasser aus der Auvergne, das schon Louis XIV am Hof von Versailles schätzte, erklärt Schönenberger. Oder Etrusca aus dem italienischen Piemont, Mondariz aus Spanien oder TyNant aus Wales. Wer Juice of the clouds bestellt, ist vermutlich ein Angeber. Denn dabei handelt es sich um aufgefangenes Regenwasser aus Tasmanien. "Das muss wirklich nicht sein", meint Schönenberger, "da bleibe ich doch lieber bei unseren saarländischen Quellen." maa