"Ich will Dinge zeigen, die vergessen sind"

"Ich will Dinge zeigen, die vergessen sind"

Eppelborn. Die Dielen knarren beim Wandeln durch die rustikalen Räume. Der Blick fällt immer wieder auf die Bilder an den Wänden, die wiederum rustikale Zimmer zeigen

Eppelborn. Die Dielen knarren beim Wandeln durch die rustikalen Räume. Der Blick fällt immer wieder auf die Bilder an den Wänden, die wiederum rustikale Zimmer zeigen. Es ist ein Glücksfall, dass der Dirminger Pascal Dihé seine Fotografien von verlassenen Bauernhäusern an einem Ort ausstellt, "der vor 20 Jahren noch genauso aussah", wie es Aloysius Scholtes von der Stiftung Kulturgut Gemeinde Eppelborn beschreibt. Inzwischen ist das Bauernhaus Habach ein Schmuckstück, wo sich Kunst und Raum gegenseitig ergänzen. "Menschenleer" heißt Dihés Fotoexposition, die verfallene Bauernhäuser in Lothringen und Luxemburg zeigt. Und dennoch sind die Bilder voller Leben und erzählen die Geschichte jener, die längst gegangen sind.Alte Röntgenaufnahmen, eine Brille auf dem Wohnzimmertisch oder eine Saarbrücker Zeitung aus dem Jahr 1936. Dihé fängt Momente ein, die Fragen aufwerfen. Was wurde aus den Menschen? Warum sieht es so aus, als seien sie gerade erst gegangen, obwohl sie seit Jahrzehnten nicht mehr dort wohnen? Denn bewohnbar sind die abgelichteten Bauernhäuser längst nicht mehr, wie Dihé zur Eröffnung seiner Ausstellung erklärt: "Die Häuser, die ich besuche, stehen meist kurz vor dem Abriss." So verwundert es nicht, dass manche der abgelichteten Objekte längst verschwunden sind. "Es ist ein bisschen so, als blicke man zu Sternen auf, die längst nicht mehr existieren", sinniert eine Besucherin. In dieser Erfahrung besteht die größte Motivation des Fotografen: "Ich will Dinge zeigen, die vergessen sind. Es ist mir wichtig, sie festzuhalten und anderen zugänglich zu machen."

Der Diplom-Informatiker hat erst vor fünf Jahren mit der Fotografie angefangen; nichtsdestotrotz zeigen seine Bilder Sinn für Blickwinkel und Situationen. Ihre Ästhetik verdanken die Fotos einer besonderen Aufnahmetechnik. "Die Fotos sind aus bis zu zwölf Einzelaufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten zusammengesetzt. Dadurch entstehen kräftige Farben, eine besondere Schattierung und ein scharf durchgezeichneter Hintergrund." So werden die Räume als Ganzes erfahrbar; es entsteht eine Art kunstvolles Wimmelbild, das es zu erkunden gilt: "Manchmal ist der Hintergrund sogar interessanter als das, was sofort ins Auge fällt. Da sieht man Spinnweben und abblätternde Tapeten, kunstvolle Holzmalereien oder etwa einen Spiegel, der den Raum noch weiter für den Betrachter öffnet."

"Menschenleer" ist bis zum 11. September zu sehen, jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr.